Posts mit dem Label Schmetterlinge werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Schmetterlinge werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 31. Juli 2015

Der Schmetterling und die Biene


Ein bunter Schmetterling wiegte sich stolz auf einer Blume. Eine Biene flog auch dahin, um Honig zu sammeln. Der Schmetterling blickte sie mit Verachtung an, und sagte:

»Du haariges Ding! du wagst es, mir an der Seite zu stehen. Sieh, wie meine Flügel glänzen; jedermann hascht nach mir.« – »Jedermann hascht nach dir?« versetzte die Biene: »ich sehe nur Kinder nach dir laufen. Du glänzest zwar; ich aber arbeite. Komm’ in mein Haus, schau meine Arbeit, und verachte mich nicht mehr.« Der Schmetterling schwieg und flog davon.


Diese Fabel ist für euch, ihr Herrchen! die ihr nur die Geschicklichkeit besitzet, von Toilette zu Toilette, wie Schmetterlinge, zu flattern.

Joseph Kraus
Fabeln für unsre Zeiten und Sitten
Erstes Bändchen
Strasburg und Mainz, 1801

Mittwoch, 29. April 2015

Zitronenfalter im April



Grausame Frühlingssonne,
Du weckst mich vor der Zeit,
Dem nur in Maienwonne
Die zarte Kost gedeiht!
Ist nicht ein liebes Mädchen hier,
Das auf der Rosenlippe mir
Ein Tröpfchen Honig beut,
So muss ich jämmerlich vergehn
Und wird der Mai mich nimmer sehn
In meinem gelben Kleid.


Eduard Mörike (1804-1875)

Freitag, 17. April 2015

Der Schmetterlingsfang


Der kleine Wilhelm hüpfte an einem frühen Sommermorgen in den garten seines Vaters, um von dem Blumenbeet, welches ihm eigen gehörte, einen Strauß von Nelken und Levkojen zu pflücken, der Mutter zum Geschenk. Denn es war ihr Geburtstag.
Als er nun in den Garten kam, erblickte er einen schönen Sommervogel, der hin und her flatterte. Da vergaß der Knabe Mutter und Blumen, und wollte das Vöglein erhaschen.
Anfangs verfolgt’ er es gebückt und mit leisen Schritten, um es unversehens zu ergreifen, aber mit jedem Schritt wuchs seine Begierde, um das Vöglein dünkte ihm schöner an Fittich und Farben, je mehr es sich entfernte. – Endlich ließ er sich nieder und setzte sich auf ein kleines Obstbäumchen, welches seine ersten Blüthen trug. Dieses aber stand neben dem Blumenbeet, das ihm eigen gehörte, und auch das Bäumchen hatte der Vater ihm geschenkt. Darum, und weil es so klein war und eine schöne Krone trug, liebte der Knabe es sehr.
Als er nun das Sommervöglein auf der Blüthe sitzend erblickte, sprang er eilends hinzu und schlug mit seinem Hut so heftig nach dem Sommervogel auf dem Bäumchen, daß alle Blüthen hernieder fielen und zwei Aeste herabgerissen wurden.
Da sah er bestürzt vor sich nieder zu seinen Füßen, wohin die Zweige gefallen waren, und ward gewahr, daß er auch alle seine Hyacinthen, Levkojen und Nelken zertreten hatte, und der Sommervogel lag todt und zerrissen zu seinen Füßen.
Da kehrte Wilhelm weinend und wehklagend nach Hause zurück, ohne Schmetterling und Blumen – ein Bild leidenschaftlicher Sinnlichkeit, die nach Freuden haschte.

Parabeln von 
Dr. Friedrich Adolph Krummacher
Essen, 1829

Mittwoch, 7. September 2011

Schmetterling


O Schmetterling sprich,
was fliehest du mich?
warum doch so eilig, 
jetzt fern und dann nah!

Jetzt fern und dann nah,
jetzt hier und dann da. -- 
ich will dich nicht haschen
ich tu dir kein Leid.

Ich tu dir kein Leid:
o bleib allezeit! 
und wär ich ein Blümchen,
so spräch ich zu dir.

So spräch ich zu dir: 
komm, komm doch zu mir!
ich schenk dir mein Herzchen,
wie gut bin ich dir!

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben
(1798-1874)
Vertonung: Robert A. Schumann
(1810-1856), op. 79 no. 2.


Freitag, 26. März 2010

… heißen auch Feuergeister der Fabellehre Salamander


Salamander, auch Molch, Feuermolch, eine Familie des Eidechsengeschlechts, die wieder in vier Gattungen zerfällt. Sie sind ohnefähr eine Spanne lang, einen Daumen dick, gewöhnlich schwarz und gelb gefleckt, und halten sich an dunkeln, schattigen Orten auf. Die sämmtlichen hieher gehörigen Thiere sind durchaus unschädlich, und keineswegs giftig. Die Sage, daß der Salamander im Feuer nicht verbrenne, ist unwahr. Wenn er geängstigt wird, dringt aus seinem Munde und seiner warzigen Haut eine milchichte Feuchtigkeit, die ihn wohl auf einige Minuten gegen ein schwaches Kohlenfeuer schützen kann, aber einem heftigen oder anhaltendem Feuer kann er keineswegs widerstehn. Bei den Alten war er Symbol des Feuers. Daher heißen auch die Feuergeister der Fabellehre Salamander, die als Genien mit feuerfarbenen Schmetterlingsflügeln vorgestellt werden.

Allgemeine deutsche Real-Encyclopädie für die gebildeten Stände
Conversations-Lexicon in zehn Bänden
Achter Band, S. 568
Leipzig, Brockhaus, 1820

Donnerstag, 25. März 2010

Schmetterlinge im Taubertal

Seit gestern gibt es einen neuen Blog, den ich zumindest bis in den Herbst fortführen will, bis kein Schmetterling mehr fliegt.

Donnerstag, 24. September 2009

Der Schröter, die Schnecke und der Molkendieb


Ein Schröter *), der mit einer Schnecke
Im Schatten einer Weißdornhecke
Spatzieren kroch, gerieth mit ihr
In Streit, und zwar der Hörner wegen.
Kaum trägt ein junger Offizier
So stolz den neuen Troddeldegen
Als Junker Schröter sein Geweih.
Der Hirsch, dem wir am meisten gleichen,
Sprach er, muß ohne Prahlerey,
Mit seinem Kopfputz meinem weichen:
Er dienet mir, du weist es schon,
Zur Hand und wie dem Krebs zur Scheere,
Im Krieg zum Schutz und Trutzgewehre,
Und.... Alles gut, mein lieber Sohn,
Und doch möcht ich mit dir nicht tauschen;
Auf meinen Hörnern hat die Macht
Des Zevs zwey Augen angebracht,
Wodurch ich die Gefahr belauschen,
Und die ich, rückt der Feind heran,
Schnell, wie mich selbst, verbergen kann.
So sprach die Schnecke. Junker Schröter
Bestieg noch einmal den Katheder;
Allein das Lied des Schaalthiers blieb
Noch immer auf der alten Weise.
Ein Amor, der auf einer Reise
Als Schmetterling sein Wesen trieb,
Und sich, um auszuruhn, ins Grüne
Herabließ, mußte Schiedsmann seyn.
Ich, sprach er mit gelehrter Miene,
Bin für die Hörner, die man sein
Verbergen kann; doch dächt ich wären
Die Augen füglich zu entbehren.
Ey, rief die Schnecke, Freund, wie so?
Allein der kleine Schelm entfloh,
Anstatt das Räthsel aufzuklären.

*) Hirschkäfer
Gottlieb Konrad Pfeffel

Montag, 17. August 2009

Der Schmetterling und die Schnecke


Ein und zwanzigste Fabel

»Elende!« sagte ein glänzender Schmetterling zu einer Schnecke: »Wie kannst du es wagen, mir unter die Augen zu kommen«.
»Stolzer Wicht!« antwortete die Schnecke: »Vor einer Stunde warest du noch ein unförmlicher Klumpen. Ich habe mein Haus, ich lebe in meinem Eigenthum, ich bin mit wenigem zufrieden. Du hast weder Heimath noch Obdach, du lebst durch die Gnade der Blumen, um ihnen zu schaden.«

Elende Parvenus die ihr verächtlich auf den fleißigen Bürger, auf den arbeitsamen Landmann herabseht; die Fabel ist für euch!

Christian August Fischer
Politische Fabeln
Königsberg 1796

Mittwoch, 15. Juli 2009

Im Kirchhof zu Ragaz Niedergeschriebenes


Falter, über die Kirchhof-Mauer
Herübergeworfen vom Wind,
trinkend aus den Blumen der Trauer,
die vielleicht unerschöpflicher sind ...

Falter, der das geopferte Blühen,
das nachdenklicher geschieht,
in das unbedingte Bemühen
aller Gärten einbezieht.

Rainer Maria Rilke

Dienstag, 14. Juli 2009

Der lehrende Schmetterling


Als ich, im Garten, jüngst durch dicke Erlen gieng,
Und mit geöffneter, drauf schnell geschloss'ner Hand,
Ein Sommer-Vögelchen, das flatternd floge, fieng;
Erstarrete mein Aug', es stutzte der Verstand,
Da ich dasselbige so schön, so Wunderschön,
So herrlich ausgeziert, so reich an Farben, fand.

Gewiß man kann nichts schöners sehn:
Sein Roth beschämt den funckelnden Carmin,
Es sticht sein Blau Sapphir und Lasul aus,
Es reichet an sein Grün kein Grün,
Wenn's gleich auf Silber liegt; und kurtz: kein Bluhmen-Straus,
Kein wiederscheinender beaugter Pfauen-Schwantz
Hat solchen holden Schmuck, hat so viel Glantz.

Ja, was mich vor Vergnügen fast erschreckte,
War, als ich deutlich, hell und rein
Fünf, acht und neun,
In netten Ziefern, drauf entdeckte.
Ich dachte, was in dieser Zahl
Doch wohl für ein Geheimniß steckte;
Schloß aber, wie schon oftermahl:

GOTT hat uns Menschen werden lassen,
Ihn zu bewundern nur, nicht aber Ihn zu fassen.

Drauf schenckt' ich ihm die Freyheit wieder,
Und sprach, mit Andachtsvollem Sinn:
Flieg, liebstes Vögelchen, flieg, schönstes Thierchen, hin!
Breit aus dein lehrendes Gefieder,
Und laß der gantz verblendten Welt,
Die Leidenschaften bloß für ihre Götzen hält,
Die zwar verborgene, doch unleugbare Spur
Vom all-erfüllenden, allmächt'gen Wunder-Wesen,
Als auf zwey Blätterchen des Buchs der Creatur,
In bunter Schrift, auf deinen Flügeln, lesen.

Barthold Heinrich Brockes

Mittwoch, 3. Juni 2009

Raupe und Schmetterling


Es wundert dich, dass ein so garstig Ding,
als eine Raupe ist, zum schönsten Schmetterling
in wenigen Wochen wird - mich wundert's nicht,
denn wiss', auch manche Schöne kriecht
als Raupe morgens aus dem Bette
und kömmt' als Schmetterling von der Toilette …

Freitag, 29. Mai 2009

Der Schmetterling und die Biene


Wärs Wetter schön,
Sprach einst ein Sommervogel;
Wärs Wetter schön, ich wollte
Zur Rose buhlen gehn.
Und ich, versetzt die weise Biene,
Gieng an die Arbeit in das Grüne,
Wärs Wetter schön!

Nicolaus Götz
Stuttgart 1893


Donnerstag, 28. Mai 2009

Psyche (gr.; Seele)


Die Griechische Mythologie erzählt von einer Psyche folgende Fabel, die den alten und neuern Schriftstellern, besonders den Dichtern, Stoff zu vortrefflichen Fictionen gegeben hat. Psyche war eine Königstochter, die jüngste und schönste von drei Schwestern. Venus, eifersüchtig auf ihre Reitze, befahl dem Amor, sie in den häßlichsten Menschen verliebt zu machen; allein der Liebesgott gewann sie selbst lieb, ließ sie von dem Gipfel eines Berges durch angenehme Zephyre in ein herrliches Lustgefilde entführen, wo sie jede Vergnügung der Sinne genoß, und besuchte sie unerkannt alle Nächte. Sehnsucht nach ihren beiden Schwestern verleitete sie, ihren Liebhaber, den sie noch nie gesehen hatte, um die Herbeiführung derselben zu bitten; sie fand Gehör. Die Schwestern schilderten ihr den unbekannten Liebhaber als ein gräßliches Ungeheuer, und gaben ihr ein scharfes Messer, um ihn zu morden, und eine verborgne Lampe, um die That desto sicherer auszuführen. Sobald Amor in der nächsten Nacht neben ihr eingeschlafen war, zog sie das Messer und zugleich die Lampe hervor; allein aus plötzlichem Erstaunen über seine Schönheit ließ sie, da sie in ihm den Gott der Liebe erkannte, das Messer sinken. Ein Tropfen heißes Oehl fiel aus der Lampe auf Amors Schultern; er erwachte, sah das Messer, warf ihr ihre Untreue vor, und entfloh ihren Umarmungen Psyche suchte ihn überall, selbst im Tempel der Venus, die, voll von hämischer Freude, sie nun in ihrer Gewalt zu haben, ihr eine Menge schwerer Arbeiten und Plagen auflegte, und sie sogar in das Unterreich hinabzusteigen zwang. Durch Zauberei ihres noch immer getreuen Geliebten kam sie glücklich wieder herauf. Amor bat den Jupiter fußfällig um Endigung ihrer Leiden, und erhielt von ihm die Erlaubniß, daß sie unsterblich gemacht und im Himmel mit ihm vermählt werden sollte. Venus selbst ensagte ihrem Zorn, eröffnete in eigner Person den Hochzeittanz; und die Götter feierten ein prächtiges Fest der Freude. – Psyche wird als ein schönes Mädchen mit Schmetterlingsflügeln gebildet. Uebrigens ist leicht zu bemerken, daß der dichterisch gedachte Begriff der Seele und der Unsterblichkeit, verbunden mit einer andern Bedeutung des Worts Psyche, in welcher es ein Schmetterling heißt, mit dieser Fabel in Verbindung stehe.

Brockhaus Conversations-Lexikon Bd. 3.
Amsterdam 1809, S. 497-498.

Auch die Fabel der Alten …


Auch die Fabel der Alten, das schöne Bild geistiger Verklärung, der Psyche-Schmetterling, genügte ihr nicht. Die Raupe ist geflügelt worden, hat ihre Farben gesteigert, ihre Formen entwickelt und hinterläßt die Larve, wie eine Blume ihre Knospenkapsel, aber des Menschen Leib verwelkt und bricht endlich ganz und gar zusammen, ihm entsteigt keine sichtbar veredelte und doch seiner Urform verwandte Gestalt. Ich glaube an die Fortdauer, eben darum graust mir vor den unlösbaren Räthseln des Todes.

Adele Schopenhauer
aus: Anna (Roman)
Theil 1–2, Band 2
Leipzig 1845.

Donnerstag, 16. April 2009

Der Schmetterling und die Biene


Die Biene ließ den Schmetterling
Einst, ihre fetten Speicher sehen.
Schön, rief der bunte Gast; doch muß ich dir gestehen
Ich tauschte nicht mit dir. »Warum nicht, dummes Ding,
Was hast denn du? Laß sehn, wir wollen inventiren!
Ich hab ein volles Haus.«.... und ich – nichts zu verlieren.

Gottlieb Konrad Pfeffel

Donnerstag, 9. April 2009

Flattermann-Casting

Zum gestrigen Posting:

Silke schrieb:

»Das Bild ist ja genial!!!«

Meine Antwort:

»Aber - es ist gestellt :-|

Ich habe dem (schon etwas heruntergekommenen) Perlmuttfalter etwas vergorenen Honigsaft versprochen, wenn er sich für das Foto da mal hinsetzt. Der alte Schluckspecht hat das gemacht und ist nachher vollgetankt abgezogen und gleich den jungen hübschen Dingern hinterhergeflattert :-)«

Dienstag, 7. April 2009

Schmetterling


»Schmetterling, kommst du schon wieder
Mit deinem bunten Gefieder,
Flatterst mir immer näher ans Licht?
Vögelchen, armes hörst du nicht?
Wirst dir die schönen Flügel verderben,
Wirst dich verbrennen und elend sterben.«

Dem Kinde, tat's um den Vogel leid,
Es fing ihn noch eben zur rechten Zeit
Es setzt' ihn zum Fenster hinaus ganz sacht
Da war's ihm erst frostig die ganze Nacht,
Doch am Morgen die Sonne schien rein und hell,
Da regt' er sich, flatterte fort gar schnell.

Wilhelm Hey

Montag, 6. April 2009

Der Schmetterling und die Biene


Ein Schmetterling und eine Biene flogen
Zugleich auf eine Blum', und sogen,
Die Biene Honig! Was der Schmetterling?

Was saugst denn du, du buntes Ding?
Wollt' ich den kleinen Flattrer fragen,
Allein er flog davon; die Biene blieb und sog.

Kannst du, du Fleißige, fragt' ich die Biene, sagen,
Ob dieser Schmetterling, der eben weiter flog,
Auch Honig aus der Blume sog?

Ja! Honig! aber nur für seinen lieben Magen!

Johann Wilhelm Ludwig Gleim

Sonntag, 5. April 2009

Der Adler und der Schmetterling


Ein Sonnenadler, den sein Flug
Bis an die höchsten Wolken trug,
Ward durch den Wald von tausend Zugen
Als aller Vögel Fürst besungen.
Lob zeigt den Neid, ein Schmetterling,
Ein kleines, aber stolzes Ding
Vermaß sich ohne Scheu dem Adler gleich zu fliegen,
wo nicht, ihm annoch obzusiegen.

Der Adler nahm den Wettstreit an,
Als man ihm solches kund gethan,
Und ließ dem Wolkendiebe sagen,
Es morgen früh mit ihm zu wagen.
Der Adler war schon lange da,
Eh sein Bestreiter kam, der auf der kurzen Reise
auf manches Blümchen flog, und da und dorthin sah,
nach aller Schmettelringe Weise.
So kam er an, und gleich darauf
Erhob der Adler sich zu den sphgirnen Höhen,
Der kleine Harlekin rafft sich nun gleichfalls auf,
Und läßt die bunten Flügel gehen.

Allein er war nicht weit, als schon ein Wirbel kam,
Der ihn vor aller Augen nahm,
Und rücklings mit herunter brachte:
Es war kein Vogel, der nicht lachte.

***

Ihr kleinen Dichter, merkts, und wagt euch nicht zu viel
Gebietet eurer Eigenliebe;
Sonst gehts euch, wie dem Wolkendiebe,
Aus einem Bav wird kein Virgil

Magnus Gottfried Lichtwer

Freitag, 3. April 2009

Die Raupe und der Schmetterling


In einer grün bewachsnen Hecke
Sah einstens eine träge Schnecke,
Daß oben eine Raupe hing,
Die nun damit zum Werke gieng,
Sich nach Gewohnheit einzuspinnen, Ein anderer Leben zu beginnen.

Wie übel, sprach sie, geht es dir!
Du mußt dir selbst dein Grab bereiten,
Und kömmst, nach dir bestimmten Zeiten,
In anderer Gestalt herfür;
Dein erstes Wesen wird zerstöret,
so Farb als Bildung ändert sich;
Doch ich bin unveränderlich,
Und werde nicht, wie du verkehret;
Denn wenn ich mich auch gleich verstecke,
Verbleib ich doch stets eine Schnecke.

Freund! dieses ist ein falscher Wahn,
Ließ sich die Raupe drauf vernehmen;
Ich find unbillig, mich zu grämen;
Mein Tod gebiert mir neues Leben,
Und setzt mir leichte Flügel an,
Daß ich mich von der Erden heben
Und nach der Höhe schwingen kann;
Du aber bleibest für und für
Verächtlich an dem Staube kleben,
Und bist ein niederträchtig Thier;
Drum sieh, wie gütig und geneigt
Mein weises Schicksal mit mir handelt,
Da es mein Wesen so verwandelt,
Daß es verbessert aufwärts steigt.

***
Das Sterben bringt viel minder Schaden,
Als man aus Furcht zu glauben pflegt;
Wir werden von der Last entladen,
Die uns zur Erden niederschlägt;
Drum soll man sich darum nicht quälen,
Daß man nicht länger leben kann;
Der Tod setzt gleichsam unsern Seelen
Zur Ewigkeit die Flügel an.
______
Die alten Aegyptier, Griechen und andere Völker pflegten daher einen Schmetterling oder Zweyfalter, als ein Sinnbild der befreyten Seele, auf ihre Leichensteine und todtengefäße eingraben oder malen zu lassen, vermuthlich, weil im Griechischen ein Wort sowohl die Seele, als ein verwandelte Raupe oder Schmetterling bedeutet. Siehe etwas hiervon in des Spons Recherches curieuses d’Antiquite, am Ende, wo ich mich recht besinne. Demnach hat diese Fabel wirklich einigen Grund in der Antiquität.

Daniel Wilhelm Triller
Neue aesopische Fabeln