Das »Einhorn in Paris« ist nun auch als E-Book in Amazons kindle store zu haben.
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Mittwoch, 4. Juli 2018
Donnerstag, 26. April 2018
Pferd und Einhorn
Das Pferd begegnet einem Einhorn.
»Wo hast du deine Flügel?« fragt das Einhorn.
»Ich habe keine Flügel. Noch nie gehabt«, antwortet das Pferd.
»Aber alle Pferde haben kleine farbige Flügel und können fliegen.«
»Nein«, sagt das Pferd, »das ist ein Märchen. Alle Pferde müssen auf ihren vier Hufen laufen, Lasten und Menschen herumtragen oder im Viereck reiten.«
»Ich kenne ein Pferd mit Flügel«, sagt das Einhorn sehr stolz.
»Nein«, sagt das Pferd, »das glaubst du nur. Und das ist ja auch schön.«
Das Einhorn geht und macht sich auf die Suche nach dem Pferd mit den Flügeln.
»Wo hast du deine Flügel?« fragt das Einhorn.
»Ich habe keine Flügel. Noch nie gehabt«, antwortet das Pferd.
»Aber alle Pferde haben kleine farbige Flügel und können fliegen.«
»Nein«, sagt das Pferd, »das ist ein Märchen. Alle Pferde müssen auf ihren vier Hufen laufen, Lasten und Menschen herumtragen oder im Viereck reiten.«
»Ich kenne ein Pferd mit Flügel«, sagt das Einhorn sehr stolz.
»Nein«, sagt das Pferd, »das glaubst du nur. Und das ist ja auch schön.«
Das Einhorn geht und macht sich auf die Suche nach dem Pferd mit den Flügeln.
Mittwoch, 3. Januar 2018
Freitag, 17. Februar 2017
Unicornu Verum
Es findet sich noch eine Materie, so in der Medicin beliebt ist, unter dem Nahmen: das wahre oder rechte Einhorn / Unicornu Verum, auch Unicornu Marinum genannt, das ist ein sehr langer, gestreiffter, und gleichsam gewundener Zahn eines gewissen Grön-Ländischen Wallfisches / siehet äusserlich gelb, inwendig aber weiß aus, wird von den Grönland-Fahrern zu uns bracht. Der Fisch, wovon es herrühret, wird Narhual genennet, weilen er sich vom Aaß und Todten-Cörpern, so dorten Nar heissen, ernehret, und von Thoma Bartholino in einem eigenen Buch beschrieben, daß er den andern Wallfischen nicht viel ungleich, und ohngefehr 30. Ellen lang sey; zwey Floß-Federn auf den Seiten, 3. Hügel auf dem Rucken, und unten am Bauch nur einen habe. Aus dessen lincken Ober-Kienbacken ein langer Zahn, gerad vor sich heraus stehet, womit er das Eiß brechen soll: weswegen das sogenannte Horn öffters forn abgebrochen ist. Und gehet also dieser Zahn nicht aus der Nasen, wie Olearius l. c. redet, indem dieser Fisch keine Nase hat: und wie die andern Wallfische durch zwo Löcher, so oben in dem Nacken stehen, und nicht durch die Nase respirirt, auch das Wasser daraus in die Höhe wirfft: Sondern er sitzet in seiner Höhle, am obersten Kinnbacken, wie die Zähne an andern Thieren. Ob aber ein Fisch zwey solche Zähn habe, wie D. Jacobi in Mus. Reg. Haffn. muthmasset, auch dergleichen eines gesehen hat, muß die Erfahrung weiter lehren. Dieses aber ist gewiß, daß unten in dem grossen Horn oder Zahn offt noch ein kleiner stecket, wie Herr. Doct. Reusel in der Kunst-Kammer zu Stuckardt gesehen: Weßwegen Simon Urias lib. 1. Grœnlandiæ Antiq. fol. 285. nicht unbillig schliesset, daß diesem Wallfisch die Zähne, wie denen Menschen, ausfallen, und andere wachsen thäten.
Bräuner, Johann Jacob:
Physicalisch= und Historisch= Erörterte Curiositaeten.
Frankfurth am Mayn 1737.
Labels:
18./19. Jh.,
Einhorn,
Fabeltiere,
Johann Jacob Bräuner
Dienstag, 26. Mai 2015
Die Jagd des Lebens
Es war einmal ein Jäger, der ging zu Wald in eine öde Wildnis, dort zu jagen. Da kam er einem Tiere auf die Fährte, als er dieses aber endlich entdeckte, wünschte er es nimmermehr gesehen zu haben, denn es war ein mächtiges Einhorn, welches sich gegen ihn stellte. Eilig wandte er sich zur Flucht, und stets verfolgte ihn das Einhorn, bis er auf eine steile Felswand kam, deren schroffen Abhang tief unten die Wellen eines dunklen Sees bespülten. In dem See schwamm ein ungeheurer Drache, der den Rachen gähnend aufriß, und plötzlich glitt der Jäger aus und wäre gerade hinab in den See und in des Drachen Schlund gestürzt, wenn er nicht an einem einer Felsritze entsproßten Strauch sich festgehalten hätte. Da war nun des Jägers Lage eine todängstliche. Droben stand, wie ein Wächter, das schreckliche Einhorn, drunten lauerte auf seinen Hinabsturz der greuliche Seedrache. In dieser Not ward seine Angst und Qual aber noch vermehrt, denn mit einem Male erblickte er zwei Mäuse, eine weiße Maus und eine schwarze Maus; die begannen an den Wurzeln der Staude zu nagen, und der Jäger vermochte nicht, sie hinwegzuscheuchen, weil er sich mit beiden Händen anhalten mußte. So mußte er jeden Augenblick gewärtig sein, daß die Wurzeln des Strauchs diesen nicht mehr halten würden. Über ihm stand ein Baum, von dem träufelte süßer Honig nieder, und gar zu gern hätte der Jäger diesen Baum erlangt, denn damit meinte er aller Qual erledigt zu sein, und über den Baum vergaß er aller ihm drohenden Gefahr. Wir wissen nicht, ob es ihm gelungen, aus seiner dreifachen Qual erlöst zu werden, oder ob die Mäuse des Strauches Wurzeln ganz abgenagt.
Der alte Dichter dieser Märe gibt ihr eine allegorische Deutung, indem er sagt: Der Jäger, das ist der Mensch, und das Einhorn, das ist der Tod, der ihm begegnet, ehe er es vermeint, und ihn immerdar verfolgt. Die steile Felswand ist die Erde, und der Strauch ist das Lehen, daran der Mensch nur mit schwachen Banden hängt. Die weiße und die schwarze Maus, welche das Leben an der Wurzel benagen, sind Tag und Nacht oder die rastlose Zeit, die an unserm Leben zehrt. Der dunkle See ist die Hölle, und sein Drache der Teufel, die darauf lauern, daß der Mensch falle und in ihren Rachen stürze. Der Honigbaum aber ist die Liebe, die das Leben versüßende, welcher der Mensch zustrebt und sie zu erlangen hofft zwischen Not und Tod, zwischen Qual und Pein, keiner Gefahr achtend, und mit deren Erringung er seine irdische Seligkeit findet. Doch soll der Mensch sich täglich hüten, da die Mäuse ihm an der Lebenswurzel zehren, daß er nicht in den See des Verderbens falle.
Der alte Dichter dieser Märe gibt ihr eine allegorische Deutung, indem er sagt: Der Jäger, das ist der Mensch, und das Einhorn, das ist der Tod, der ihm begegnet, ehe er es vermeint, und ihn immerdar verfolgt. Die steile Felswand ist die Erde, und der Strauch ist das Lehen, daran der Mensch nur mit schwachen Banden hängt. Die weiße und die schwarze Maus, welche das Leben an der Wurzel benagen, sind Tag und Nacht oder die rastlose Zeit, die an unserm Leben zehrt. Der dunkle See ist die Hölle, und sein Drache der Teufel, die darauf lauern, daß der Mensch falle und in ihren Rachen stürze. Der Honigbaum aber ist die Liebe, die das Leben versüßende, welcher der Mensch zustrebt und sie zu erlangen hofft zwischen Not und Tod, zwischen Qual und Pein, keiner Gefahr achtend, und mit deren Erringung er seine irdische Seligkeit findet. Doch soll der Mensch sich täglich hüten, da die Mäuse ihm an der Lebenswurzel zehren, daß er nicht in den See des Verderbens falle.
Ludwig Bechstein
Dienstag, 19. November 2013
Freitag, 19. April 2013
Das Einhorn - Eine Spurensuche …
In diesem Blog gibt es bereits eine ganze Reihe von Beiträgen zum Einhorn. Solch eine gründliche Betrachtung wie im Buch von Winfried Hagenmaier wird aber dadurch nicht ansatzweise erreicht. Das was der Autor an Texten, Bildern und Motiven zusammen getragen hat, ist beachtlich und konnte nur so entstehen, weil er sich über Jahrzehnte mit diesem Thema ausführlich und intensiv beschäftigt hat. Wer sich für das Einhorn interessiert, für sein Auftreten in Kunst und Kultur - nicht nur in Europa - der kommt an diesem Buch nicht vorbei. Der Schwerpunkt liegt allerdings auf den Einhornspuren vom Beginn der Neuzeit an bis heute.
Zitat: Lebt das Einhorn nun? Allem Anschein nach hat es real nie existiert und wird zu den Fabeltieren gerechnet wie der Basilisk, der Drache, der Greif oder der Phönix. Doch lebt es seit Jahrtausenden in Mythen, Sagen, Berichten, Dichtungen und künstlerischen Darstellungen in Asien, Europa und Afrika und ist im Zeitalter der Fantasy-Literatur auch auf den amerikanischen Kontinent vorgedrungen. (S. 115)
Horst-Dieter Radke
Samstag, 17. November 2012
Herr Fix und Fertig
Fix und Fertig war lange Zeit Soldat gewesen, weil aber der Krieg ein Ende hatte und nichts mehr zu thun war, als einen und alle Tage dasselbe, nahm er seinen Abschied und wollte Lakai bei einem großen Herrn werden. Da gabs Kleider mit Gold besetzt, viel zu schaffen und immer was Neues. Also machte er sich auf den Weg und kam an einen fremden Hof, da sah er einen Herrn, der in dem Garten spazieren ging. Fix und Fertig besann sich nicht lang, trat frisch auf ihn zu sagte: »mein Herr, ich suche Dienste bei einem großen Herrn, sinds Ew. Majestät selbst, so ist mirs am liebsten, ich kann und weiß alles, was dazu gehört, kurz und lang, wies befohlen wird.« Der Herr sagte: »recht, mein Sohn, das wäre mir lieb, sag an, was ist anjetzt mein Verlangen?« Fix und Fertig ohne zu antworten drehte sich um, lief eilend und brachte eine Pfeife und Taback. »Recht, mein Sohn, du bist mein Bedienter, aber nun gebe ich dir auf, mir die Prinzessin Nomini zu schaffen, die schönste auf der Welt, die will ich zu meiner Gemahlin haben.« – »Wohlan, sagte Fix und Fertig, das ist mir ein kleines, die sollen Ew. Maj. bald haben, geben Sie mir nur eine Chaise bespannt mit Sechsen, einen Leibkutscher, Haiducken, Laufer, Lakaien, Koch und einen völligen Staat, mir selbst aber fürstliche Kleider, und jedermann muß meinen Befehlen gehorchen.« Nun, fuhren sie ab, der Herr Bedienter saß in der Kutsche und es ging immer dem königlichen Hof zu, wo die schöne Prinzessin war. Als die Chaussee zu Ende war, fuhren sie ins Feld hinein und kamen bald vor einen großen Wald, der war voll von vielen tausend Vögeln, da war ein grausamer Gesang, prächtig in die blaue Luft hinein. »Halt! halt! rief der Fix und Fertig, die Vögel nicht gestört! die preisen ihren Schöpfer und wollen mir wieder einmal dienen, links um!« der Kutscher mußte also umdrehen und um den Wald herumfahren. Darnach währte es nicht lang, so kamen sie an ein großes Feld, da saßen an die tausend Millionen Raben, die schrien nach Speise überlaut. »Halt! halt! rief der Herr Fix und Fertig: bind eins von den vordersten Pferden los, führ es aufs Feld und stichs todt, daß die Raben gespeist werden, die sollen meinetwegen keinen Hunger leiden.« Nachdem die Raben gesättigt waren, ging die Reise weiter und sie kamen an ein Wasser, darin war ein Fisch, der klagte erbärmlich: »um Gotteswillen! ich habe keine Nahrung in diesem schlechten Sumpf, setzt mich in ein fließendes Wasser, dafür will ich euch einmal gegendienen.« Eh er noch ausgeredet, hatte Fix und Fertig halt! halt! gerufen; »Koch nimm ihn in die Schürze, Kutscher fahr zu nach einem fließenden Wasser.« Fix und Fertig stieg selber aus und setzte ihn hinein, daß der Fisch vor Freude mit dem Schwanz schlug. Herr Fix und Fertig sprach: »laßt nun die Pferde rasch laufen, daß wir zu Abend noch an Ort und Stelle sind.« Als er in der königlichen Residenz anlangte fuhr er gerade nach dem besten Gasthof, der Wirth und alle seine Leute kamen heraus, empfingen ihn aufs beste und meinten, ein fremder König sey angekommen, und es war doch nur ein Herr Bedienter. Fix und Fertig aber ließ sich gleich bei dem königlichen Hof anmelden, suchte sich beliebt zu machen und hielt um die Prinzessin an. »Mein Sohn, sagte der König, dergleichen Freier sind schon viele abgewiesen worden, weil keiner hat ausrichten können, was ich ihnen auferlegt hatte, um meine Tochter zu gewinnen.« »Wohlan, sprach Fix und Fertig, geben Ew. Majestät mir nur was rechtes auf.« Der König sagte: »ich habe ein Viertel Mohnsamen säen lassen, kannst du mir denselben wieder herbei schaffen, daß kein Korn fehlt, so sollst du die Prinzessin für deinen Herrn haben.« Hoho! dachte Fix und Fertig, das ist ein geringes für mich. Nahm darauf ein Maaß, Sack und schneeweiße Tücher, ging hinaus, und die letztern breitete er neben das besäte Feld hin. Gar nicht lange, da kamen die Vögel, die im Walde bei ihrem Singen nicht waren verstört worden, und lasen den Samen, Körnchen für Körnchen auf und trugen ihn auf die weißen Tücher. Als sie alles aufgelesen hatten, schüttete es Fix und Fertig zusammen in den Sack, nahm das Maaß unter den Arm, ging zu dem König und maaß ihm seinen ausgesäten Samen wieder zu, gedachte nun die Prinzessin wäre schon sein – aber gefehlt: »noch eins, mein Sohn, sagte der König, meine Tochter hat einstmals ihren goldnen Ring verloren, denselben mußt du mir erst wiederschaffen, eh du sie bekommen kannst.« Fix und Fertig machte sich keine Sorgen: »lassen Ew. Majestät mir nur das Wasser und die Brücke zeigen, wo der Ring verloren worden, so soll er bald herbeigeschafft seyn.« Als er hingebracht war, sah er hinab, da schwamm der Fisch herzu, den er auf seiner Reise in den Fluß gesetzt hatte, streckte den Kopf in die Höhe und sagte: »wart einige Augenblicke, ich fahre hinunter, ein Wallfisch hat den Ring unter der Floßfeder, da will ich ihn holen;« kam auch bald wieder und warf ihn ans Land. Fix und Fertig bracht ihn zum König, dieser aber antwortete: »nun noch eins, in jenem Walde ist ein Einhorn, das hat schon vielen Schaden gethan, wenn du das tödten kannst, dann ist nichts mehr übrig.« Fix und Fertig bekümmerte sich auch hier nicht groß, sondern ging geradezu in den Wald. Da waren die Raben, die er einmal gefuttert und sprachen: »noch eine kleine Weile Geduld, jetzt liegt das Einhorn und schläft, aber nicht auf der scheelen Seite, wenn es sich herumdreht, dann wollen wir ihm das eine gute Auge, das er hat, auspicken, dann ist es blind und wird in seiner Wuth gegen die Bäume rennen und mit seinem Horn sich festspießen; dann kannst du es leicht tödten.« Bald wälzte sich das Thier ein paar Mal im Schlaf herum und legte sich auf die andere Seite, da flogen die Raben herunter und hackten ihm sein gesundes Auge aus. Wie es die Schmerzen empfand, sprang es auf und rennte unsinnig im Wald herum, bald auch hatte es sich in eine dicke Eiche festgerennt. Da sprang Fix und Fertig herbei, hieb ihm den Kopf ab, und brachte ihn dem König. Dieser konnte nun seine Tochter nicht länger versagen, sie ward dem Fix und Fertig übergeben, der sich gleich in vollem Staat, wie er gekommen war, mit ihr in die Kutsche setzte, zu seinem Herrn fuhr und ihm die liebevolle Prinzessin brachte. Da ward er wohl empfangen, und in aller Pracht Hochzeit gehalten; Fix und Fertig aber wurde erster Minister.
Ein jegliches in der Gesellschaft, wo dies erzählt wurde, wünschte auch bei dem Vergnügen zu seyn, eins wollte Kammerjungfer, das andere Garderobemädchen werden, dafür wollte einer Kammerdiener, der andere Koch werden u.s.w.
Jacob und Wilhelm Grimm
Kinder- und Hausmärchen
Band 1, Berlin 1812/15
Ein jegliches in der Gesellschaft, wo dies erzählt wurde, wünschte auch bei dem Vergnügen zu seyn, eins wollte Kammerjungfer, das andere Garderobemädchen werden, dafür wollte einer Kammerdiener, der andere Koch werden u.s.w.
Jacob und Wilhelm Grimm
Kinder- und Hausmärchen
Band 1, Berlin 1812/15
Freitag, 23. Dezember 2011
Das Einhorn und der Philosoph
Als das Einhorn den Philosophen im Park auf der Bank sitzen und so angestrengt nachdenken sah, gesellte es sich dazu.
„Hallo“, sagte das Einhorn.
Der Philosoph sagte nichts, denn er dachte ja nach und da er nie angesprochen wurde, bezog er den Gruß des Einhorns nicht auf sich. Das Einhorn wartete ab, sagte aber nach einer Weile:
„So lang ist der Gedanke, Herr Philosoph?“
Jetzt sah der Philosoph auf und schaute das Einhorn verwundert an.
„Gedanken sind nie zu Ende“, erläuterte er dann. „Wenn ich aufhöre zu denken, existiere ich auch nicht mehr.“
„Ach, das ist ja interessant“, staunte das Einhorn. „Dann brauche ich einfach nicht mit dem Denken aufzuhören, um ewig existieren zu können.“ „Allerdings nützt die Existenz so allein für sich nichts“, erwiderte der Philosoph. „Es muss noch ein Gegenüber geben, ein Du, das dich auch denken kann. Für sich allein zu existieren ist ja nichts.“
„Und? Denkst du mich gerade?“
„Für den Augenblick ja. Das ist eine ganz reizvolle Abwechslung. Aber auf Dauer kann ich natürlich nicht ein Einhorn in meine Gedankenwelt lassen. Das wäre ja an der Realität vorbei.“
„Eben hast du noch gesagt, dass etwas, sobald man es denkt, Realität wird.“
„Das bezog sich aber eher auf das Objekt, das denkt, nicht auf das Objekt, das gedacht wird.“
„Das Objekt, das denkt, genügt sich aber alleine nicht, hast du eben behauptet.“ „Stimmt ja auch. Es braucht ein anderes Objekt, das ebenfalls denkt und bereit ist, das andere Objekt wahrzunehmen. Also ich denke hier auf der Parkbank und bin mir meines Denkens bewusst. Das ich existiere, stelle ich nicht in Zweifel, wie es noch der chinesische Meister Zhuang gemacht hat, der nicht mehr wusste, ob er der geträumte Schmetterling oder der Träumer gewesen ist. Ich weiß, dass ich jetzt ein Einhorn träume und das gefällt mir gerade ausnehmend gut. Aber wenn ich gleich wieder wach bin, dann weiß ich auch, dass ich derjenige bin, der das Einhorn geträumt hat.“
Das Einhorn näherte sich dem Philosophen und stupste ihn sanft an.
„He? Was soll das?“ rief der Philosoph, der nicht stabil auf der Bank gesessen hat und fast heruntergefallen wäre.
„Hast du das gespürt?“ fragte das Einhorn.
„Aber sicher habe ich das gespürt“, sagte der Philosoph ärgerlich. „Fast wäre ich von der Bank gefallen.“
„Entschuldige“, sagte das Einhorn. „Ich war nicht darauf vorbereitet, dass du so wenig fest auf dem Boden der Tatsachen ruhst. Machs gut.“
Es wendete sich um und trabte davon. Der Philosoph glaubte noch ein Wiehern zu hören. Oder war es ein Lachen? Dann war er wieder allein und beschäftigte sich weiter intensiv damit, existent zu bleiben.
„Hallo“, sagte das Einhorn.
Der Philosoph sagte nichts, denn er dachte ja nach und da er nie angesprochen wurde, bezog er den Gruß des Einhorns nicht auf sich. Das Einhorn wartete ab, sagte aber nach einer Weile:
„So lang ist der Gedanke, Herr Philosoph?“
Jetzt sah der Philosoph auf und schaute das Einhorn verwundert an.
„Gedanken sind nie zu Ende“, erläuterte er dann. „Wenn ich aufhöre zu denken, existiere ich auch nicht mehr.“
„Ach, das ist ja interessant“, staunte das Einhorn. „Dann brauche ich einfach nicht mit dem Denken aufzuhören, um ewig existieren zu können.“ „Allerdings nützt die Existenz so allein für sich nichts“, erwiderte der Philosoph. „Es muss noch ein Gegenüber geben, ein Du, das dich auch denken kann. Für sich allein zu existieren ist ja nichts.“
„Und? Denkst du mich gerade?“
„Für den Augenblick ja. Das ist eine ganz reizvolle Abwechslung. Aber auf Dauer kann ich natürlich nicht ein Einhorn in meine Gedankenwelt lassen. Das wäre ja an der Realität vorbei.“
„Eben hast du noch gesagt, dass etwas, sobald man es denkt, Realität wird.“
„Das bezog sich aber eher auf das Objekt, das denkt, nicht auf das Objekt, das gedacht wird.“
„Das Objekt, das denkt, genügt sich aber alleine nicht, hast du eben behauptet.“ „Stimmt ja auch. Es braucht ein anderes Objekt, das ebenfalls denkt und bereit ist, das andere Objekt wahrzunehmen. Also ich denke hier auf der Parkbank und bin mir meines Denkens bewusst. Das ich existiere, stelle ich nicht in Zweifel, wie es noch der chinesische Meister Zhuang gemacht hat, der nicht mehr wusste, ob er der geträumte Schmetterling oder der Träumer gewesen ist. Ich weiß, dass ich jetzt ein Einhorn träume und das gefällt mir gerade ausnehmend gut. Aber wenn ich gleich wieder wach bin, dann weiß ich auch, dass ich derjenige bin, der das Einhorn geträumt hat.“
Das Einhorn näherte sich dem Philosophen und stupste ihn sanft an.
„He? Was soll das?“ rief der Philosoph, der nicht stabil auf der Bank gesessen hat und fast heruntergefallen wäre.
„Hast du das gespürt?“ fragte das Einhorn.
„Aber sicher habe ich das gespürt“, sagte der Philosoph ärgerlich. „Fast wäre ich von der Bank gefallen.“
„Entschuldige“, sagte das Einhorn. „Ich war nicht darauf vorbereitet, dass du so wenig fest auf dem Boden der Tatsachen ruhst. Machs gut.“
Es wendete sich um und trabte davon. Der Philosoph glaubte noch ein Wiehern zu hören. Oder war es ein Lachen? Dann war er wieder allein und beschäftigte sich weiter intensiv damit, existent zu bleiben.
Horst-Dieter Radke
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Mittwoch, 31. August 2011
Das Unicornium, belangend …
Erin Stevenson O'Connor
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Das Einhorn / Unicornium, belangend / so schreiben die Authores, Plinius, Aristoteles, Ælianus und Philostratus so unterschiedlich darvon (wie zu sehen ist in dem Thier-Buch D. Gesneri Teutscher Version fol. 36.) daß es hart ist / etwas gewisses zu berichten /ausser daß dieses ein grimmiges / schnell- und starckes Thier seye / gelblechter Farb / in der Grösse und Gestalt einem Pferdt nicht vil ungleich / ausgenommen / daß es an seinen Füssen unterhalb gespaltne Klauen habe.
Das merckwürdigiste / und in der Artzney das kostbariste ist an diesem Thier das bey 2. oder 3. Elen lange / starcke und spitzige Horn / welches an seiner Stirn gerad hinauß gehet / deßwegen es auch Einhorn genennt wird. Wann es mit dem Elephanten streiten will / da wetzt es zuvor das Horn an einem Felsen /und schaut / daß es ihme den Bauch / welcher weich ist / darmit durchsteche und aufreisse; wann es aber fehlt / da wird er von ihm zerrissen.
Das Einhorn soll sich befinden in Mohrenland /auch Indien und Arabien. Wann es über 2. Jahr alt ist / lasset es sich nicht mehr fangen (wohl aber wann es jung ist) sondern er zerreißt alles / und lasset sich ehender umbringen / als fangen oder zahm machen /und förchtet keine Waffen: massen in H. Schrifft geschrieben stehet: Meinest du / das Einhorn werde dir dienen / und werde bleiben an deiner Krippen stehen.
Willibald Kobolt
Die Groß- und Kleine Welt
Natürlich-Sittlich- und Politischer Weiß zum Lust und Nutzen vorgestellt [...].
Augsburg 1738
Dienstag, 30. August 2011
Unter den vierfüßigen Thieren …
Trifoni di Petrarca
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Was Felix Maurer in Observat Curioso-Physicar. Part. II. pag. 450. von dem Einhorn sowohl angemerckt, wollen wir theils anhero fügen. Unter den vierfüßigen Thieren (schreibt er) kommen wir zu dem viel-berühmten Einhorn / welches auch sonderlich hoch zu achten, weil die Heil. Schrifft desselben Meldung thuet, auch zu vielen Dingen, ja zu GOtt und Menschen vergleichet: Kein Autor, so dieses Thiers gedenckt, berichtet von seiner Geburt und Land, sondern verbleiben nur bey dessen berühmten Tugenden, mit Uberlassung des Geheimnisses seiner Ankunfft denen, welche frembde Länder durchreiset, und sich derer erkundiget haben.
Daß das Einhorn nicht mit dem Thier Abada zu confundiren, wie gemeiniglich zu geschehen pfleget, erhellet aus den unterschiedlichen Nahmen, indem eines Rhinoceros, das ander aber Einhorn genennet wird, welche beyde Nahmen dem einen Thier nicht zugleich zu geben seyn, sonderlich, weil auch solche Thier am Leib und Gliedmassen mercklich unterschieden seyn, wie in dem bekannten Abada und gemahlten Einhorn klärlich zu sehen: Dieses hat ein langes und gerades Horn, von fürtrefflicher Würckung, das Rhinoceros oder Abada hat derer zwey, etwas gebogen, und nicht so träfftig, wiewohl es auch wider das Gifft gebrauchet wird
Johann Jacob Bräuner:
Physicalisch= und Historisch= Erörterte Curiositaeten
Frankfurth am Mayn 1737
Physicalisch= und Historisch= Erörterte Curiositaeten
Frankfurth am Mayn 1737
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Zitate
Montag, 29. August 2011
Christof Stählin: Das Einhorn
1978 erhielt der deutsche Liedermacher, Musiker und Kabarettist Christof Stählin für seine Langspielplatte »Das Einhorn« den deutschen Schallplattenpreis. Die CD ist auch heute noch hörenswert und über den Künstler kann sie nach wie vor bezogen werden.
Sonntag, 28. August 2011
Das Einhorn und der Bischof
Eines Tages begegneten sich das Einhorn und der Bischof. Das Einhorn ging eine Weile neben dem Bischof her.
“Wie geht’s” fragte der Bischof höflich.
“Nicht gut”, sagte das Einhorn.
“Wie kommt’s?” fragte der Bischof erstaunt.
“Die Menschen erkennen mich nicht mehr”, antwortete das Einhorn traurig. “Wenn sie mich überhaupt sehen, versuchen sie mich zu jagen, weil sie sich wer weiß was vorstellen, was sie mit mir und meinem Horn anfangen können. Und Jungfrauen gibt es ja auch fast nicht mehr.”
“Ja, da hilft kein Predigen mehr”, schimpfte der Bischof. “Die Unzucht hat die Herrschaft über die Welt bekommen.”
“Aber warum ich so in Vergessenheit geraten bin, das verstehe ich nicht”, sagte das Einhorn.
“Das ist kein Wunder”, erklärte der Bischof. “An dich muss man nicht glauben, dich kann man ja sehen - wenn man will. Alles aber, was die Menschen sehen können, ist ihnen nicht geheimnisvoll genug.”
“Meinst du?” fragte das Einhorn und überlegte, ob es sich besser gänzlich unsichtbar machen solle.
“Aber der eigentliche Grund liegt wohl darin, dass du über die Menschen keine Macht ausüben willst. Da haben sie keine Ehrfurcht vor dir. Sieh mich an, mich fürchten die Menschen. Ich sorge schon dafür, dass sie keine Ruhe finden, denn ich drohe Ihnen mit dem, was sie nach dem Tod erwartet. Sie fallen deshalb reihenweise vor mir auf die Knie und ich kann ihnen erzählen, was ich will - sie glauben mir alles, gerade, weil sie es nicht sehen können.”
“Und das gefällt dir? Macht über die Menschen auszuüben?”
“Aber ja!” rief der Bischof. “Das ist ein herrliches Gefühl zu sehen, wie sie den Nacken beugen, weil ich das so will.”
Da beschloss das Einhorn, ein für alle Mal aus dem Leben der Menschen zu verschwinden. Es wollte geliebt und geschätzt, möglicherweise auch ein wenig bewundert werden. Keinesfalls aber wollte es, dass die Menschen sich vor ihm fürchten. Und Macht über sie bekommen mochte es auch nicht.
Seit es aber verschwunden ist, möchten die Menschen wieder an das Einhorn glauben.
Horst-Dieter Radke
Mehr vom Verschwinden des Einhorns gibt es hier.
Samstag, 27. August 2011
Anakreontisch
Wladyslaw Skoczylas (1883-1934)
Bildquelle: Wikipedia
Die Natur hat jedes thier
mit sonderbarer gab und zier
sorgfältiglich so wol versehen,
daß ihrer jedes mag, billich
vernüget, dessen rühmen sich
und neben andern wol bestehen.
Ein horn dem einhorn auf das hirn,
dem stier zwei hörner auf die stirn,
dem hirsch ist ein geweih gesetzet;
die vögel hat sie durch den flug
und die füchs mit list und betrug
zu ihrer sicherheit ergetzet.
Der fisch kan schwimmen, und das pferd
ist wegen guten hufs mehr wert,
die löwen haben zähn und klauen,
das laufen ist der hasen pfand,
der man hat götlichen verstand;
was haben dan die zarte frauen?
Die frauen seind mit der lieb pracht
und mit der schönheit höchsten macht
so unvermeidenlich gezieret,
daß ihr holdselige gestalt
allein regierend, ohn gewalt,
über die herzen triumfieret.
Georg Rodolf Weckherlin
aus: Gedichte, Leipzig 1873
Montag, 22. August 2011
Die Gründung des Klosters Holzkirchen
Bildquelle: Wikipedia
In alter Zeit war der einzige Sohn des Edelmanns im untern Schlosse zu Remmlingen auf die Jagd gegangen und lange nicht nach Hause zurückgekehrt. Da sandte sein Vater allenthalben hin Leute, ihn zu suchen, und er selbst ritt aus, gelobend, da ein Kloster zu bauen, wo sein Sohn, lebend oder todt, wiedergefunden würde. In einem wilden Waldthale fanden sie endlich den Jüngling, von einem Einhorn durchbohrt, das, von seinem Pfeile getroffen, todt neben ihm lag. Seinem Gelübde treu, stiftete der Edelmann an dem Ort ein Benediktinerkloster und nannte es Holzkirchen, weil das Michelskirchlein, das auf der Höhe zuerst gebaut wurde, ganz von Holz war. Außen an der Klosterkirche ist noch jetzt ein Steinbild, welches den Edelmann zu Pferd, dessen Frau und ihren Sohn mit dem Einhorne vorstellt.
Bernhard Baader
Volkssagen aus dem Lande Baden
und den angrenzenden Gegenden
Band 1, Karlsruhe 185
America - The Last Unicorn
Sonntag, 21. August 2011
O schandlicher Unfrid!
Hans Baldung (Grien)
Bildquelle: Zeno.org
Bildquelle: Zeno.org
Sonsten soll es gewiß seyn / daß das Einhorn ein von Natur keusches Thier seye / also / daß sich das Männlein des Weibleins nicht annemme / als in der Brunst / ausser welcher sie nichts miteinander zu thun haben: ja sie führen immerdar Streit / und verfolgen /ja bringen einander um: und indem sie sonst mit anderen Thieren / neben denen sie waiden / mild und freundlich seynd / so wollen sie doch ihres gleichen nicht gedulten: Daher kommt es / daß es gar wenig dieser Thieren gibt / weil sie durch ihre Uneinigkeit immerdar einander selbst zu Grund richten.
Meines Erachtens können deßwegen die unfriedliche Eheleuth füglich mit den Einhörneren verglichen werden: dann auch diese seynd niemahl fridsam und einig / als wann es ihnen um den fleischlichen Wollust zu thun ist: sonsten kommen sie nicht zusammen / das eine gehet da / das andere dort hinaus / und mögen einander kaum anschauen. Ja sie streiten wider einander / als wie die Einhorn / und verstossen sich also / daß offt das Weib blaue Augen / und der Mann ein verkrätztes Gesicht darvon traget / mithin kürtzen sie einander das Leben ab. Man schreibt von dem Einhorn / es habe ein erschröcklich- und grausame Stimm / die keines anderen Thiers Geschrey gleich seye. Auch ein böses Weib und toller Mann / wann sie hefftig mit einander zancken / haben ein grausame Stimm / das ist / sie hencken einander erschröckliche Schimpff- und Schmäh-Wort / ja so ärgerliche Lästerungen an / dergleichen sonst nicht leicht zu hören seynd. O schandlicher Unfrid!
Willibald Kobolt
aus: Die Groß- und Kleine Welt
Natürlich-Sittlich- und Politischer Weiß
zum Lust und Nutzen vorgestellt
Augsburg 1738
aus: Die Groß- und Kleine Welt
Natürlich-Sittlich- und Politischer Weiß
zum Lust und Nutzen vorgestellt
Augsburg 1738
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18./19. Jh.,
Einhorn,
Fabeltiere,
Zitate
Samstag, 20. August 2011
Das Einhorn
Dame mit Einhorn
Barbara Longhi (1552 - 1638)
Bildquelle: Wikipedia
Barbara Longhi (1552 - 1638)
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Am 22. September des Jahres 1659 haben die Schanzenarbeiter vor dem Bockenheimer Thore am Fundamente der äußersten Stadtgrabenmauer gearbeitet und dort ein Einhorn, fünf Werkschuhe lang, etliche Klafter tief in der Erde ausgegraben, allein da sie aus Unverstand nicht gewußt, was solches für ein Horn gewesen, haben sie solches mit Hämmern und Pickeln zerhauen, da dann ein Jeder ein Stücklein davon haben wollen und ist in Folge davon dieses schöne Stück zertheilt und gleichsam vernichtet worden. Die Herrn Medici und Materialisten haben etliche solche Stücke probirt und für köstlich befunden und darum haben auch die Apotheker wahrscheinlich solche von den Arbeitern um theures Geld gekauft. Vermuthlich hat auch die Frankfurter Apotheke »zum Einhorn« ihren Namen davon bekommen.
Johann Georg Theodor
Sagenbuch des preußischen Staates
Zweiter Band, Frankfurt und Umgegend 1779
Freitag, 19. August 2011
O dieses ist das Tier, das es nicht giebt …
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O dieses ist das Tier, das es nicht giebt.
Sie wußtens nicht und habens jeden Falls
– sein Wandeln, seine Haltung, seinen Hals,
bis in des stillen Blickes Licht – geliebt.
Zwar war es nicht. Doch weil sie's liebten, ward
ein reines Tier. Sie ließen immer Raum.
Und in dem Raume, klar und ausgespart,
erhob es leicht sein Haupt und brauchte kaum
zu sein. Sie nährten es mit keinem Korn,
nur immer mit der Möglichkeit, es sei.
Und die gab solche Stärke an das Tier,
daß es aus sich ein Stirnhorn trieb. Ein Horn.
Zu einer Jungfrau kam es weiß herbei –
und war im Silber-Spiegel und in ihr.
Rainer Maria Rilke
aus: Die Sonette an Orpheus
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Einhorn,
Fabeltiere,
Gedichte,
Rainer Maria Rilke
Donnerstag, 18. August 2011
Das muthige und listige Schneiderlein
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Die Großmutter nickte dem Kinde, nachdem es geendigt, Beifall zu. Nun trat Fritz auf den Plan, und erzählte lebhaft in Ton und Gebärde:
Wer kennt nicht die Geschichte vom Schneiderlein, der Sieben auf Einen Schlag getödtet hat? Es sind dieß bekanntlich zwar nur sieben Fliegen gewesen; aber der Schlag hat doch gegolten; und der Streich weckte seinen Heldenmuth, daß er beschloß, auf Abenteuer auszugehen, und sich irgend eine Königstochter zu erobern. Darum machte er sich alsogleich einen Harnisch aus Goldpapier, und schrieb darauf mit großen Buchstaben: Sieben auf Einen Schlag, und ging fort, in die weite Welt hinaus, Helden-Abenteuer aufzusuchen und, so Gott will! auch muthig und glücklich zu bestehen. Nun wissen wir alle, wie das Männlein an den Hof eines Königs gekommen, und dort um die Hand der Königstochter geworben; und wie er den Bären geschraubt und gefangen, und das Wildschwein und das Einhorn getödtet hat; was ihm denn alles auferlegt worden zur Probe seines Heldenmuths und ritterlichen Sinnes …
Wer kennt nicht die Geschichte vom Schneiderlein, der Sieben auf Einen Schlag getödtet hat? Es sind dieß bekanntlich zwar nur sieben Fliegen gewesen; aber der Schlag hat doch gegolten; und der Streich weckte seinen Heldenmuth, daß er beschloß, auf Abenteuer auszugehen, und sich irgend eine Königstochter zu erobern. Darum machte er sich alsogleich einen Harnisch aus Goldpapier, und schrieb darauf mit großen Buchstaben: Sieben auf Einen Schlag, und ging fort, in die weite Welt hinaus, Helden-Abenteuer aufzusuchen und, so Gott will! auch muthig und glücklich zu bestehen. Nun wissen wir alle, wie das Männlein an den Hof eines Königs gekommen, und dort um die Hand der Königstochter geworben; und wie er den Bären geschraubt und gefangen, und das Wildschwein und das Einhorn getödtet hat; was ihm denn alles auferlegt worden zur Probe seines Heldenmuths und ritterlichen Sinnes …
Ludwig Aurbacher
Ein Büchlein für die Jugend
Stuttgart/Tübingen/München 1834, S. 174-180
Mittwoch, 17. August 2011
Einhorn
Deutsches Freimaurermuseum Bayreuth
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Es wird viel erzehlet, und noch mehr gehalten vom Horn eines Einhorns / und dessen kräfftiger Wirckung wider den Gifft; Werden auch an unterschiedlichen Orten gantze Hörner davon gezeiget / als zu S. Denis in der Kirchen / nahe bey Pariß in Franckreich: Zu Venedig und anderswo. Zwar diese Hörner sind wohl von lebendigen Thieren / als Wallfischen oder sonsten: Aber ein wahrhafftiges Einhorn / wie es beschrieben wird und abgebildet / ist noch zur Zeit von keinem Menschen gesehen / und hat sich keiner gefunden / der es kennet. Heute zu Tage ist die Welt so bekannt und durchreiset / daß schier kein Winckel /da man nicht ist hinkommen; Ist aber noch keiner gefunden / der das Thier Einhorn an einem Ort gesehen oder etwas gewisses davon hätte vernehmen können. Der erste / so dieses Thiers gedencket / ist gewesen der Cresias, welchen Aristoteles öffentlich einen Lügner heisset. Andere / so auch davon geschrieben /sagen allzeit davon / wie man saget oder fürgiebt: Haltens also für ein ungewiß Ding. Der eine schreibet / es sey gleich einem wilden Pferde: Der ander / es sey ein Esel: Dieser / es habe Füsse wie ein Pferd. Jener /es habe gespaltene Füsse / wie die Ziegen. Die Hörner / so gezeiget werden / seyn auch nicht einerley Art und Gestalt. Und noch viel weniger befindet sich solche Krafft und Wirckung / als man ihm zuschreibet. In der H. Schrifft wird zwar etlichmal des Einhorns gedacht / ist aber viel ein anders als diß Thier / welches aus der Beschreibung klärlich zu ersehen:
Was nicht in der Natur ist / können Mahler und Poeten auf ihre Art darein machen: Die setzen dem Pferde Flügel an (als Pegaso) Hörner vorn am Kopff (als dem Einhorn) wie es ihnen nur beliebet.
Lauremberg, Peter
Neue und vermehrte Acerra philologica
Das ist: Sieben Hundert auserlesene, nützliche, lustige und denckwürdige
Historien und Discursen, aus den berühmtesten griechischen
und lateinischen Scribenten zusammengetragen [...]
Frankfurt am Main, Leipzig, 1717, S. 502-503
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