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Freitag, 9. Dezember 2011

Der Mops und der Mond


Es war einmal ein dicker fetter Mops;
der ging, wie Möpse gehn, auf allen Vieren
bei hellem Mondschein einst spazieren.
Da kam ein Graben in die Quer; und hops!
sprang euch der dicke fette Mops -
hinüber, meint ihr? - Nein!
Er sprang zu kurz, und fiel hinein
von wegen seiner schweren Masse.
Und als er endlich der Gefahr,
da zu ersaufen, ledig war,
so stellt er sich recht mitten auf die Gasse
und fängt euch da ein Schelten an,
dass man sein eigen Wort davor nicht hören kann.
Es sollte aber dieses Schelten -
wem meint ihr wohl? - dem Monde gelten;
und der hat ihm doch nichts getan.
Er schalt ihn aber Bärenhäuter!
Ochs, Esel, Schlingel! Und so weiter.
Der Mond - nicht wahr, der schalt doch wieder? -
O nein! Sah lächelnd auf den Mops hernieder,
und fuhr, als ging‘s ihn gar nicht an,
lustwandelnd fort auf seiner Himmelsbahn;
und wird seitdem, wie jedermann bekannt,
doch immer Mond, nie Ochs, genannt.

Joachim Heinrich Campe

Sonntag, 10. Oktober 2010

Der Ackermann und der Affe






Ackermann:
Was gaffst du, Affe, so mich an?
Affe:
Gelt, Freund, du bist ein Bauersmann?
Ackermann:
Zu dienen; und wer bist denn du?
Affe:
Ein Aff und süßer dazu.
Ackermann:
Ist eins so lang wie’s andre breit;
habt in der Stadt wohl Festtag heut?
Affe:
Für Affen und für feine Leut
geht jeder Tag wie Festtag hin.
Ackermann:
gut, gut, daß ich ein Bauer bin!

Johann Heinrich Campe
Texte zum Bilder-Abeze

Donnerstag, 14. Januar 2010

Der Kater und das Katerchen



Foto: Anja Stiller

Es war einmal ein kleiner Kater,
der knurrte täglich sehr;
da sprach zu ihm sein alter Vater:
Komm, Söhnchen einmal her!
Und als das Söhnchen zu ihm kam,
der Vater einen Maulkorb nahm
und steckt ihm Nas und Maul hinein,
auf daß er lernte freundlich sein
und knurrte künftig nicht so sehr.
Da ging er sehr betrübt einher
und knurrte ferner gar nicht mehr.

Und jeder merke sich die Lehr;
sonst kommt des kleinen Katers Vater
und tut ihm wie dem kleinen Kater.



Johann Heinrich Campe