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Freitag, 17. Februar 2017

Unicornu Verum

Es findet sich noch eine Materie, so in der Medicin beliebt ist, unter dem Nahmen: das wahre oder rechte Einhorn / Unicornu Verum, auch Unicornu Marinum genannt, das ist ein sehr langer, gestreiffter, und gleichsam gewundener Zahn eines gewissen Grön-Ländischen Wallfisches / siehet äusserlich gelb, inwendig aber weiß aus, wird von den Grönland-Fahrern zu uns bracht. Der Fisch, wovon es herrühret, wird Narhual genennet, weilen er sich vom Aaß und Todten-Cörpern, so dorten Nar heissen, ernehret, und von Thoma Bartholino in einem eigenen Buch beschrieben, daß er den andern Wallfischen nicht viel ungleich, und  ohngefehr 30. Ellen lang sey; zwey Floß-Federn auf den Seiten, 3. Hügel auf dem Rucken, und unten am Bauch nur einen habe. Aus dessen lincken Ober-Kienbacken ein langer Zahn, gerad vor sich heraus stehet, womit er das Eiß brechen soll: weswegen das sogenannte Horn öffters forn abgebrochen ist. Und gehet also dieser Zahn nicht aus der Nasen, wie Olearius l. c. redet, indem dieser Fisch keine Nase hat: und wie die andern Wallfische durch zwo Löcher, so oben in dem Nacken stehen, und nicht durch die Nase respirirt, auch das Wasser daraus in die Höhe wirfft: Sondern er sitzet in seiner Höhle, am obersten Kinnbacken, wie die Zähne an andern Thieren. Ob aber ein Fisch zwey solche Zähn habe, wie D. Jacobi in Mus. Reg. Haffn. muthmasset, auch dergleichen eines gesehen hat, muß die Erfahrung weiter lehren. Dieses aber ist gewiß, daß unten in dem grossen Horn oder Zahn offt noch ein kleiner stecket, wie Herr. Doct. Reusel in der Kunst-Kammer zu Stuckardt gesehen: Weßwegen Simon Urias lib. 1. Grœnlandiæ Antiq. fol. 285. nicht unbillig schliesset, daß diesem Wallfisch die Zähne, wie denen Menschen, ausfallen, und andere wachsen thäten.

Bräuner, Johann Jacob:
Physicalisch= und Historisch= Erörterte Curiositaeten.
Frankfurth am Mayn 1737.

Dienstag, 30. August 2011

Unter den vierfüßigen Thieren …

Trifoni di Petrarca
Bildquelle: Wikipedia


Was Felix Maurer in Observat Curioso-Physicar. Part. II. pag. 450. von dem Einhorn sowohl angemerckt, wollen wir theils anhero fügen. Unter den vierfüßigen Thieren (schreibt er) kommen wir zu dem viel-berühmten Einhorn / welches auch sonderlich hoch zu achten, weil die Heil. Schrifft desselben Meldung thuet, auch zu vielen Dingen, ja zu GOtt und Menschen vergleichet: Kein Autor, so dieses Thiers gedenckt, berichtet von seiner Geburt und Land, sondern verbleiben nur bey dessen berühmten Tugenden, mit Uberlassung des Geheimnisses seiner Ankunfft denen, welche frembde Länder durchreiset, und sich derer erkundiget haben.
Daß das Einhorn nicht mit dem Thier Abada zu confundiren, wie gemeiniglich zu geschehen pfleget, erhellet aus den unterschiedlichen Nahmen, indem eines Rhinoceros, das ander aber Einhorn genennet wird, welche beyde Nahmen dem einen Thier nicht zugleich zu geben seyn, sonderlich, weil auch solche Thier am Leib und Gliedmassen mercklich unterschieden seyn, wie in dem bekannten Abada und gemahlten Einhorn klärlich zu sehen: Dieses hat ein langes und gerades Horn, von fürtrefflicher Würckung, das Rhinoceros oder Abada hat derer zwey, etwas gebogen, und nicht so träfftig, wiewohl es auch wider das Gifft gebrauchet wird

Johann Jacob Bräuner:
Physicalisch= und Historisch= Erörterte Curiositaeten
Frankfurth am Mayn 1737
 

Dienstag, 1. März 2011

In Europäischen Landen


In unsern Europäischen Landen findet man auch offtermahlen Zähne und Hörner in der Erde, welches wir gegraben Einhorn, oder Unicornu Fossile nennen; so entweder wie Beine von Menschen und Thieren, oder wie Zähn und Hörner aussiehet: solches ist auswendig entweder gelblecht, grau oder braun-, von unterschiedlicher Grösse, mürb, leicht, löchericht, eines erdichten Geschmacks, und vest an der Zung klebend; inwendig zuweilen hohl, zuweilen noch andere weiche fette Erde in sich haltend: Dessen findet man zu unterschiedenen mahlen in Schlesien, in Hessen, in der Pfaltz, auch in dem Wüirtemberger-Land. Es ist aber allhier die Frage, ob solches von rechten Thieren, als Einhorn / Elephanten / und dergleichen herrühre? oder ob es so aus der Erden wachse: worüber unter den Natur-Kündigern noch heutiges Tages kein vereinigter Schluß gemachet. Hiervon ist in des Tentzeli monatlichen Unterredungen / Act. Erud. Lips. Anno 1682. pag. 150. und des Kircheri Mundo Subterr. viel zu finden, und sind noch vor wenig Jahren im Würtembergischen verschiedene, sowohl schrifftliche als mündliche Conferenzen von einigen Curiosen gehalten worden. Wiele halten es vor solcher Thiere oder Riesen Gebeine, welche etwa zur Zeit der Sündfluth anderswo hingeflößt, und in der Eden also zu Stein worden, zumahlen alle Theil davon zu sehen sind; Bootius und Wormius in Mus. pag. 54. halten es vor ein Margain oder daraus erharteten Stein, welche durch Spielen der Natur solche Gestalten bekommen, nicht anders, wie die Häring und andere Fische auf dem Islebischen Schiefferstein /abgemahlet worden: welcher Meinung auch Seel. D. Bauschius in einem eigenen Tractat / de Unicornu Fossili, beypflichtet.

Johann Jacob Bräuner
Physicalisch- und Historische-Erörterte Curiositäten
38. Von unterschiedenen Wunder-thieren
Frankfurth am Mayn 1737

Freitag, 21. Mai 2010

... welches eine Affricanische Creatur

Quelle: Wikipedia

Das Einhorn / welches eine Affricanische Creatur / und in der Provinz Agaos in dem Königreich Dæmotes anzutreffen; wiewohl auch nicht unglaublich daß sich solches auch verlauffe, und an andern Orten gefunden werde. Davon gedenckt besageter Autor ferner: Dieses Thier ist so groß, als ein mittelmäßiges Pferd, schwartzbraun an Farb, und hat einen schwartzen Schweiff und Mahne, beeds dünn und kurtz, wiewohl anderer Orten, jedoch eben in dieser Provinz, solche länger und dicker gesehen werden; mit einem schön gewundenen Horn an der Stirn, 6. Palmen oder Spannen lang, und länger, wie es von den Mahlern gebildet wird, und ist weißlecht an der Farbe: Sie enthalten sich in dicken Wäldern und Gesträuß, zu Zeiten kommen sie in die Felder, und werden selten gesehen, sind furchtsam, zerstreuet, und verborgen in den Höltzern, die barbarischen und wildesten Völcker in der Welt, haben diese Thier um sich, und nehren sich von solchen, wie von andern Thieren.

Johann Jacob Bräuner
Physicalisch- und Historische-Erörterte Curiositäten
38. Von unterschiedenen Wunderthieren
Frankfurth am Mayn 1737

Dienstag, 16. März 2010

Er habe einen Salamander ins Feuer geworfen ...

Quelle: Wikipedia

Vom Salamander.

Obwohl von dem Aristotele und Æliano geschrieben wird, es können die Salamandræ nicht allein in dem Feuer leben, sondern dasselbe auch gantz und gar auslöschen, welches auch Plinius cap. 67. lib. 10. bestättiget, daß nemlich der Salamandren Kälte so groß, daß sie das Feuer anders nicht, als wie durch ein Eiß, damit können löschen. So will es doch in Zweiffel gezogen werden, und glaubet man, daß solche gelehrte Leute hierinnen sehr gefehlet haben. Sintemahl man ja vom Feuer weiß, daß solches alles verzehret: Gleichwohl gibt es itziger Zeit noch so leichtgläubige Leut, welche, wiewohl übel berichtet, sagen mögen, daß der Salamander im Feuer lebete, und darin seine Wohnung habe: wir wollen dessen allhier mit wenigem gedencken, wie dieses Fürgeben falsch, denn obwohl dieses Thier über die massen kalt, so kan es doch im Feuer nicht lange leben. Matthiolus ad Dioscoridem lib. 26. schreibt: In dem Tridentinischen gibt es im Frühling und Herbst-Zeiten, viel solches Ungezieffers, solches hab er probirt, und der Salamandren eine grosse Anzahl ins Feuer geworffen, habe aber befunden, daß sie allsamt von dem Feuer verzehrt worden. Dieses ist sonst ein bekannt Indianisches gifftiges Ungezieffer / das man daselbst Gecco nennet, weil es an den Orten, wo es anzutreffen, immer Gecco rufft, von welchem Thierlein sich die Naturkündiger eifrigst bemühet, seine Eigenschafft fundamentaliter zu erforschen. In dem Frantzösischen Journal des scavans unter dem 26. April des 1667. Jahrs findet man, daß der berühmte Anatomicus Nicolaus Stenonis von Rom an Herrn D. Croan geschrieben, was massen ihm ein vornehmer Herr und Ritter, Nahmens Corvinus, vor gewiß erzehlet, er habe einen Salamander, den er mit aus Indien bringen lassen, ins Feuer geworffen, worauf sich derselbe alsobald aufgeblasen, und einen Hauffen Materie wie Feuer ausgekotzt, womit er die glüende Kohlen neben sich ausgelöschet, und sich darauf gesetzt, so bald die Kohlen wieder glüend worden, warff er auch wiederum neue Materie aus, auf welche Art er sich über 2. Stund vor der Gluth des Feuers beschützete. Nach solcher probe wohlte ihn der Ritter der Gefahr nicht weite überlassen, sondern nahm ihn wieder heraus, und behielt ihn noch neun Monath lang darnach im Leben. Die gantze Zeit, welche er ihn gehabt, hatte er keine andere Nahrung, als die er von den Lecken einer gewissen Indianischen Erde, die man darzu mitgebracht, und auf welcher er immer saß, genosse. Diese Erde war Anfangs mit einem zehen Schleim und dicken Materie bedeckt, und als sie hernach dürr worden, habe sie das Thier durch die hinten von sich gelassene Feuchtigkeit wieder erweichet; Nach Verlauff dieser eilff Monathen aber hätten sie den Salamander auf die Erde selbigen Landes in Italien gesetzt, um zu sehen, wie er sich auf selbiger verhalten würde: da sey er den dritten Tag hernach, nachdem ihm andere Erde gegeben worden, verstorben.

Der Gestalt nach, ist der Salamander, wie Plinius lib. 10. c. 67. bezeuget, ein vergifftetes Thier, wie eine Eidex, gantz kalter Natur, so daß durch dessen Anrührung das Feuer nicht anders als von Eisse ausgelöschet wird. Ob wohl Aristoteles will, daß die Salamander Leute wären, welche im Feuer wandelten: So hat man doch keinen eintzigen Scribenten gelesen, daß die Salamander Feuer-Leute seyn solten, die in dem Berge Æthna und andern feurigen Orthen ihre Wohnung hätten. Und ist auch nicht gläublich, daß ein einziges Thier sey, so im Feuer leben könte. Ob wohl Plinius l. 11. c. 36. solches von etlichen Thieren bewähret, die er Pyrales oder Pyraustas nennet, selbst die Salamander, ob sie wohl wegen kalter Natur eine Zeitlang im Feuer leben können, werden doch endlich durch die Hitze verbrannt.

Es ist auch eine bekannte Materie, so Salamanders-Wolle genennet wird; solche aber kommet von keinem Thier, sondern ist eine gewisse Berg-Art, so nur verblümter Weise also genennet ist, wegen der Meinung von der Unverbrennlichkeit: denn es gibt unter denen Mineralien gewisse unverbrennliche Dinge, darunter sonderlich merckwürdig ist, was die alten Asbeston nannten. Das ist der unverbrennliche Stein, von welchem Pancirollus handelt, in dem Capitel vom lebendigen Flachs / woraus durch Kunst gewürcket worden, Tisch oder Teller, Tücher, Hembder und Röcke, so durch das Feuer nicht verzehret wurden: dahero man in den alten Zeiten die Cörper der Könige darinnen verbrannt, damit ihre Asche mit anderer nicht vermischet werde.

Johann Jacob Bräuner
Physicalisch- und Historische-Erörterte Curiositäten
38. Von unterschiedenen Wunderthieren
Frankfurth am Mayn 1737

Samstag, 9. Mai 2009

Ein solches Thier ist in der Welt nicht zu finden

Quelle: Wikipedia / Peruartevalor

Reuter in seinem umschränckten Reich des Teuffels Part. I. Cap. 11. p.m. 145. schreibt: Es erzehlen so wohl alte als neue Scribenten von dem Einhorn /daß es mitten an der Stirn nur ein eintziges Horn habe, es ist aber nur eine blosse Fabel, und ein solches Thier ist in der Welt nicht zu finden. In der H. Schrifft werden diesem Thier 2. Hörner zugeschrieben, siehe Deut. 33. ℣. 17. Ps. 22. ℣. 22. … Vossius schreibt de orig. & Progress. lib. 3. c. 60. also: Man saget / das Einhorn liebe das weibliche Geschlecht gar sehr / und wann es eine blosse Jungfer sehe / würde es so eingenommen / daß es seinen Kopff in ihren Schooß lege / und also seine Wildheit ablegete / auch in derselben Schooß einschlaffe / und auf solche Art gefangen werde. Es erzehlt dieses Albertus M. und andere neue Scribenten, aber es wird davon so viel gehalten als von den Fabeln Æsopi. Und haben sie durch dieses Gedicht anzeigen wollen, es sey keine Stärcke so wilde, daß sie nicht solte durch die Liebe gebändiget werden.

Bräuner, Johann Jacob
Physicalisch= und Historisch= Erörterte Curiositaeten
Frankfurth am Mayn 1737, S. 581-606