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Sonntag, 20. Januar 2013

Bidpai's Fabelbuch (5)


Arabisch

Die älteste Uebersetzung unsers Buches ist die aus dem Pehlwi gemachte arabische von Abdallah ben Mokassa. Dieser Mann war ein geborner Perser und lange Zeit der Religion der Mager ergeben. Später, im Dienst des Isa ben Ali, eines Onkels der beiden Khalifen Saffah und Mansur, schwor er seine väterliche Religion ab und wurde ein Bekenner des Islam, wiewohl seine Orthodoxie stets in großem Verdacht blieb. sein sarkastisches Wesen zog ihm viele Feinde zu, und unter diesen auch den Khalifen Mansur selbst. Er endete daher auf eine schreckliche Weise, durch die Hand des von Mansur beauftragten Statthalters von Basra, Sofjan, – es wurde ihm ein Glied des Leibes nach dem andern abgeschnitten und in einen Ofen geworfen, zuletzt sein ganzer übriger Körper. – Er starb 145. d. H. d. i. 8762 unserer Zeitrechnung *).



Zuförderst verlangt Ibn Mokasse von den Lesern des Buchs, das sie nicht bei dem Aeußern der Erzählungen stehen bleiben, sondern, daß sie vielmehr den verborgenen moralischen Sinn derselben aussuchen sollen. Erst dann werde das Buch Nutzen bringen. So müße man ja auch die Nuß erst aufbrechen, wenn man sie genießen wolle. Sodann empfiehlt er: die erkannten Lehren der Weisheit in das praktische Leben übergehen zu lassen, denn das Wissen helfe nichts, wenn man nicht darnach handle. Das Wissen, sagt er, vollendet sich erst durch das Handeln, das Wissen ist wie der Baum, und das Handeln wie die Frucht. Und wer nach dem wohl erkannten Guten nicht handle, der mache sich dadurch nur um so strafbarer. Der weise Mann, fährt er fort, werde bei all seinen Unternehmungen sich stets ein nützliches Ziel vorstecken, er werde Missgeschick, das ihn nach göttlicher Fügung treffe, in Geduld ertragen, denn dasselbe sey nur ein anscheinendes und werde für ihn günstigen Erfolg haben. Das Vertrauen auf die göttliche Vorsehung dürfe ihn nicht abhalten das seinige zu thun, um seine Bedürfnisse zu befriedigen, aber der höchste Gegenstand seiner Bestrebungen müßen immer die bleibenden und unvergänglichen Güter seyn. Der einsichtsvolle Mensch werde auf seiner Hut seyn gegen seine Leidenschaften, nicht Glauben schenken den Worten aller Welt, nicht hartnäckig bestehen bei einem falschen Verfahren, an das Unausweichbare der Beschlüsse der Gottheit glauben, mit Muth und fester Ausdauer handeln, Andern nicht thun was er wünscht, daß man ihm nicht thue, und nie sein Vortheil auf Kosten Anderer suchen.. Zuletzt ermahnt er nochmals die Leser, daß sie sich nicht begnügen sollen, blos oberflächlich in dem Buch zu blättern, sondern daß sie es ganz und in ernster Aufmerksamkeit lesen sollen.

Der Verfasser des Buchs, sagt er noch am Ende, habe sich bei Abfassung desselben viererlei vor Augen gestellt. Einmal nemlich: dasselbe anziehend zu machen für die jungen Leute, was er dadurch zu erreichen glaubte, daß er darin verschiedene Thiere reden und handeln ließ. Zweitens: die Aufmerksamkeit der Fürsten zu fesseln durch die darin gezeichneten Gestalten der Thiere. Drittens: Daß dasselbe, dem Vergnügen gemäß, das die Leute aus allen Ständen in seiner Lectüre finden würden, durch eine große Anzahl von Abschriften sich vervielfältigen und so auf die fernste Nachwelt sich erhalten sollte. Viertens endlich, sagt er, betreffe der wahre Zweck der Abfassung des Buchs nur die Philosophen, d.h. sein höchster Zweck seyen die unter dem Gewande der Fabeln verborgenen Lehren der Weisheit und Moral.



Calila und Dimna
aus dem Arabisch
von Philipp Wolff
Stuttgart 1837

Montag, 14. Januar 2013

Bidpai's Fabelbuch (4)

Pehlwi

Die wichtigsten historischen Zeugnisse stimmen darin überein, daß unter Nuschirwan, dem Gerechten, das Buch Bidpai’s nach Persien gebracht worden sey. Der Arzt Barzujeh, so lauten die historischen Berichte, gieng entweder aus eigenem antrieb oder aus Auftrag des Königs nach Indien, um sich das außerordentliche Buch, dessen Ruf weit hin verbreitet war, zu verschaffen. Er erreichte seinen zweck durch seine Klugheit und Schlauheit. Barzujeh, der das Buch sofort in das Pehlwi (das Altpersische) übersetzte, erwarb sich durch seine Bemühungen die höchste Gunst seines Fürsten, verlangte aber von demselben als Lohn nichts anderes, als daß er seinen ersten Minister Buzurschmihr beauftragen möchte, die Geschichte eines (Barzujeh’s) Lebens bis zu seiner Reise nach Indien dem übersetzten Buch voranzustellen. …


Die Pehlwi Uebersetzung hatte fast mit der gesammten persischen Literatur das Loos, unter der Dynastie der Sassaniden durch den Glaubenseifer der Araber vernichtet zu werden.



Calila und Dimna
aus dem Arabisch
von Philipp Wolff
Stuttgart 1837

Donnerstag, 10. Januar 2013

Bidpai's Fabelbuch (3)

Indisch

Daß das Buch, d.h. der Grundstock desselben, indischen und nicht persischen Ursprungs sey, wie Herr von Diez zu beweisen sich bemühte, ist jetzt nach dem zu Tage geförderten indischen Text des Hitopadesa (freundliche Unterweisung) und nach den gründlichen Untersuchungen englischer und französischer Gelehrten, namentlich nach denen meines verehrtesten Lehrers, des Barons S. de Sacy außer allen Zweifel gesetzt. Außer vielen historischen Zeugnissen spricht für Indien als das Stammland dieser Fabelsammlung das indische Colorit, das sich an vielen Stellen unserer arabischen Uebersetzung nicht verkennen läßt, wiewohl der arabische Uebersetzer oder Bearbeiter im Ganzen das Buch zu nationalisieren suchte. Die allerdings nicht kleine Verschiedenheit in den einzelnen Fabeln und Erzählungen und in ihrer Anreihung an einander, bei Hitopadesa und unserm arabischen Text, darf nicht befremden. Der arabische Uebersetzer hat eben den ihm vorliegenden Stoff frei behandelt. Der Hitopadesa, dem selbst wieder ein älteres Werk, das Panchatantra (fünf Sammlungen), zu Grund liegt, ist zuerst von Wilkins in einer englischen Uebesetzung Bath, 1787 bekannt gemacht worden. …


Ueber die Entstehung des Buchs in Indien verbreitete sich die von einem gewissen Behnud, einem Perser, zu dem Buch gemachte Einleitung. Was an der Erzählung dieses Behnud Historie, was bloße Sage oder Erfindung sey, ist nicht auszumitteln, indeß ist wohl nicht zu zweifeln, daß dieselbe eine historische Grundlage habe. Das Wesentliche dieser Einleitung ist folgendes:


Nachdem der indische König Fur (Porus) durch Alexander den Großen überwunden und getödtet war, kam ein gewisser Dabschelim, königlichen Stammes, auf den Thron von Indien, denn der von Alexander an Porus Stelle eingesetzte Statthalter konnte sich nicht halten. Dieser Dabschelim wurde mit der Zeit ein vollkommener Tyrann. Zu seiner Zeit lebte ein wegen seiner Weisheit in allgemeinem Ansehen stehender Brahmane, namens Bidpai. Der Weise, von dem rücksichtslosen Eifer getrieben, den König von seinem ungerechten Thun und Treiben abzubringen, stellt sich vor demselben und hält ihm in freimüthiger Sprache alle seine Gebrechen vor und ermahnt ihn zur Aenderung seiner Handlungsweise. Der ob solcher Freimüthigkeit ergrimmte König gab alsbald Befehl, den Brahmanen an’s Kreuz zu schlagen, änderte jedoch gleich denselben dahin ab, daß er den Bidpai bloß in’s Gefängniß werfen ließ. Die zahlreichen Schüler des Weisen entflohen in entfernte Gegenden. Bidpai blieb lange Zeit im Gefängniß. In einer schlaflosen Nacht verfiel der König in Nachdenken über die Gestirne des Himmels und ihre Bewegungen, sowie über das System des Universums. Da gedachte er wieder des weisen Brahmanen, hoffte von demselben über das, was ihm dunkel war, Aufschluß erhalten zu können und bereuete seine an demselben ausgeübte Grausamkeit. So ward Bidpai vor den König gebracht und auf dessen Befehl wiederholte er, indem er die Reinheit seiner Absichten betheuerte, die früher demselben gegebenen Zurechtweisungen und Ermahnungen. Dabschelim hörte ihn aufmerksam und ruhig an, ließ ihm die Fesseln abnehmen und erklärte ihm sogar, ihm die Regierung seines Reichs anvertrauen zu wollen. Nur ungern gieng der Brahmane auf diese Antrag ein. Seine Verwaltung hatte, wie sich erwarten ließ, den günstigsten Einfluß auf das Reich. Alle Könige Indiens unterwarfen sich gern der Oberherrschaft des nun durch seine vortreffliche Eigenschaften ausgezeichneten Dabschelim. Bidpai erklärte hierauf seinen Schülern, die sich nach seiner ehrenvollen Erhebung zu dem höchsten Staatsamte wieder um ihn versammelt hatten, daß der König ihm den Auftrag gegeben: ein Buch zu verfassen, welches die wichtigsten Regeln der Weisheit in sich enthielte. Anfangs wollte Bidpai die Arbeit mit seinen Schülern theilen, aber bald sah er ein, daß er besser derselben sich allein unterzöge, und so gieng er an’s Werk, indem er nur einen seiner Schüler als seinen Schreiber annahm. Nachdem er sich mit Papier und mit den für ihn und seinen Schreiber nöthigen Nahrungsmitteln auf ein ganzes Jahr, welche Frist ihm vom König zur Abfassung seines Werks vergönnt war versehen hatte, schloß er sich mit seinem Schreiber in ein Zimmer ein, zu dem Niemand Eintritt erhielt. Nach Verfluß der bestimmten Frist ward er mit dem Buche fertig. Der König berief alle Großen und Weisen seines Reichs und vor solcher Versammlung las Bidpai sein Buch vor. Der König war entzückt darüber und zeigte sich bereit, dem Verfasser jegliche Belohnung, die er dafür verlangte, zu geben. Bidpai verlangte aber keinen andern Lohn, als daß sein Buch sorgsam aufbewahrt werden möchte, auf daß es nicht über Indien hinaus und in die Hände der Perser komme.



Calila und Dimna
oder
die Fabeln Bidpai’s.
Aus dem Arabischen
von Philipp Wolff
Stuttgart, 1837

Dienstag, 8. Januar 2013

Bidpai's Fabelbuch (2)

Schwer zu begreifen ist es, daß ein Buch wie vorliegendes der Fabeln Bidpai’s, dem der Orient wie der Occident seine Bewunderung gezollt, ein Buch, das wohl nächst der Bibel in die meisten Sprachen der Welt übersetzt ist, ein Buch, das ganze Völker begeisterte und dem Könige und Fürsten Aufmerksamkeit und Huldigung schenkten, – schwer zu begreifen ist es, sage ich, daß ein solches Buch bei uns in solches Dunkel der Vergessenheit gerathen ist, daß außer Gelehrten vom Fach fast Niemand mehr eine Kenntniß von demselben hat.

Aus der Einleitung zu:
Calila und Dimna
oder
die Fabeln Bidpai’s.

Sonntag, 6. Januar 2013

Bidpai's Fabelbuch

Kalila und Dimna
Afghanisches Manuskript, 1429
Quelle: Wikipedia

…Was den Titel vorliegenden Buches betrifft, so glaubte ich dem alten und ursprünglichen „Calila und Dimna,“ welches Benennungen zweier Schakale sind, die in den beiden ersten Capiteln des Buchs die Hauptrolle spielen, und wornach dann das ganze Buch benannt worden, den Titel beisetzen zu müßen, unter welchem das Buch am bekanntesten ist, „Fabeln Bidpai’s.“ Hier muß aber gegen die Meinung verwahret werden, welche nach diesem Titel blos gewöhnliche Thierfabeln, in unzusammenhängender Reihe neben einander gestellt, wie die des Aesop und Locman, erwarten wollte; denn Bidpai’s Fabelbuch enthält nicht vereinzelt dastehende Fabeln, sondern, mit einem Wort, eine Philosophie des Lebens, dargestellt in dem anmuthigen Gewande von Fabeln und Parabeln. Die in dem Buche enthaltenen, mehr denn sechzig, Fabeln und Parabeln sind durch ein engeres oder loseres Band an einander geknüpft, kunstreich und dennoch natürlich. Eine Einsicht in das Buch wird das Nähere über die Art und Weise der Verbindung zeigen.


Calila und Dimna
oder
die Fabeln Bidpai’s.
Aus dem Arabischen
von Philipp wolff
Doctor der Philosophie, Privatdocenten der Orientalischen Literatur an der königl. Universität zu Tübingen, Mitlgiede der asiatischen Gesellschaft von Paris.

Erstes Bändchen
Stuttgart:
J. Scheible’s Buchhandlung
1837

Samstag, 28. Juli 2012

Wie die »wahre Welt« endlich zur Fabel wurde

Geschichte eines Irrtums
  1. Die wahre Welt, erreichbar für den Weisen, den Frommen, den Tugendhaften, – er lebt in ihr, er ist sie.
  2. (Älteste Form der Idee, relativ klug, simpel, überzeugend. Umschreibung des Satzes »Ich, Plato, bin die Wahrheit«.)
  3. Die wahre Welt, unerreichbar für jetzt, aber versprochen für den Weisen, den Frommen, den Tugendhaften (»für den Sünder, der Buße tut«).
  4. (Fortschritt der Idee: sie wird feiner, verfänglicher, unfaßlicher – sie wird Weib, sie wird christlich...)
  5. Die wahre Welt, unerreichbar, unbeweisbar, unversprechbar, aber schon als gedacht ein Trost, eine Verpflichtung, ein Imperativ.
  6. (Die alte Sonne im Grunde, aber durch Nebel und Skepsis hindurch; die Idee sublim geworden, bleich, nordisch, königsbergisch.)
  7. Die wahre Welt – unerreichbar? Jedenfalls unerreicht. Und als unerreicht auch unbekannt. Folglich auch nicht tröstend, erlösend, verpflichtend: wozu könnte uns etwas Unbekanntes verpflichten?...
  8. (Grauer Morgen. Erstes Gähnen der Vernunft. Hahnenschrei des Positivismus.)
  9. Die »wahre Welt« – eine Idee, die zu nichts mehr nütz ist, nicht einmal mehr verpflichtend – eine unnütz, eine überflüssig gewordene Idee, folglich eine widerlegte Idee: schaffen wir sie ab!
  10. (Heller Tag; Frühstück; Rückkehr des bon sens und der Heiterkeit; Schamröte Platos; Teufelslärm aller freien Geister.)
  11. Die wahre Welt haben wir abgeschafft: welche Welt blieb übrig? die scheinbare vielleicht?... Aber nein! mit der wahren Welt haben wir auch die scheinbare abgeschafft!
  12. (Mittag; Augenblick des kürzesten Schattens; Ende des längsten Irrtums; Höhepunkt der Menschheit; INCIPIT ZARATHUSTRA.)
Friedrich Nietzsche

Donnerstag, 1. März 2012

Der Pfau

III. (p. 161 a.)

Einstmals gingen ein Pfau und eine Pfauhenne freundschaftlich zusammen, und da sie sich nicht begatten konnten, machte der Pfau die Bewegung des Begattens und ging dreimal um die Henne herum. Da er dabei eine Thräne vergoss, so fing die Henne diese, ehe sie zur Erde fiel, in ihrem Schnabel auf und verschluckte sie.
Einst dachte der Pfau so: „Kein Geschöpf ist so schön wie ich; indem die Menschen meine Federn anstecken, erlangen sie einen Rang, und mein Futter sind giftige Schlangen“. Während er so sich brüstend dort stand, kam plötzlich ein Geier listig herbei und holte ihn. So war die List sehr mächtig.
Der Pfau ist in der Fabel oft das Bild der Eitelkeit und Thorheit, wie in der von Schiefner, Mélanges asiatiques Bd. VIII. S. 101 mitgeteilten Geschichte, aber andererseits auch das Symbol der gesitigen Schönheit, Reinheit und Tugend, wozu man die Erzählung von dem Pfauenkönig Suvarnaprabhasa (Goldglanz) vergleiche.


Fünf indische Fabeln
Aus dem Mongolischen von Hans Conon von der Gabelentz
aus einer unveröffentlichten Handschrift der Königl. Bibliothek zu Berlin mitgeteilt
von B. Laufer
S. 286


Mittwoch, 29. Februar 2012

Erzählungen und Fabeln in Indochina

Die Indochinesen sind reich an Märchen und Erzählungen verschiedener Art, die sich theils in ihrer Literatur geschrieben finden, theils mündlich fortgepflanzt werden. Sie tragen vielfach das Gepräge eines indischen Ursprungs, oder lehnen sich an das Chinesische, andere sind aus dem Malayischen übersetzt, andere wieder aus dem Javanischen, indem sich die verschiedenartigsten Einflüsse auf der hinterindischen Halbinsel gekreuzt haben. Daneben her laufen die historischen Sagen der nationalen Traditionen, und dann findet sich noch ein unerschöpflicher Fabelschatz, der den heiligen Textbüchern entnommen ist, vorzüglich den 550 Vorexistenzen Buddha's, welche die kleineren heißen, im Gegensatz zu den zehn letzten oder großen Wuttu's der Xataka.

aus: Adolf Bastian
Erzählungen und Fabeln aus Hinterindien
In: Globus #, Juli 1866, S. 82

Mittwoch, 18. Januar 2012

… aus Aegypten gekommen seyn soll

Da die ganze Fabel von der poetischen Hölle aus Aegypten gekommen seyn soll, so hält man es für sehr wahrscheinlich, daß ein dasiger König Chebres oder Kebron zu der Erdichtung des Cerberus Anlaß gegeben.

Hederich, Benjamin
Gründliches mythologisches Lexikon
Leipzig 1770., Sp. 667-672

Freitag, 30. Dezember 2011

Fabulae!

»Leeres Geschwätz!«

Zitat aus dem Werk des römischen Dichters Terenz

Sonntag, 25. Dezember 2011

fabeln

fabeln, verb. reg. act 1) Fabeln, Mährchen erzählen. Man hat viele Wunderwerke von ihm gefabelt. 2) Wahnsinnig reden, in Krankheiten ohne Verstand reden, fantasiren; wofür im Ober- und Nieders. fabeln üblicher ist. S. Fabulieren.

Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart
mit beständiger Vergleichung der übrigen Mundarten
besonders aber der Oberdeutschen
von Johann Christoph Adelung
Zweiter Theil, von F - L.
Wien, 1808

Dienstag, 20. Dezember 2011

Laß dich den Teufel bey einem Haare fassen …

Laß dich den Teufel bey einem Haare fassen; und du bist sein auf ewig?

Gotthold Ephraim Lessing
aus: Emilia Galotti

Sonntag, 11. Dezember 2011

Der Mops in der Freimaurerei

Bildquelle: Wikipedia

Auch nach Deutschland verirrte sich diese Ausartung, und es gründete sich unter den Auspizien des galanten geistlichen Kurfürsten Klemens August von Köln der Mopsorden. Die Mitglieder, Männer und Frauen, mussten römisch-katholisch sein. Als Abzeichen trugen sie kleine Möpse aus Porzellan. Die Gebräuche dieses „Ordens", der hauptsächlich an den kleinen deutschen Höfen verbreitet war, waren ausserordentlich läppisch; jeder tiefere ethische Gehalt ging ihnen ab. Sinnbild war der Gesellschaft „der Mops", das Symbol der Treue im Orden; dabei sollte der Zirkel einer jeden Mopsloge, wie das Ritual besagt, die Mitglieder lehren:

»…gleich wie alle Durchschnitte des Kreises durch eben denselben Mittelpunkt gehen, also müssen alle Handlungen eines Mopses aus einer Quelle gehen, nämlich der Liebe«.

aus:
Eugen Lennhoff: Die Freimaurer
Geschichte, Wesen, Wirken und Geheimnis der Königlichen Kunst
Zürich: Amalthea-Verlag 1929; Wien: Phaidon-Verlag 1931
Nachdrucke Wien: Löcker 1981; Wien: Lechner 1988;
Bayreuth: Gondrom 1988.

Sonntag, 4. Dezember 2011

Würdigung einiger andern Fabeln über die Erfindung der Buchdruckerkunst


I. Der Engländer Richard Atkyns verbreitete seit 1664, durch seine in diesem Jahre erschienene Schrift: The original and growth of printing, ein absurdes Mährchen, nach welchem die Erfindung der Buchdruckerkunst zwar zu Harlem, allein nicht durch Koster, sondern durch Johann Gutenberg gemacht worden seyn soll. Er behauptet in derselben, von einem Freunde die Abschrift eines Manuscriptes aus der Bibliothek des Erzbischofs von Canterbury in Lambeth-House erhalten zu haben, in welchem erzählt werde, Heinrich VI, König von England, habe auf den Rath des Erzbischofs von Canterbury, zwischen 1454 und 1459, seinen Kammerdiener Turnour und den Kaufmann William Carton mit vielem Geld nach Harlem geschickt, um einen oder mehrere Gehülfen aus der Officin des Johann Gutenberg, welcher daselbst die Buchdruckerkunst kürzlich erfunden hätte, zu gewinnen und nach England zu bringen; Tournour sey verkleidet mit abgeschorenem Haar und Bart, Carton aber, in Holland schon bekannt, unverkleidet abgereist in Amsterdam angekommen, hätten beide sich vorerst nach Leyden begeben, nicht wagend, nach Harlem selbst zu gehen, weil diese Stadt sehr eifersüchtig (very jealous, was Herr Ebert aufgegriffen hat) gewesen sey, und mehrere Fremden, die zu demselben Zwecke gekommen waren, habe aufgreifen und einkerkern lassen; dort hätten sie 1000 Mark zu Geschenken verwendet, dann noch 500 Mark vom König geschickt bekommen, und so sey es ihnen endlich gelungen, durch die Vermittelung zweier Holländer einen Untergehülfen Ramens Friedrich Corsellis zu verführen, welcher sich nächtlicher Weile fortgeschlichen, in ein bereitliegendes Schiff gestiegen, und nach London abgefahren sey; von dort sey er mit Wache nach Oxford gebracht worden, wo er eine Buchdruckerei errichtet habe, ehe noch eine Presse, oder ein Buchdrucker in Frankreich, Spanien, oder Deutschland existirte, mit Ausnahme der Stadt Mainz, welche auf die Priorität ihrer Druckerei sogar gegen Harlem selbst Anspruch mache, und sich artis typographicae inventrieem primam nenne, doch wisse man, daß es anders sey, da diese Stadt die Kunst von dem Bruder und Schüler eines Arbeiters der Harlemer Officin erhalten habe …


J. Wetter, Kritische Geschichte der Erfindung
der Buchdruckerkunst durch
Johann Gutenberg zu Mainz, 1836

Samstag, 24. September 2011

fabuliren

fabuliren, verb. reg. neutr. mit dem Hülfswerke haben, in der niedrigen Sprechart, fabeln, Fabeln, Mährchen erzählen, aus dem Latein. fabulari.

Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart
mit beständiger Vergleichung der übrigen Mundarten besonders aber der Oberdeutschen
von Johann Christoph Adelung
Zweiter Theil, von F - L.

Donnerstag, 22. September 2011

Begriff der Erdichtung der Beschreibung der Fabel

Dahero habe ich es vor gut befunden, den Begriff der Erdichtung der Beschreibung der Fabel beyzufügen, damit man sie von der Begebenheit hinlänglich unterscheiden könne. Nun weiß ich zwar wohl, daß einige die Geschichte und Fabel also unterscheiden, daß sie sagen, die Geschichte erzähle die Sache, wie sie sich zugetragen, und sorge weder für das Wahscheinliche, noch für die Anwendung; die Fabel aber sähe bey ihrer Erzählung auf das Wahrscheinliche, und suche aus vielerley Begebenheit das heraus was dem Glaubwürdigen am nähesten kommt, und sich am bequemsten auf eine Lebensregel anwenden läßt. Allein, dieses trifft man nicht bey allen Fabeln an. Denn es kann ein Vorfall ohne Zuthun des Dichters wunderbar, wahrscheinlich, und zum unterrichte geschickt seyn; er wird aber, wenn er gleich mit unter die Fabeln gesetzt wird, und eben den Nutzen, den die Fabel hat, deswegen dennoch nicht zur Fabel werden. Denn er hat seine Wirkung von sich selbst, da hingegen die eigentliche Fabel ihr Daseyn und ihren Nachdruck von der Erfindung des Poeten empfängt. Aber, wenn der Vorfall zum Theil verändert wird; wenn er durch etwas vermehrte wird; wenn kleine Umstände, die entweder gar nicht, oder nicht in dem Zusammenhange da waren, so hinzugesetzt und am Ende mit einander so verbunden werden, daß sie diesen Vorfall welcher den Leser zugleich zu unterhalten und zu lehren geschickt war, ganz erzehlen: so halte ich dafür, daß man dergleichen Erzehlung mit Recht eine Fabel nenne. Eben dieses gilt auch bey größern Fabeln, bey dem Trauerspiele und dem Heldengedichte, als in welchen wahre Begebenheit mit erdichteten verknüpft sind, und in welchen der Dichter solche Zufälle beybringt, von denen zwar sowohl die schriftliche als mündliche Geschichte nichts weiß, die aber doch die Absicht der Fabel erfordert. Herr Breitinger nennt nebst den la Motte die Fabel mit Recht eine ins kurze gezogene Epope; da nun aber niemand die Epope denkt, ohne zugleich sich an die Erdichtung zu erinnern; so folgt, daß, wenn die Vergleichung passend seyn soll, die Erdichtung auch bey dem Begriffe von einer kleinen Fabel nicht fehlen könne.

Christian Fürchtegott Gellert
Von denen Fabeln und deren Verfassern

Sonntag, 18. September 2011

Fabelwerk

Der Fabelschmid, des –s, plur. die –e, der Urheber einer Fabel oder erdichteten Erzählung, im verächtlichen Verstande.

Grammatisch-kritisches Wörterbuch
der Hochdeutschen Mundart
mit beständiger Vergleichung der übrigen Mundarten
besonders aber der Oberdeutschen
von Johann Christoph Adelung
Zweiter Theil, von F - L.
Wien, 1808

Dienstag, 13. September 2011

Drache

Bildquelle: Wikipedia

Drache, 1) Sternbild am nördlichen Himmel; die Fabel sagt, Juno haben den drachen, welcher die goldenen Äpfel im Schlafgemache der Hesperiden bewacht, und welchen Hercules tödtete, an den Himmel versetzt. – 2) Der fabelhafte Drache. Von diesem Ungeheuer geht die Fabel fast so weit hinauf, als die Geschichte reicht. Man schildert seine Gestalt so schrecklich als möglich, und gibt ihm zum Wohnplatze beinahe alle bekannte Länder, besonders das damals noch unbekannte Indien und Afrika. Seine Größe gab man nicht leicht unter 20, oft aber auf 70 Ellen an. Von letzterer Art war der Drache, der nach dem Ulian zu Alexanders des Eroberers Zeiten in Indien lebte und göttlich verehrt wurde. Füße hatte er nach diesen Beschreibungen nicht, sondern wie schlangen bewegte er sich durch Windungen des Körpers fort. Der ganze Körper war mit Schuppen bedeckt, und nach Vielen der hals mit einer Mähne geziert. Übrigens widersprechen sich diese Erzählungen fast alle, und nur darin stimmen sie überein, daß der Drache vortreffliche Sinnenwerkzeuge, besonders ein scharfes Gesicht habe. Ihm wird eine solche Stärke beigelegt, daß es ihm eine Kleinigkeit war, einen Elefanten zu erwürgen. Seine Nahrung bestand in Blut und Fleisch von allerlei Thieren auch fraß er verschiedene Früchte. Das Sonderbarste ist, daß dessenungeachtet dieses Thier gefangen und zahm gemacht werden konnte, wovon die alten Schriftsteller mancherlei zu erzählen wissen. Diesen Fabeln scheint aber dennoch ein wirkliches thier zum Grund zu liegen, und wahrscheinlich ist dieses kein anderes als die große Abgottschlange (Boaconstrictor, s.d.). Der fabelhafte Drache des Mittelalters hat 4 Löwenfüße, einen langen, dicken Schlangenschwanz und einen ungeheuern Rachen, aus welchem Feuerflammen strömten. In den Ritterzeiten spielte dieser Drache eine Hauptrolle; er gehörte zu den Ungeheuern, welche die bepanzerten Romanhelden zu besiegen hatten. Diese Sagen wurden wahrscheinlich durch mangelhafte Nachrichten vom Nilkrokodill, welche durch die Kreuzzüge nach Europa kamen, und übertriebene Beschreibungen unserer größten inländischen Schlangen veranlaßt …


Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie für die gebildeten Stände
(Conversations-Lexikon)
Siebente Originalauflage
(Zweiter durchgesehener Abdruck)
Dritter Band
D bis E.
Leipzig: F.A. Brockhaus, 1830

Donnerstag, 1. September 2011

Fabelschatz & Fabelspiel

Fabelschatz

Kern der sinnvollsten, lehrreichsten und ansprechendsten Fabeln aller Zeiten, Völker und Sprachen.

Fabelspiel

das, für die Jugend, oder die bewegl. Lafontaine’schen Fabeln (französ. u. deutsch) mit e. gemalten Landschaft u. vielen ausgeschnittenen ill. Figuren.

aus:
Vollständiges Bücher-Lexicon
enthaltend
alle von 1750 bis zu Ende des Jahres 1832
in Deutschland und in den angrenzenden Ländern gedruckten Bücher
Zweiter Theil

Mittwoch, 31. August 2011

Das Unicornium, belangend …

Erin Stevenson O'Connor
Das Bild steht unter der  GNU-Lizenz für freie Dokumentation
Bildquelle: Wikipedia

Das Einhorn / Unicornium, belangend / so schreiben die Authores, Plinius, Aristoteles, Ælianus und Philostratus so unterschiedlich darvon (wie zu sehen ist in dem Thier-Buch D. Gesneri Teutscher Version fol. 36.) daß es hart ist / etwas gewisses zu berichten /ausser daß dieses ein grimmiges / schnell- und starckes Thier seye / gelblechter Farb / in der Grösse und Gestalt einem Pferdt nicht vil ungleich / ausgenommen / daß es an seinen Füssen unterhalb gespaltne Klauen habe.

Das merckwürdigiste / und in der Artzney das kostbariste ist an diesem Thier das bey 2. oder 3. Elen lange / starcke und spitzige Horn / welches an seiner Stirn gerad hinauß gehet / deßwegen es auch Einhorn genennt wird. Wann es mit dem Elephanten streiten will / da wetzt es zuvor das Horn an einem Felsen /und schaut / daß es ihme den Bauch / welcher weich ist / darmit durchsteche und aufreisse; wann es aber fehlt / da wird er von ihm zerrissen.

Das Einhorn soll sich befinden in Mohrenland /auch Indien und Arabien. Wann es über 2. Jahr alt ist / lasset es sich nicht mehr fangen (wohl aber wann es jung ist) sondern er zerreißt alles / und lasset sich ehender umbringen / als fangen oder zahm machen /und förchtet keine Waffen: massen in H. Schrifft geschrieben stehet: Meinest du / das Einhorn werde dir dienen / und werde bleiben an deiner Krippen stehen.

Willibald Kobolt
Die Groß- und Kleine Welt
Natürlich-Sittlich- und Politischer Weiß zum Lust und Nutzen vorgestellt [...].
Augsburg 1738