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Freitag, 25. Februar 2011

Der Bauer und die Schlange

Wie Bauer Jupp letztes Jaa vor Weihnachten nach draußen ging, Holz holen um dat Feua am brennen zu haltn, fant er hintan Schuppen eine Schlange. Mein lieber Schollie, die waa aba staif gefroren wien Stock. Hat er sie mit reingeschlürt weil er dachte: »Aames Ding, tue ich dich mal bissken an waamen Ofen.« Wiese aber wieda wach wa, wollte se als erstes den Jupp inne Finger zwicken. Haut der Jupp gleich mitm Holzschait aufn Kopp, aber mit kafuck un machtse platt. »Du oller Kriecher«, bölkt Jupp, »ers Eva mitn Appel vakohlen undann unsaeins den Dank mitti Zähne zeigen, wenn man dichn bisken aufwärmen tut.«

Äsop
Ins Ruhrdeutsche übersetzt von
HDR

Dienstag, 7. Dezember 2010

Der Bauer und die Schlange (2)



Da die Welt in Frost und Eis lag, ließ ein Mann aus Güte sich dazu bewegen, eine Schlange in sein Haus aufzunehmen und sie den Winter hindurch zu ernähren. Als die kalten Jahreszeit vorüber ging, wurde die Schlange unbequem und begann, die Gegenstände mit ihrem Gift zu bespeien. Sie wollte sich nämlich möglichst schlecht aufführen, damit sie sich beim Abschied nicht für die Güte des Mannes erkenntlich zu zeigen brauchte.

Diese Fabel sollten sich alle Leute merken, die mit gutem Willen undankbare Leute unterstützen, durch welche sie, wenn sie schließlich fortgehen wollen, obendrein geschädigt werden.

Romulus (ca. 350 - 500 n.Chr.)

Montag, 6. Dezember 2010

Der Bauer und die Schlange (1)

Der sinnreiche Fabeldichter Aesopus berichtet in seiner 33. Fabel, wie nämlich ein Bauer bei kalter Winterszeit in dem Wald eine von der Kälte fast erstarrte und halbtodte Schlange im Schnee fand; über diese erbarmte er sich, trug sie nach Haus, und legte solche an einen warmen Ort, allwo sie wieder zu sich selbsten und also zu dem Leben kam. Als sich die Schlange nun wieder bewegen konnte, schlich sie dem Bauern heimlich nach, und versuchte, ob sie demselbigen nicht etwas von ihrem Gift beibringen und damit beschädigen möchte; als nun der Bauer solches merkte, erwischte er eine Hacke oder Axt, wehrte sich wider diesen undankbaren Gast, und gab ihm den wohlverdienten Lohn.

Abraham a Sancta Clara

Dienstag, 15. September 2009

Der Bauer und die Schlange


Ein Ackersmann fand eine Schlange,
Die fast erstarrt vor Kälte war.
Sein Arm entriß sie der Gefahr,
Und ihrem nahen Untergange.
Er nahm sie mit sich in sein Haus,
Und sucht' ihr einen Winkel aus,
Wo noch ein Rest von Reisern glühte.
Doch als ihr Frost und Noth entwich,
Erholte, regt', und hub sie sich,
Und lohnte dem mit Biß und Stich,
Den ihre Rettung so bemühte.
Betrogne Huld und Zärtlichkeit,
Die Frevlern blindlings Hilfe beut!
Hier folgt der Schade stets der Güte.

Friedrich von Hagedorn

Freitag, 25. Juli 2008

Der Bauer und die Schlange

Ein Bauer hatte einst eine Schlange, halb von Frost erstarrt, hinter einer Hecke gefunden, und da der Zustand des Thieres ihm Mitleid einflößte, so nahm er sie mit sich nach Hause, und legte sie in die Nähe seines Feuers, damit sie sich erwärmen möchte. – Kaum hatte sich diese indessen von ihrer Erstarrung erholt, als sie auch schon darauf ausging, dem Retter ihres Lebens Schaden zuzufügen und ihn zu verwunden. - »Elende!« - rief der Bauer entrüstet - »selbst denen, welche dir Gutes erzeigt haben, willst du deine dir angeborne Falschheit und Bosheit fühlen lassen!« Mit diesen Worten tödtete er sie.
Äsop (aus einem Buch a.d.19. Jh,
Übersetzer unbekannt)