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Freitag, 8. April 2016


Eine fabelhafte Sammlungen von Sagen & Legenden hat Monika Detering vorgelegt. Sie hat gesammelt, was an interessanten Themen im Münsterland, Ostwestfalen-Lippe, längs der Weser, um Paderborn, in der geheimnisvollen Stadt Bielefeld und auch im Ruhrgebiet in Vorzeiten alles so passiert sein soll. Sagen & Legenden aus Westfalen eben. Und das schönste dabei – Sie hat die Sagen nicht einfach nur zusammengestellt, sondern erläutert und erklärt, wo sich uns heute die Sage nicht mehr so ohne weiteres erschließt. Man ist schlauer nach dem Lesen dieses Buches und das ist, finde ich, eine fabelhafte Sache. Erschienen ist das Buch gerade eben im Regionalia Verlag, Rheinbach (ISBN 978-3-95540-197-9), zu bekommen in jedem Buchladen offline und online und auch im Gemischtwarenhandel.

Sonntag, 4. August 2013

Mongolische Sprache(n)

Von einer mongolischen Sprache kann man nicht sprechen. Es handelt sich um eine Sprachgruppe die in Asien über die Mongolei, China, Russland und sogar Afghanistan verteilt ist und aus etwa 15 Sprachfamilien besteht. Sie gehören mit den tungusischen und türkischen Sprachen zur altaischen Sprachfamilie. Das Mongolische (alle Dialekte zusammen) sprechen 5 bis 6 Millionen Menschen. Der Chalcha-Dialekt, der in der Mongolei gesprochen wird, hat mit 3 Millionen Sprechern die größte Verbreitung. Überliefert sind Frühformen (Altmongolisch) seit dem 12. Jahrhundert. Obwohl das Mongolische über eine eigene Schrifttradition verfügt, wird die Sprache heute mit dem russisch-kyrillischen Alphabet geschrieben. Das wurde 1941 auf sowjetischem Druck hin eingeführt, nachdem zuvor die Wiedereinführung der lateinischen Schrift, mit der man es schon um 1930 einmal für eine kurze Zeit versucht hatte, beschlossen wurde. Seit Mitte der achtziger Jahre wird die klassische Schrift der Mongolei wieder an den Schulen gelehrt und im Alltag für Logos und ähnlichem benutzt.

Galsan Tschinag, ein Schriftsteller aus dem Altai, der in deutscher Sprache schreibt, wurde bei einer Lesung in Bad Mergentheim gefragt, was ihm die deutsche Sprache bringe. Durch sie hätte er Struktur gelernt, antwortete er. In der mongolischen Sprache sei er freier, in ihr würden ihm Gedichte besser gelingen.

Wer sich aus Interesse, oder weil eine Reise in die Mongolei ansteht, mit der Sprache beschäftigen möchte, findet im Mongolisch-Kurs von Paul Metzler und Enkhzaya Eldevdorj eine guten Einstieg, der nichts voraussetzt. Es gibt sogar eine zugehörige Homepage, von der das Audio-Material zu diesem Kurs herunter geladen werden kann.


Wer nicht so sorgfältig einsteigen möchte, aber unterwegs ein wenig Kauderwelsch benutzen will, der findet im Mongolisch-Buch der Kauderwelsch-Reihe einen passenden Begleiter:


Dazu gibt es auch eine CD, die den Inhalt des Buches akustisch hörbar macht:


Über Youtube kann man sich auch eine nette Mongolisch-Lehrerin auf den eigenen PC oder Mac holen.



HDR



Samstag, 3. August 2013

Urna Chahartugchi - die Stimme aus der Mongolei

Urna Chahartugchi, die Hauptdarstellerin im Film »Das Lied von den zwei Pferden« ist auch auf zwei CDs zu hören. Zum Einstieg eignet sich ganz besonders die 2012 produzierte CD Portrait: The Magical Voice from Mogolia


Im ausführlichen, dreisprachigen (engl./dt./frz.) Booklet wird die Geschichte von Urna erzählt und die Liedtexte liegen in Übersetzungen vor.


Die Musikerin stammt aus einer mongolischen Nomadenfamilie, geht in die Stadt, um Musik zu studieren. Da Geld fehlt, übernimmt sie Kinderdienst bei Ihrer Lehrerin. Später folgt sie ihr nach Shanghai, lernt Mandarin und schafft es, an der Musikhochschule aufgenommen zu werden. Dieser Weg ist voller Mühen, wird von ihr aber bewältigt. Seither ist sie nicht nur auf den Konzertbühnen ihrer Heimat zu hören, sondern weltweit. Urna ist Nomadin geblieben, lebte in Kairo und Berlin und singt doch nur über ihre mongolische Heimat, die sie als bedroht ansieht.

Ihre erste CD erschien bereits im Jahr 2002:



Donnerstag, 1. August 2013

Fabelhafte Filme aus der Mongolei

Die Höhle des gelben Hundes



Die Geschichte könnte auch bei uns passieren: Kind bringt einen herrenlosen Hund mit nach Hause, den es beim Spielen gefunden hat. Vater sagt Nein. Die daraus resultierenden Konflikte taugen für unzählige Geschichten. In diesem Film erzählt die aus der Mongolei stammende Regisseurin Byambasuren Davaa dieses Thema mit einer mongolischen Familie, die noch fernab von der Zivilisation in einer Jurte lebt. Damit die Kinder eine Schulbildung bekommen, müssen Sie in die Stadt, was die Trennung von der Familie bedeutet. Der Film beginnt damit, dass Nansaa, die älteste Tochter in den Ferien nach Hause kommt. Sie findet beim Dung sammeln einen Hund, den sie Zochor nennt. Der Vater, der gerade zwei Schafe durch Wölfe verloren hat, ist strikt dagegen, weil er fürchtet, dass der Hund mit Wölfen zusammen gelebt haben könnte. Er würde dann die Wölfe zu ihnen locken, meint er.

Der Film wird ganz unaufgeregt erzählt. Alle Darsteller sind Laien und spielen sich selbst. Ein Drehbuch gab es nicht, als der Film gemacht wurde. Er ist auch nicht synchronisiert, was aber alles andere als störend ist. Die Texte lassen sich gut mitlesen und der Klang der mongolischen Sprache gibt dem Film noch ein bisschen mehr an Authentizität. Die Handlung läuft ruhig ab, ohne große Aufregung. Lediglich ganz zum Schluss kommt ein wenig Dynamik hinein, als der Vater das jüngste Kind sucht. Viel spannender ist aber zu sehen, wie in der mongolischen Familie miteinander umgegangen wird. Die Ernsthaftigkeit, mit der die Erwachsenen auf die Kinder eingehen, auch der natürliche Humor, der untereinander gepflegt wird, sind bewundernswert.

Byambasuren Davaa wurde 1971 in der Mongolei geboren und studierte dort an der Hochschule für Filmkunst in Ulaanbaatar. Im Jahr 2000 kam sie nach Deutschland, um an der Hochschule für Fernsehen und Film in München zu studieren. Schon der Vordiplomfilm »Die Geschichte vom weinenden Kamel« (2003) wurde ein Erfolg. »Die Höhle des gelben Hundes« wurde dann ihr Diplomfilm (2005).


»Die Geschichte  vom weinenden Kamel« erzählt ebenfalls von einer Nomadenfamilie aus der Wüste Gobi. Ein weißes Kamelbaby wird von der Mutter verstoßen. Erst durch einen Musiker mit der Pferdekopfgeige kann die Kamelmutter dazu bewegt werden, ihr junges doch anzunehmen. Kritiker sprechen von einer »märchenhaften Geschichte« wohl mit Blick auf das Ritual, das der Musiker zelebriert. Dabei übersehen sie aber, dass das Augenmerk der Regisseurin auf ganz anderen Aspekten gerichtet ist.




Beide Filme zeigen die Menschen in der mongolischen Weite und deren Konfrontation mit der Zivilisation. Im zweiten Film kommt dieses Element verhaltener, wirkt dafür aber m.E. viel eindringlicher. Der Vater überlegt, ob er in der Stadt einen Job im Kaufhaus sucht, um während der Schulzeit in der Nähe der Tochter (später auch der anderen Kinder) bleiben zu können. Der Lohn ist zu niedrig, sagt die Mutter. Davon können wir ja nicht leben. Wovon die Familie lebt, zeigt der Film in den alltäglichen Handlungen. Beide Filme wurden ausgezeichnet, etwa mit dem Bayerischen Filmpreis (Kamel, 2003), Förderpreis Deutscher Film (2005, Höhle) und dem Deutschen Filmpreis (2006, bester Kinder- und Jugendfilm für die Höhle). »Die Geschichte vom weinenden Kamel« wurde 2005 sogar in der Sparte Dokumentarfilm für einen Oscar nominiert.

Im Jahr 2009 folgte der Kinofilm »Das Lied von den zwei Pferden«, in dem das Problem des Verlustes kultureller Traditionen weiter geführt wird. Es ist auch ein Film über mongolische Musik.




Mittwoch, 29. Mai 2013

Monika Detering: Nebengleis

»Sie hockten wie Krähen in ihrem Kopf und gaben keinen Laut von sich. Gedanken hatten alle Worte gefressen und waren satt.«

So beginnt »Absturz in Himalaya«, ein Text aus dem Buch Nebengleis, das Kurzprosa von Monika Detering enthält. Es gehört zu den Büchern, die ich öfter aus dem Regal nehme und darin lese. Manche Texte immer wieder. Sämtliche Kurzprosa in diesem Buch, Texte von einer bis sechs Seiten, sind kleine Textgemälde, die man sich immer wieder anschauen, anlesen, durchlesen kann. Man könnte auch ganz trocken sagen, dass dieses Buch einen Mehrwert hat, weil man es öfters liest.


Freitag, 19. April 2013

Das Einhorn - Eine Spurensuche …



In diesem Blog gibt es bereits eine ganze Reihe von Beiträgen zum Einhorn. Solch eine gründliche Betrachtung wie im Buch von Winfried Hagenmaier wird aber dadurch nicht ansatzweise erreicht. Das was der Autor an Texten, Bildern und Motiven zusammen getragen hat, ist beachtlich und konnte nur so entstehen, weil er sich über Jahrzehnte mit diesem Thema ausführlich und intensiv beschäftigt hat. Wer sich für das Einhorn interessiert, für sein Auftreten in Kunst und Kultur - nicht nur in Europa - der kommt an diesem Buch nicht vorbei. Der Schwerpunkt liegt allerdings auf den Einhornspuren vom Beginn der Neuzeit an bis heute.

Zitat: Lebt das Einhorn nun? Allem Anschein nach hat es real nie existiert und wird zu den Fabeltieren gerechnet wie der Basilisk, der Drache, der Greif oder der Phönix. Doch lebt es seit Jahrtausenden in Mythen, Sagen, Berichten, Dichtungen und künstlerischen Darstellungen in Asien, Europa und Afrika und ist im Zeitalter der Fantasy-Literatur auch auf den amerikanischen Kontinent vorgedrungen. (S. 115)

Horst-Dieter Radke

Donnerstag, 10. Januar 2013

Kalila und Dimna: Buchausgaben

Die derzeit schönste und beste Ausgabe der arabischen Fabelsammlung »Kalila und Dimna« ist die in der Neuen Orientalischen Bibliothek im Beck-Verlag:



Eine für Kinder und Jugendliche nacherzählte (und reduzierte Fassung ist als preiswerte Taschenbuchausgabe zu haben:


Eine Fassung als E-Book (für das kindle) liegt in der Ausgabe des Herder-Verlages (als Print-Ausgabe vergriffen) vor:



Sonntag, 23. Dezember 2012

Monika Detering: Herzfresser

Keine Fabel, aber ein fabelhafter Roman ist »Herzfresser« von Monika Detering. Es ist ein Roman, der in die 50er Jahre zurückführt und in die Seele eines Mädchens. Die gedruckte Ausgabe ist leider vergriffen, dafür ist die E-Book-Version inzwischen zu haben.



Donnerstag, 22. November 2012

Fabelhafte Fabelbücher (Rezension)

Wer Fabeln liebt, möchte sie auch gelegentlich nachlesen. Das Angebot an alten und neuen Fabelbüchern ist groß, doch welches soll man wählen. Eine kleine Hilfe versucht die folgende Übersicht zu geben.

Das große Fabelbuch von Constanze Breckhoff und Gerhard Glück (Lappan Verlag) ist ein Prachtband, der nicht nur eine repräsentative Auswahl Fabeln von Aesop bis Wilhelm Busch und verschiedener Völker bringt, sondern auch noch schön und angemessen illustriert (G.Glück) ist. Das Buch ist nicht nach Zeitalter sortiert, sondern bunt gemischt. Ein guter Tipp für diejenigen, die gerne in guten Büchern schmökern und eine gute »Fabelgrundausstattung«.



Wer sich speziell für die Fabeln des Aesop interessiert, greift statt der zu Hauf verfügbaren Billigausgaben diverser Nachdruckverlage besser auf die Neuübersetzung von Thomas Voskuhl aus dem Reclam-Verlag.



Wem es nicht so auf sprachliche Genauigkeit ankommt, dafür aber auf sprachliche Schönheit, sollte sich die von Fulvio Testa illustrierten Ausgabe von Gisbert Haefs ansehen.




Die Fabeln des Jean de LaFontaine liegen in der Übersetzung von Ernst Dohm in einer umfangreichen und illustrierten Gesamtausgabe vor (mehr als 500 Seiten).



Wer es etwas karger und preiswerter möchte, wählt die Reclam Ausgabe (Übersetzer: Jürgen Grimm), die immerhin auch die Illustrationen von Gustave Doré enthält.



Lessings Fabeln liegen in einer schönen Taschenbuchausgabe des Fischer-TB-Verlages vor. Sie enthält außerdem auch die »Abhandlungen über die Fabel«.



Sie sind nicht jedermanns Geschmack und kommen heute arg belehrend daher, aber wer sie mag, die Kinderfabeln des Wilhelm Hey, findet 50 davon in einem preiswerten Taschenbuch:



Luthers Fabeln und Sprichwörter
findet man in einer schönen Ausgabe der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft, Illustriert mit Abbildungen und Holzschnitten aus der Werkstatt von Lukas Cranach:



Deutsche Fabeln des 18. Jahrhunderts sind repräsentativ in einem Bändchen des Reclam-Verlages zusammen gestellt. Es ist sehr zu empfehlen, denn darin sieht man, dass es neben Lessing, Gellert & Gleim noch zahlreiche andere Fabeldichter in dieser Zeit gab.



Zum Abschluss Johann Wolfgang von Goethe. Seine längere Fabeldichtung um »Reineke Fuchs« ist wunderschön Illustriert von Dieter Wiesmüller in diesem Prachtbuch aus dem Hanser-Verlag. Ein Buch nicht nur für Kinder. Oder anders gesagt: Ein Buch, das Erwachsene, die es sich gekauft haben, auch an Kinder aushändigen können.




Horst-Dieter Radke

Samstag, 7. April 2012

Susanne Gerdom: Der Nebelkönig

Sallie ist Küchenmädchen in einem Schloss. In einer scheinbar gewohnten Welt bewegt sie sich zwischen Arbeit und Bibliothek, in der sie alte Sagen über Drachen und Zauberer liest. Dann muss sie Aushelfen bei einem Gastmahl und ab da verschiebt sich ihre gewohnte Welt nach und nach bis nichts mehr ist, wie es vorher war. Ihre Freunde sind Katzen, eine Eule, eine Ratte und ein Rabe, die aber alle auch als Menschen auftreten. Und dann begegnet sie zum ersten Mal dem Wolf – im Nebel und im Südturm. Bis sie begreift, dass es ihre Aufgabe ist, diese unwirkliche Welt zu überwinden, ja bis sie überhaupt begreift, dass es keine wirkliche Welt ist, sondern sie in einer Blase angehaltener Zeit lebt, vergehen viele Seiten. Dass es nicht langweilige wird, dafür sorgt die Autorin mit ihrer bereits aus ihren anderen Büchern bekannten Fähigkeit, die Leser sofort in die Geschichte zu ziehen. Sie begleiten das Küchenmädchen quasi direkt auf ihrem Weg und die Irritationen, die diese erschüttern, erschüttern auch die Leser mit.

Dieses Buch ist dicht geschrieben. Sämtliches Personal, von der Protagonistin, über den Antagonisten bis zur kleinsten Nebenfigur sind alle am richtigen Platz und weichen davon nicht ab. Keiner geht zum Beispiel im Laufe der Geschichte verloren ;-) Es gibt keine Längen und keine unmotivierten Sprünge und selbst die gerdomsche Adjektivitis ist soweit zurückgefahren, dass sie nicht mehr stört - oder vielleicht sogar genau die richtige Würze für dieses Buch ist.

Ein Jugendbuch? Vielleicht. Jedenfalls hatte ich nirgends beim Lesen das Gefühl, dass ich mir etwas aus der Kinderecke geholt habe. Fantasy vom Feinsten - sogar ein bisschen Märchen, was man von den meisten Fantasygeschichten nicht sagen kann - ist dieses Buch und ich bin überzeugt, dass es so viele Erwachsene Leser positiv aufnehmen wie Jugendliche ganz gewiss.

Sonntag, 27. November 2011

Eine Rezension

Brauns, H., Versuch in prosaischen Fabeln und Erzählungen. München 1772. 8. 187 S.

Diesen Fabeln hat der Herr Verfasser für seine Landsleute eine kleine Theorie angehängt, weil, sagt er, nicht ohne Selbstgefälligkeit: „vielleicht etliche junge Leute sich hervortun, und ihm fabeln nachschreiben könnten, so wie gleich etliche Bändchen freundschaftlicher Briefe erschienen wären, seitdem Er einen Versuch in freundschaftlichen Briefen geschrieben hätte. Diesen jungen Leuten nun, meint er, wären die ächten Begriffe von der Fabel sehr nötig.“ – –
Nötig sind sie freilich, sowohl den bösen jungen Leuten, die Herrn B. Fabeln nachschreiben, als allen andern, die sich ohne Genie in dieses Feld wagen; aber durch Herrn B’s. Theorie werden sie eben nicht sehr erleuchtet werden. Er sagt: „die Fabel wäre ein kurze erdichtete, meistenteils thierische Handlung, worunter ein gewisser Satz aus der Sittenlehre verborgen liege.“ Unbestimmter kann man wohl nicht erklären. Uns dünkt überhaupt, man hat die Theorie von der Fabel noch nicht genug auseinander gesetzt. Wir glauben daß sie im Anfang nichts war, als eine Art von Induktion, welche in den glücklichen Zeiten, da man noch nichts von dem dito de Omi et nullo wußte, die einzige Weisheit war. Wollte man nämlich andere belehren oder überreden, so zeigte man ihnen den Ausgang verschiedener Unternehmungen in Beispielen. Wahre Beispiele waren nicht lange hinlänglich; man erdichtete also andere, und weil eine Erdichtung, die nicht mehr sagt als vor Augen sieht, immer abgeschmackt ist, so ging man aus der menschlichen Natur hinaus, und suchte in der übrigen belebten Schöpfung andere tätige Akteurs. Da  kam man auf die Thiede, und so fabulirte man fort, bis die Menschen mehr anfingen zu raisonniren, als zu leben. Nun erfand man Axiome, Grundsätze, Systeme u.d.gl. und mochte Induktion nicht mehr leiden; zugleich entstand das Unding der honneten Compagnie, zu welcher sich Dichte rund Philosophen schlugen. Diese wollten der Fabel, die mit der Induktion gefallen war, wieder aufhelfen. Sie schminkten sie also, puderten sie, behängten sie mit Bändern, und da kam das Mittelding zwischen Fabel und Erzählung heraus, wodurch man nun nicht mehr lehren, sondern amüsieren wollte. Endlich merkte man, wie weit man sich von der ersten Erfindung entfernt hatte. Man wollte zu ihr zurückkehren, und schnitt die Auswüchse ab; allein man konnte doch mit der Induktion nicht fortkommen, und behalf sich also mit dem bloßen Witz; da wurde Fabel Epigramm.
So würde die Geschichte der Theorie aussehn, die wir von der Fabel schreiben würden. Beispiele von der letzten Gattung würden wir genug in Herrn B’s. Fabeln antreffen. Wir würden aber schwerlich welche daraus wählen; denn die meisten sind entweder schlecht erfunden, oder abgenutzt, oder falsch, oder alltäglich. Herr B. verspricht noch eine weitläufigere Theorie von der Fabel. Sollten wir aus diesem Versuch auf ihren Wert schließen, so wollten wir sie verbitten; aber Liceat perire poetis! und warum sollte Herr B. auch nicht so viel Recht haben zu dichten und zu theoretisieren als andere?

J.W.v.Goethe
aus: Rezensionen in die Frankfurter gelehrten Anzeigen.
Die Jahre 1772 und 1773

Montag, 3. Oktober 2011

Autorenkalender 2012



Nach einem Jahr Pause ist nun in einem neuen Verlag der Autorenkalender 2012 erschienen. Neben einem Kalendarium, in das Autorin und Autor alle wichtigen persönlichen und geschäftlichen Termine eintragen kann - z. B. die Entgegennahme des Nobelpreises, die Honorarauszahlungstermine, Verlagsabgabetermine für den in Arbeit befindlichen Bestseller - finden sich zahlreiche Sachbeiträge gestandener Autoren darin und die Siegertexte des Putlitzer Preises 2011. Alles zusammen genommen ist das eine fabelhafte Sache. Wer zur schreibenden Zunft gehört, kann eigentlich nicht auf diesen Kalender verzichten.

Sonntag, 11. September 2011

Elidar - Magierin der Drachen



Die deutsche Fantasyautorin Susanne Gerdom hat sich in ihrem neuesten Roman der Drachen angenommen. Die junge Elidar, noch in der magischen Ausbildung, muss sich auf die Suche nach ihrer wahren Herkunft machten - und die ist mit dem Schicksal der Drachen verbunden.

Eine Buchbesprechung zu einem weiteren neuen Roman Susanne Gerdom's findet sich hier.

Mittwoch, 13. Januar 2010

Außerirdische, Fabelwesen und Dämonen

Die 6. Ausgabe von »Phase X - Das Magazin für Phantastik« steht unter dem Thema »Außerirdische, Fabelwesen und Dämonen.« Es ist herausgegeben von Michael Schmidt und Ulrich Blode und im Atlantis-Verlag erschienen.
Ein Beitrag von Carsten Pohl beschäftigt sich mit dem Äußeren und dem Charakter von Aliens, Elfen und Dämonen (Das Antlitz der Phantastik). Über die »Fabelwesen aus 1001 Nacht« informiert Oliver Kotowski. Christel Scheja nimmt sich der Fabelwesen im Schatten der Drachen an (Greif und Phönix). Ralf Steinberg und Christian Endres suchen im Gespräch mit Alan D. Foster zwischen Aliens, Insekten, Ottern und Terminatoren nach bislang unbeschriebenen Wesen (Wo sind die weiblichen Orks?). Die Beiträge zeigen genügend Tiefgang, wenngleich man natürlich keine erschöpfende Abhandlung erwarten darf. Literaturhinweise führen aber jeweils weiter.
Dazu gibt es Artikel über Arthur C. Clark (Das Jahr, in dem ich Kontakt aufnahm), über Michael Crichton (Ein letztes Mal im Dino Park), Ray Bradbury (Der Poet der Phantasie), zahlreiche Rezensionen und die Kurzgeschichte »Ein Spion auf Europa« von Alaistar Reynolds.



Horst-Dieter Radke


Donnerstag, 8. Oktober 2009

Montag, 14. September 2009

Helen Frei: Fabel-haftes Coaching

Die Autorin - als Beraterin und Trainerin tätig - setzt fabelhafte Geschichten ein, um Manager und Führungskräfte zu Reflexionen über die eigene Person und das eigene Tun zu verhelfen. Sie greift dabei nicht auf die klassischen Fabeln zurück, sondern erfindet selbst fabelhafte Geschichten. Für Fabeln sind sie im allgemeinen zu lang und entsprechen auch nicht immer den typischen Fabelvorgaben. Die Autorin hat versucht, sie dem von ihr gewählten Zweck anzupassen, was sicher auch in den meisten Fällen gelingen kann. Andererseits kann aber gerade die Länge auch als Hindernis für den inneren Sprung zur Selbstreflexion gesehen werden. Unabhängig von dieser Kritik ist das Buch nicht schlecht konzipiert. Die eingebauten Übungen und die kurzen Texte für die »Denkpausen« lassen auch das Arbeiten ohne Trainer mit diesem Buch zu.

Donnerstag, 28. Mai 2009

Montag, 25. Mai 2009

La Dame à la licorne


Quelle: Wikipedia / Rainer Maria Rilke

In seinem Buch »Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge« beschäftigt sich Rilke auch mit dem sechsteiligen Wandbehang »Die Dame mit dem Einhorn« (La Dame à la licorne). Diese Sonderausgabe in der Insel-Bücher mit der Nr. 1001 enthält die Reflektionen Rilkes zu den Wandteppichen und stellt diesen die Teppiche ganz oder in Ausschnitten gegenüber. Ein Nachwort von Egon Olesssak geht nicht nur auf Rilkes Deutung ein, sondern beschreibt auch in einer kurzen Zusammenfassung die Herkunft des Einhorns, die Entstehung der Teppiche, soweit bekannt und deren Geschichte bis zur heutigen Unterbringung im Musée de Cluny in Paris.


Ein nettes kleines Büchlein, das man schnell an einem Abend gelesen hat, mit dem man sich aber dank der hervorragenden Abbildungen öfters und länger beschäftigen kann.

Horst-Dieter Radke


Samstag, 6. September 2008

Papst-Fabeln

Bei den »Papst-Fabeln des Mittelalters« handelt es sich nicht um wirkliche Fabeln. Der katholische Theologe und Historiker Ignaz von Döllinger (1799 - 1890) schrieb das gleichnamige Buch als »Ein Beitrag zur Kirchengeschichte« (1863, 2. Aufl. 1890) und behandelte darin Themen wie das über die Päpstin Johanna. Döllinger (wie auch andere Autoren zu diesem Thema) setzt Fabel mit Sage oder Dichtungen gleich: »… Es schien mir, daß die hier vorgelegten Ergebnisse meiner Forschungen sich in so fern zu einer Einheit zusammenschlössen, als alle diese Fabeln und Erdichtungen, wie verschieden auch die Anlässe zu denselben waren, und wie absichtlich oder unabsichtlich sie entstanden sein mögen, doch einen großen, zuweilen einen entscheidenden Einfluß auf die ganze Anschauungsweise des Mittelalters, auf die damalige Geschichtschreibung und Poesie, auf Theologie und Rechtslehre geübt haben …« (aus dem Vorwort zur 1. Auflage, 1863). Dieses auch heute noch lesenswerte Buch trägt also leider ebenfalls zur undifferenzierten Ausdeutung des Begriffes »Fabel« bei. Das Buch wird immer wieder aufgelegt, teilweise aber mit Titeln und Buchcovern, die der eigentlichen Intention des Autors zuwiederlaufen: »Die geheimnisvollen Papst-Fabeln und Mythen des Mittelalters«.

Horst-Dieter Radke

Samstag, 14. Juni 2008

Rafik Schami: Das Schaf im Wolfspelz

„Märchen & Fabeln“ steht im Untertitel. Tatsächlich sind hauptsächlich Märchen enthalten. In einer Geschichte wird die Moral der Fabel von der Grille und der Ameise umgekehrt und eine weitere Fabel über Ameisen ist so märchenhaft ausgestaltet, dass man sie nicht recht zu den Fabeln ordnen mag. Aber ist das schlimm? Nicht bei Rafik Schami! Er erzählt gekonnt und souverän, unterhaltsam und doch mit soviel Tiefgang, dass es auch Fabelfreunden rundum empfohlen werden kann.
Horst-Dieter Radke