Posts mit dem Label Werwolf werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Werwolf werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 19. April 2017

Ein Mann besaß einen Wolfsgürtel

Ein Mann besaß einen Wolfsgürtel, d.h. er hatte die Fähigkeit, sich in einen Wolf (Wehrwolf) zu verwandeln. Einst veranstalteten die Jäger eine Fuchsjagd und hatten ein todtes Pferd als Köder für den Fuchs in den Wald gelegt. Der Wehrwolf begab sich dahin und fraß von dem Pferde. Dabei wurde er von den Jägern überrascht und angeschossen. Er entfloh, und als man in das Haus des Mannes trat, der im Verdacht stand, ein Wehrwolf zu sein, fand man ihn im Bette mit der Schußwunde.

Karl Bartsch
Sagen, Märchen und Gebräuche aus Meklenburg 1–2
Band 1
Wien 1879/80

Donnerstag, 26. November 2015

Die Werwolf-Probe

Eines Tages brachten Bauern einen Mann nach Königsberg zu Herzog Albrecht von Preußen (*1490 - +1568), den sie für einen Werwolf hielten. Er sah verwildert aus und hatte im Gesicht Narben und Wunden. Der Mann sagte, dass diese von Hunden stammten, die ihn verfolgten, wenn er sich als Werwolf verwandelte. Dies würde zweimal im Jahr geschehen, einmal zum Johannisfest und dann zu Weihnachten. Er würde die Gestalt eines Wolfes annehmen, in die Wälder laufen und sich zu den echten Wölfen gesellen. Die Verwandlung würde ihm nicht leicht fallen, gab der Mann zu. Jedes Mal würde ihn große Angst überkommen, bevor die Haare ausbrächen und der Wolfspelz wuchs. Das alles schien sehr glaubhaft zu sein, doch wolle man sich selbst davon überzeugen. Deshalb behielt man ihn im Schloss, bis die Zeit der Verwandlung kam. Aber der Mann blieb ein Mensch und wurde kein Wolf.

Erzählt nach einer alten ostpreußischen Sage

Dienstag, 20. Oktober 2015

Der Böxenwolf

Der Werwolf von Neuses
(Wikipedia)

Eine Abart des Werwolfs ist der sogenannte Böxenwolf; das ist ein Mensch, der mit dem Teufel im Bunde steht und durch Umschnallen eines Gürtels ein riesenstarker Wolf wird, um andere Leute zu quälen. Besonders liebt er es, denselben auf den Rücken zu springen und sich eine Strecke weit tragen zu lassen. Im Schaumburgischen giebt es wohl kein Dorf, wo sich nicht Jemand fände, dem dieß schon begegnet sein soll. Auch er wird durch Verwundung erkannt. – Der Name scheint auf das plattdeutsche böxen – Hosen – zurückzuführen und demnach einen Wolf zu bezeichnen, der eigentlich Hosen trägt, also einen männlichen Werwolf, dem sich vielleicht der von Grimm besprochene rheinisch-westfälische Uetterbock – Euterbock - als weiblicher zur Seite stellt (?).

Dr. Wilhelm Hertz
Der Werwolf
Beitrag zur Sagengeschichte
Stuttgart, 1862

Donnerstag, 28. März 2013

Von Werwölfen (3)

Bildquelle: Wikipedia

Einst ritt ein armer aber furchtloser Bauernbursch durch den Wald. Hier und da heulten Wölfe. Aus Mutwillen ahmte er ihnen nach und heulte immer lauter und lauter. Aber sein Pferd war alt und kam nur langsam von der Stelle, während die Wölfe durch sein Heulen näher herangelockt wurden. Das ging ihm denn doch etwas über den Spaß. Da erblickte er auf einer kleinen Waldlichtung vor sich ein Feuer, sprang vom Pferde und ging auf dasselbe zu. Dort saß auf einem Scheiterhaufen ein ehrwürdiger, hoher Greis, von Wölfen umgeben. Diese wollten sich gierig auf den Ankömmling stürzen, aber ein Wink des Alten bannte sie an ihren Platz. »Warum narrst du meine Wölfe?« fragte der Alte. »Dieses Mal mag's dir noch hingehen, in Zukunft aber sieh dich vor! Binde jetzt dein Pferd dort an die Tanne, selbst aber leg dich zu mir ans Feuer. Es soll euch beiden kein Leid geschehen!«

Der Bauer that, wie ihm geheißen und schlief bald ein. Am andern Morgen waren der Greis und seine Wölfe verschwunden; an Stelle des Feuers aber lag da ein Haufen Gold und des Burschen altes, schwaches Pferd hatte sich in ein junges, starkes Roß verwandelt


Lettische Märchen
Nacherzählt von Victor von Andrejanoff
Leipzig, 1896

Mittwoch, 27. März 2013

Von Werwölfen (2)

Ein Bauer, welcher eben erst geheiratet hatte, schickte sein Weib aufs Feld hinaus. Als die junge Frau wiederkam, brachte sie ein totes Lamm mit. »Iß,« sagte sie zum Mann, »ich will indessen schlafen!« Das wiederholte sich mehrere Male, so daß der Bauer argwöhnisch wurde und ihr nachzugehen beschloß.

Gedacht, gethan. Als sie wieder einmal aufs Feld hinaus mußte, schlich er ihr vorsichtig nach und sah, daß sie unter die Kleete kroch. Von dort kam sie dann in Wolfsgestalt wieder heraus und eilte fort. Der Bauer entsetzte sich, schaute unter der Kleete nach, fand seiner Frau Kleider und verbarg dieselben.

Nach einiger Zeit kehrte die Wölfin, mit einem Lamm im Rachen, zurück und kroch wieder unter die Kleete. Aber ihre Kleider waren fort – und sie konnte nicht mehr Mensch werden. Heulend und winselnd verließ sie den Hof und verschwand für immer im nahen Walde.


Lettische Märchen
Nacherzählt von Victor von Andrejanoff
Leipzig, 1896

Dienstag, 26. März 2013

Von Werwölfen (1)

»The Werewolf Delusion« by Ian Woodward
18. Jh. (Quelle: Wikipedia)

Einst mähten Arbeiter Gras auf einer Wiese. Da sprach einer von ihnen: »Wenn ich doch jetzt ein Schäflein hätte! Mich gelüstet sehr nach solchem Braten.« Der andere lachte, er aber ging hinter einem Balkenhaufen fort und verschwand am Waldessaum. Als er nach längerer Zeit nicht wiedergekommen, gingen ihm die übrigen Arbeiter nach. Hinter jenem Balkenhaufen fanden sie seine Mütze und Kleider hart bei einem Baumstumpf, dessen Wurzel aus der Erde herausgewachsen war, so daß sie ein kleines Thor zu bilden schien. Nun ging dem ältesten der Arbeiter, dem sogenannten Vorarbeiter, ein Licht auf; er nahm einen starken Knüttel und verbarg sich hinter einer Tanne. Nach einiger Zeit kommt ein mächtiger Wolf gelaufen, der ein frisch getötetes Schaf im Rachen trägt. Zuerst steckt er das Schaf durch jenes Wurzelthor an der Erde hindurch und will dann selbst nachkriechen – aber – klatsch! – saust der Knüttel des Vorarbeiters gerade auf des Wolfes Schwanz nieder, so daß derselbe vom Körper fällt. Sofort verwandelt sich der Wolf wieder in jenen Arbeiter, wurde von den andern ergriffen und trotz wütender Gegenwehr mit Gewalt nach Hause gebracht. Der Wolfsschwanz war am andern Tage von jener Stelle verschwunden, der Arbeiter aber hat niemals wieder ein Schaf geraubt.

Lettische Märchen
Nacherzählt von Victor von Andrejanoff
Leipzig, 1896

Freitag, 7. Dezember 2012

Der Werwolf


Dauerhaft kostenlos gibt es das E-Book "Der Werwolf" mit einer Kriminalnovelle von Richard Dehmel im beam ebookshop. Richard Dehmel (1863 - 1920) war ein Schriftsteller des Naturalismus. Für seine Lyrik schon zu Lebzeiten anerkannt, sind sein erzählerisches und dramatisches Werk weitgehend unbeachtet geblieben.

Horst-Dieter Radke (Hrsg.)

Dienstag, 6. September 2011

Die Frau ist ein Werwolf

Bildquelle: Wikipedia

In Caseburg auf Usedom waren einmal ein Mann und seine Frau beim Heuen auf einer Wiese beschäftigt. Da sagte die Frau nach einiger Zeit, sie habe gar keine Ruhe mehr, sie könne nicht mehr bleiben, und ging fort. Vorher aber der Mann ihr noch versprechen, daß, wenn etwa ein wildes Tier käme, er ihm seinen Hut hinwerfen bevor er fliehen wolle. Daß wilde Tier täte ihm dann keinen Schaden. Das versprach der Mann. Nur eine kleine Weile war sie fort, da kam durch die Swine *) ein Wolf geschwommen. Der ging grade auf die Heuer los; da warf ihm der Mann seinen Hut hin, den das Tier sogleich in kurz und kleine Stücke zerriß. Aber unterdessen hatte sich ein Knecht mit einer Forke herangeschlichen und erstach den Wolf von hinten. Im selben Augenblick aber verwandelte sich das Tier, und alle erstaunten nicht wenig, als sie sahen, daß es des Bauers Frau war, die der Knecht getötet hatte.
Sage aus Mecklenburg-Vorpommern

*) Swine ist der Meeresarm in der Ostsee zwischen der Insel Usedom und dem Stettiner Haff

Dienstag, 9. August 2011

Werwölfe in der Heide

Lucas Cranach
(Bildquelle: Wikipedia)

In Lachendorf hatte ein Bauer einen Knecht; der lag mit einem andern Knecht auf der Wiese hinterm Busch, und sie hielten Mittagsruhe. Da schlief der zweite Knecht beinahe ein, aber er blinzelte doch mit den Augen und sah, wie der andre Knecht einen ledernen Gürtel umtat und sich in einen Werwolf verwandelte, darauf fortlief, ein junges Füllen, das unten auf der Wiese graste, anfiel und fraß mit Haut und Haar. Wie er nun zurückkam, legte er sich neben den andern Knecht, der noch tat, als wenn er schliefe. Wie die Zeit um war, standen sie beide auf und mähten bis es Abend war. Darauf gingen sie zusammen nach Lachendorf, und unterwegs sagte der eine Knecht zum Werwolf: ich möchte mich doch nicht an lebendigem Pferde satt fressen. – Das hättest du draußen nicht sagen sollen, es wäre dir übel ergangen, sagte der Werwolfsknecht. Ein andermal stand der Knecht wieder von der Mittagsruhe auf, tat seinen Gürtel um und lief davon, aber da verfolgten ihn die Knechte, hetzten die Hunde auf ihn und schlugen ihn tot, weil er ein Werwolf war.
Die Menschen verwandeln sich in Werwölfe, indem sie einen Gürtel umlegen, und dann stehlen sie den Leuten allerlei. Den Knechten, die Korn auf dem Rücken tragen, nehmen sie das Korn ab. Ruft man einen Werwolf bei seinem menschlichen Namen, wenn man ihn nämlich weiß, so muß er so lange laufen, bis er umkommt.
 
Sage aus Niedersachsen

Montag, 14. März 2011

Werwolfsfabeln


[...]In der altgermanischen Götterwelt wird der Wolf, das Tier Wodans, eher geachtet als verabscheut; letzteres geschieht erst viel später, nachdem die christliche Lehre den Götterglauben unserer Vorfahren verdrängt hatte. Nun verwandelte sich Wodan in den „wilden Jäger“ und seine Wölfe in dessen Hunde, bis zuletzt aus diesen der gespenstische Werwolf wird: ein Ungeheuer, zeitweilig Wolf, zeitweilig Mensch, Blindgläubigen ein Entsetzen. Noch heute spukt die Werwolfsfabel in verdüsterten Köpfen und flüstert das Volk sich zu, durch welche Mittel das gespenstische Ungeheuer zu bannen und unschädlich zu machen sei.[...]
Alfred E. Brehm
Brehms Tierleben
Säugetiere 2.
Leipzig und Wien 1890, S. 21.

Mittwoch, 15. Dezember 2010

... daß sich Leute in der Christnacht in Wölffe verwandeln

Bildquelle: Wikipedia


In den mitternächtigen Ländern, schreibt Olaus M. daß sich die Leute in der Christnacht in Wölffe verwandeln, und grossen Schaden thun, andere anfallen, zerreissen, und so gar der jungen Kinder nicht verschonen. In Teutschland hat man auch unterschiedliche Exempel, daß Hexen und Zauberer sich in Wölffe verwandelt haben, und wenn sie verwundet, oder daß ihnen eine Patten ab gehauen worden, hat sich befunden daß es Menschen Hände oder Füsse gewesen.

Johann Nikolaus Pfitzer
(1634–1674?)

Dienstag, 24. Februar 2009

Marie de France

Marie de France wurde um 1135 in der Region Île-de-France geboren und starb um 1200. Sie ist die erste bekannte Autorin der französischsprachigen Literatur. Sie hatte eine gute Bildung und schrieb im anglonormannischen Dialekt für den englischen Hof von Heinrich II. Ihr bekanntestes Werk sind die Lais eine Sammlung von zwölf Versnovellen, die um 1170 entstanden sind. Darin werden Märchenmotive und Sagenstoffe verarbeitet, u.a. auch der Tristan und Isolde-Stoff. Die Novelle Bisclavret handelt von einem Werwolf, der sich nicht mehr in einen Menschen zurückverwandeln kann, weil seine Frau die Kleidung versteckt hat. Letztendlich kann er sich doch noch aus dieser Lage befreien und entpuppt sich als der eigentlich Gute in dieser Novelle. Außerdem schrieb Marie de France 102 Fabeln, die nach ihrer eigenen Anmerkung auf eine altenglische Vorlage fußt, die allerdings eine lateinische Übersetzung der Fabelsammlung des Aesops gewesen sein soll.

Horst-Dieter Radke

XXIV.
De cervo ad fontem

Issi avint qu’uns cers beveit
a une ewe, kar sei aveit,
Guarda dedenz, ses eornes vit.
A sei meismes a dune dit
que nule beste nel valeit
ne si beles cornes n’avelt.
Tant entendi a sei loër
e a ses cornes esguarder,
que il vit venir ehiens eurant
e lur mestre, ki vient eornant;
aprés lui viement, sil quereient,
pur eco que prendre le voleient.
El bois se met tuz esmaiez.
par ses eornes est atachiez,
en un buissun est retenuz.
Dune sunt li chien a lui venuz.
Quant il les vit si aprismier,
si se emenee a desraisnier.
‘Veirs est’, fet il, ‘que li huem dit
e par essample e par respit:
li plusur vuelent eco loër
qu’il deverient suvent blasmer,
e ico laissent qu’il devreient
forment loër, se il savelent.’