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Samstag, 13. Januar 2018
fabuloes als Buch
Nun gibt es »fabuloes« nicht nur als Blog, sondern auch als Buch und E-Book. Das Schönste aus den mehr als 1.300 Postings dieses Blogs themenorientiert zusammengestellt. Während der Blog nach wie vor gut zum stöbern ist, lädt das Buch zum schmökern ein. Natürlich wird der Blog weitergeführt. Fabeln, Parabeln und fabelhafte Beiträge gibt es noch genug.
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Sonntag, 18. November 2012
Doppelte Moral
Ein Wolf war in eine tiefe Grube gefallen. Er glaubte nichts anderes, als daß elendiglich umkommen müsse. Da kam in der höchsten Not eine Herde Schafe vorbei.
Der Wolf bat in den kläglichsten Tönen um Hilfe, und da er die Sittenstrenge und Frömmigkeit der Schafe kannte, hielt er ihnen vor, wie ungerecht es wäre, ein Leben verderben zu lassen, das man retten könne. Endlich erklärte er, wenn sie ihm aus der Grube helfen würden, dann verspreche er ihnen bei allem, was einem Wolfe heilig sei, nie mehr in seinem Leben ein Schaf zu fressen.
Durch dieses Versprechen ließen sich die Schafe betören und halfen dem Wolf aus der Grube.
Kaum war Meister Isegrim aber aus seinem Gefängnis befreit, da stürzte er auch schon trotz Versprechen und Schwur unter die Herde und griff sich ein junges Schaf heraus. Die übrigen suchten so rasch sie konnten dem wortbrüchigen Räuber zu entfliehen.
Das arme Opfer der Leichtgläubigkeit zitterte am ganzen Körper vor Angst und bat um sein Leben. Doch der Wolf blieb ungerührt.
In seiner Verzweiflung nahm das junge Schaf Zuflucht zu den Sittenlehren, in denen es von einem alten Hammel unterrichtet worden war.
„Weißt du nicht“, fragte es mit bebender Stimme, „daß es ein schwerer Frevel ist, ein Leben zu vernichten?“
„Nach dem Sittengesetz der Schafe“, war die spöttische Antwort.
„In der Grube hast du dich doch selbst auf dies Gesetz berufen und uns Freundschaft geschworen.“
„Da war ich auch in der Not und brauchte eure Hilfe.“
„Aber und kannst doch unmöglich zur Zeit der Not eine andere Moral haben als dann, wenn es dir gut geht, und nicht einen Vertrag jetzt beschwören, um ihn in der nächsten Minute zu brechen.“
Der Schafdieb grinste zynisch: „Von einem Wolf darfst du nicht verlangen, daß er nach den Grundsätzen der Schafe leben soll.“
„Es muß aber doch ein Sittengesetzt geben, von dem auch die Handlungen eines Wolfes geleitet werden“, ächzte das verzweifelte Schaf.
„Was ich tun darf und unterlassen muß wird nur von meiner Stärke und Bewegungsfreit bestimmt.“
„Das ist ja eine entsetzliche Moral!“
„Entsetzlich für Schafe“, sagte der blutgierige Räuber, „aber nicht für Wölfe!“
Und damit zerriß er das moralische Schaf und fraß es auf.
Der Wolf bat in den kläglichsten Tönen um Hilfe, und da er die Sittenstrenge und Frömmigkeit der Schafe kannte, hielt er ihnen vor, wie ungerecht es wäre, ein Leben verderben zu lassen, das man retten könne. Endlich erklärte er, wenn sie ihm aus der Grube helfen würden, dann verspreche er ihnen bei allem, was einem Wolfe heilig sei, nie mehr in seinem Leben ein Schaf zu fressen.
Durch dieses Versprechen ließen sich die Schafe betören und halfen dem Wolf aus der Grube.
Kaum war Meister Isegrim aber aus seinem Gefängnis befreit, da stürzte er auch schon trotz Versprechen und Schwur unter die Herde und griff sich ein junges Schaf heraus. Die übrigen suchten so rasch sie konnten dem wortbrüchigen Räuber zu entfliehen.
Das arme Opfer der Leichtgläubigkeit zitterte am ganzen Körper vor Angst und bat um sein Leben. Doch der Wolf blieb ungerührt.
In seiner Verzweiflung nahm das junge Schaf Zuflucht zu den Sittenlehren, in denen es von einem alten Hammel unterrichtet worden war.
„Weißt du nicht“, fragte es mit bebender Stimme, „daß es ein schwerer Frevel ist, ein Leben zu vernichten?“
„Nach dem Sittengesetz der Schafe“, war die spöttische Antwort.
„In der Grube hast du dich doch selbst auf dies Gesetz berufen und uns Freundschaft geschworen.“
„Da war ich auch in der Not und brauchte eure Hilfe.“
„Aber und kannst doch unmöglich zur Zeit der Not eine andere Moral haben als dann, wenn es dir gut geht, und nicht einen Vertrag jetzt beschwören, um ihn in der nächsten Minute zu brechen.“
Der Schafdieb grinste zynisch: „Von einem Wolf darfst du nicht verlangen, daß er nach den Grundsätzen der Schafe leben soll.“
„Es muß aber doch ein Sittengesetzt geben, von dem auch die Handlungen eines Wolfes geleitet werden“, ächzte das verzweifelte Schaf.
„Was ich tun darf und unterlassen muß wird nur von meiner Stärke und Bewegungsfreit bestimmt.“
„Das ist ja eine entsetzliche Moral!“
„Entsetzlich für Schafe“, sagte der blutgierige Räuber, „aber nicht für Wölfe!“
Und damit zerriß er das moralische Schaf und fraß es auf.
Felix Fechenbach
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Politische Fabel
Montag, 29. Oktober 2012
Die Kaufleute und die Katze
Als ostindsche Kaufleute ihre Waaren auf Kamehle luden, schlich sich eine Katze hin, – machte eine Buckel, und sagte:
„Sehe, ich habe auch einen Buckel, und kann Lasten tragen, wie die Kamehle.«
»Wir wollen sehen«, sprachen die Kaufleute, und legten ihr nur eine ganz leichte Last auf. – Allein der Katze war die Last zu schwer. Man nahm sie ihr wieder ab, und jagte sie davon.–
Dieß Loos verdienen alle Bücklinge, und Schwachköpfe, die vom Staate Aemter erschleichen.
„Sehe, ich habe auch einen Buckel, und kann Lasten tragen, wie die Kamehle.«
»Wir wollen sehen«, sprachen die Kaufleute, und legten ihr nur eine ganz leichte Last auf. – Allein der Katze war die Last zu schwer. Man nahm sie ihr wieder ab, und jagte sie davon.–
Dieß Loos verdienen alle Bücklinge, und Schwachköpfe, die vom Staate Aemter erschleichen.
Joseph Krause
Fabeln für unsre Zeiten und Sitten
Strasburg und Mainz, 1801
Fabeln für unsre Zeiten und Sitten
Strasburg und Mainz, 1801
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18./19. Jh.,
Joseph Krause,
Politische Fabel
Sonntag, 23. September 2012
Der Krieg zwischen den Leoparden und Tygern
Aus Brehms-Tierleben
Quelle: Wikipedia
Quelle: Wikipedia
Im Anfange des Monats Miriak ward im Walde ein sehr hohes Fest dem Waldgotte, Pan, zu Ehren , gefeyert. Auf diesem Feste fanden sich alle Arten der Thiere ein. Die Vornehmsten unter dieser versammleten Schaar waren ein Leopard und ein Tyger; jeder von ihnen war das Haupt seiner Nation. Beyde waren an diesem Tage in tiefer Trauer; denn der Leopard hatte seine Frau, der Tyger aber seinen Sohn verloren. Mitten unter der größten Feyerlichkeit ward die Sonne verfinstert. Da man dieses gewahr ward, und die anwesenden Thiere sehr darüber erschracken, bat sie der Tyger, nur alle Furcht, wegen eine bevorstehenden Unglücks, auf die Seite zu setzen; denn, sagte er: Die Sonne trauert über den Tod meines Sohnes, und weiter bedeutet diese Finsterniß nichts. Der Leopard hingegen meynte: diese Finsterniß geschähe wegen des Todesfalles, der in seinem Hause vorgegangen war. Dieses konnte der Tyger nicht leiden, und daher fragte er den Leoparden, was er sich wohl einbildete? Der Leopard, der eine eben so niederträchtige Ambition besaß, blieb auf seiner Meynung, und gab eine harte Gegenantwort. Kurz: Ein Wort gab das andere, bis endlich alles dadurch in Feuer und Flammen gerieth. Die ganze Schaar der Thiere nahm die Flucht, und die streitenden Partheyen droheten einander mit einem offenbaren Kriege, welcher sich auch sofort anfieng.
Menge von allerhand Thieren erhielt Befehl, im Felde zu erscheinen, oder sie ward auch gegen Besoldung angeworben. Die Vögel hingegen wollten sich in diese Sache nicht mischen denn, obschon der Adler von beyden Partheyen um Beystanmd ersucht ward, so wollte er doch keinem Vogel erlauben, sich zu der einen oder zu der andern Parthey zu schlagen; er erklärte sich also im Namen der ganzen fliegenden Nation, neutral zu bleiben. Von denen kriechenden Thieren wollten die Fischotter und der Seehund auch nichts damit zu thun haben; denn da der Krieg blos zu Lande geführt ward, diese sich aber meistens im Wasser aufhielten, so sagten sie: sie gehörten unter den See-Stat. Nachdem der Krieg eine Zeitlang mit grosser Hitze war geführt worden, ward endlich nach vielem Blutvergiessen der Friede folgendergestalt geschlossen: Eine jede derer streitenden Partheyen sollte bey ihrer Meynung bleiben, und alles sollte wieder in den Stand gesetzet werden, in welchem es vor dem Kriege war.
Diese Fabel lehret, daß die heftigsten Zwistigkeiten oft aus Kleinigkeiten entstehen, an denen gar nichts gelegen ist; ingleichen, daß die blutigsten Kriege, die unter denen Menschen geführet werden, auf eben diese Art geendigt werden. man führet also Krieg blos darum, um Krieg zu führen.
Moralische Fabeln
mit beygefügten Erklärungen einer jeden Fabel
Aus dem Dänischen des Herrn Barons von Holberg übersetzt durch J.A.S.K.D.
Kopenahgen: Mumme, 1761
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Politische Fabel
Freitag, 3. August 2012
Die Fabel von Bär und Luchs
Den Bär begleitete ein Luchs als Jagdgefährte –
ein Bündnis, das sich bald aufs trefflichste bewährte.
Sie fingen eine Geiß. Der Bär zerlegt in Eile
die schöne Beute in zwei nicht ganz gleiche Teile:
hier lag ein Hinterbein und dort der Rumpf der Ziege.
»Schlecht abgemessen,« sprach der Bär; »doch diesmal kriege
ich wohl den größeren Teil, weil größer ist mein Magen,
das nächstemal darfst du zerteilen, was wir jagen.«
Der Luchs begnügte sich verdrossen mit dem Beine
und dachte: warte nur, ich kriege schon das Meine!
Am nächsten Tage fiel dem Paar ein Reh zur Beute.
Der Luchs zerlegte es – das war sein Recht für heute.
Wie tags zuvor der Bär, so riß er eine Keule
vom frischen Wildbret los und sprach: »Hier sind zwei Teile,
ich hab‘ mich gestern mit dem kleineren beschieden…«
»Schön,« sprach der Bär, »ich bin’s auch ferner so zufrieden« –
und fraß den Riesenteil. Der Luchs hat unterdessen
verdutzt und sprachlos auf dem Hintern dagesessen.
Was wundert sich der Luchs? – er hat wohl nie gesehen,
wie bei den Menschen oft Gesetz und Recht entstehen.
Theodor Etzel
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Sonntag, 29. Juli 2012
Was ich selber tu, trau ich andern zu
Die Nachtigall saß in einem Garten und sang ihr Lied den Menschen zur Freude. Da kam die Elster und wollte wissen, warum die Nachtigall singe.
»Weil ich die Menschen damit erfreue«, sagte die kleine Sängerin.
»Und warum willst du sie erfreuen?« forschte die Elster weiter.
»Weil es gut ist, anderen Freude zu machen.«
»Aber warum tust du das Gute?«
»Um des Guten willen«, war die einfache Antwort der arglosen Nachtigall.
Da lachte die Elster höhnisch auf.
»Um des Guten willen!« äffte sie krächzend nach. »Um des Goldes willen singst du den menschen. Bestochen bist du, bestochen mit dem Golde der Menschen!«
Die Nachtigall würdigte die Verleumderin keiner Antwort und wandte ihr nur verächtlich den Rücken.
Die geschwätzige Elster aber eilte, ihren Schwerstern die große Neuigkeit zu erzählen, daß sich die Nachtigall von den Menschen habe bestechen lassen. Und weil die Elstern und alle, die ihnen verwandt sind, nichts ohne eigenen Vorteil unternehmen, so konnten sie sich in ihrer gemeinen Denkungsart auch gar nicht vorstellen, daß es einen Vogel gebe, der aus anderen als eigennützigen Motiven handle.
Sie hielten es deshalb für ausgemacht, daß die Nachtigall von den Menschen bestochen sein müsse; und sie verbreiteten diese Mär unter allen Vögeln.
Die Nachtigall aber ließ die Elstern schwätzen und sang ihr Lied den Menschen zur Freude…
»Weil ich die Menschen damit erfreue«, sagte die kleine Sängerin.
»Und warum willst du sie erfreuen?« forschte die Elster weiter.
»Weil es gut ist, anderen Freude zu machen.«
»Aber warum tust du das Gute?«
»Um des Guten willen«, war die einfache Antwort der arglosen Nachtigall.
Da lachte die Elster höhnisch auf.
»Um des Guten willen!« äffte sie krächzend nach. »Um des Goldes willen singst du den menschen. Bestochen bist du, bestochen mit dem Golde der Menschen!«
Die Nachtigall würdigte die Verleumderin keiner Antwort und wandte ihr nur verächtlich den Rücken.
Die geschwätzige Elster aber eilte, ihren Schwerstern die große Neuigkeit zu erzählen, daß sich die Nachtigall von den Menschen habe bestechen lassen. Und weil die Elstern und alle, die ihnen verwandt sind, nichts ohne eigenen Vorteil unternehmen, so konnten sie sich in ihrer gemeinen Denkungsart auch gar nicht vorstellen, daß es einen Vogel gebe, der aus anderen als eigennützigen Motiven handle.
Sie hielten es deshalb für ausgemacht, daß die Nachtigall von den Menschen bestochen sein müsse; und sie verbreiteten diese Mär unter allen Vögeln.
Die Nachtigall aber ließ die Elstern schwätzen und sang ihr Lied den Menschen zur Freude…
aus: Mein Herz schlägt weiter
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20. Jh.,
Felix Fechenbach,
Politische Fabel
Freitag, 6. April 2012
Das Wiesel, die Katze und das Kaninchen
Sechzehnte Fabel
Ein junges Kaninchen war aus seiner Höhle gegangen. Bey seiner Zurückkunft fand es ein Wiesel darin, das sich derselben bemächtigt hatte. „Heraus mit dir!“ – war die Anrede: – „Die Höhle ist mein! Du hast sie usurpiert! Du hast sie widerrechtlich eingenommen! Heraus mit dir!“ –
Das Wiesel antwortete; und es erhob sich ein heftiger Streit über die beiderseitigen Rechte. – „Ich habe sie entdeckt, ich habe sie unbewohnt gefunden; also gehört sie mir!“ – Nach langen Zanken beschlossen sie endlich, eine alte Katze, die in der Nähe wohnte, zur Schiedsrichterinn zu nehmen.
Sie kommen an, sie tragen ihre Sache vor. – „Tretet doch ein wenig näher!“ – hieß es: „Ich bin zu alt, ich höre nicht gut!“ – Die Parteien vermuteten nichts arges, als die Katze auf sie sprang, und mit beider Tode die Streitigkeit beendigte.
Geschichte gewisser Kolonien, und gewisser kleinen Republiken!
Christian August Fischer
Politische Fabeln, 1796
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Politische Fabel
Dienstag, 3. April 2012
Die Fabel von der Ameise und der Grille
Sascha Lobo liefert auf Spiegel Online eine ganz eigene Interpretation der äsopschen Fabel von der Ameise und der Grille.
Mittwoch, 1. Februar 2012
Der Krieg der Tiere
Die Raubtiere hatten mit den Raubvögeln einen heftigen Streit, der dazu führte, dass der Löwe, der König der Vierfüßler, dem Adler, dem Beherrscher der Lüfte, den Krieg erklärte.
Boten mussten im ganzen Tierreich alle Streitkräfte zusammenrufen. Die frei lebenden Tiere folgten auch willig dem Aufgebot. Die Haustiere aber erklärten, dass sie sich dem Heerzug nicht anschließen könnten, weil sie nicht gegen ihre Kameraden, die Hühner, Gänse und Enten, kämpfen wollten, die sicher auf der Seite des Adlers stehen würden, wenn die Haustiere für den Löwen Partei ergreifen. Außerdem aber seien sie bisher von den Raubtieren stets verfolgt und verachtet worden, sodass sie gar keinen Grund sähen, sich für die egoistischen Interessen der Raubtiere einzusetzen.
Als dem Löwen dies hinterbracht wurde, hielt er im Kreise der Raubtiere eine große Rede und setzte auseinander, dass es sich bei dem bevorstehenden Kampf nicht um Raubtierinteressen handle. Es gehe vielmehr um die höchsten Tierheitsideale, ja, um Sein oder Nichtsein des ganzen Tierreichs. Und er schloss mit dem großmütigen Satz:
„Angesichts dieses schweren Ringens kenne ich keine Raubtiere und keine Haustiere mehr. Ich kenne nur noch Tiere!“
Das blieb nicht ohne Wirkung auf die Haustiere. Sie machten sich in ihrer Mehrzahl die Gedankengänge des Löwen zu Eigen und glaubten jetzt wirklich, dass es nicht um die selbstsüchtigen Interessen Einzelner gehe. Sie erklärten, ihre hohe Vierfüßlerkultur sei von der niedrigen Kultur der Raubvögel bedroht. Da müssten sie alles Trennende zurückstellen und wahr machen, was sie immer gesagt hatten: „In der Stunde der Not lassen wir das Tierreich nicht im Stich!“
Und so kam es, dass die Haustiere zusammen mit ihren schlimmsten Verfolgern, dem Löwen und den übrigen Raubtieren, gegen ihre bisherigen Kameraden, die Hühner, Gänse und Enten, kämpften, die sich dem Heer der Raubvögel angeschlossen hatten.
Als der Krieg zu Ende war, erinnerten die Haustiere den Löwen an sein Versprechen, dass er keinen Unterschied mehr machen wolle zwischen Raubtieren und Haustieren. Aber der Löwe und seine Räte lachten die Abgesandten der Haustiere ob ihrer Naivität weidlich aus und erklärten, dass dieses Versprechen nur für die Zeit der Not Geltung gehabt habe. Sie dächten gar nicht daran, ihre bevorzugte Stellung im Tierreich aufzugeben. „Übrigens“, so erklärten die Raubtiere zum Schluss, „wenn wir Hunger haben, werden wir euch, wie vor dem Krieg, wieder auffressen!“ Und so geschah es auch.
Geboren 1894 in Bad Mergentheim. Sekretär des bayerischen Ministerpräsidenten Kurt Eisner (1918-19). Auf Grund eines Willkürurteils 1922 - 1924 Zuchthaus. 1925 - 29 tätig für verschiedene Verlage und Zeitungen, leitete seit 1929 die Detmolder SPD-Zeitung. 1933 beim Transport in ein KZ ermordet.
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Samstag, 28. Januar 2012
Der Esel und der Fabeldichter
„Herr!“ sagte ein Esel zu einem Fabeldichter, „wenn ich in deinem Buche wieder eine Rolle spielen muß, so laß mich Dach auch etwas Vernünftiges reden.“
„Sage deinem Treiber,“ versetzte der Fabeldichter; „er soll dich zuerst vernünftig denken lehren, dann werde ich dich auch vernünftig sprechen lassen.“
„Das thut er nicht,“ sprach der Esel; „denn er behauptet, wenn ich anfange zu denken, so höre ich auf, Disteln zu fressen, Lasten zu tragen, und Gehorsam zu leisten.“
Dies behaupten auch die Despoten des Landmanns, wenn von Schulenverbesserung die Rede ist.
„Sage deinem Treiber,“ versetzte der Fabeldichter; „er soll dich zuerst vernünftig denken lehren, dann werde ich dich auch vernünftig sprechen lassen.“
„Das thut er nicht,“ sprach der Esel; „denn er behauptet, wenn ich anfange zu denken, so höre ich auf, Disteln zu fressen, Lasten zu tragen, und Gehorsam zu leisten.“
Dies behaupten auch die Despoten des Landmanns, wenn von Schulenverbesserung die Rede ist.
Joseph Krause
Fabeln für unsre Zeiten und Sitten
Strasburg und Mainz, 1801
Fabeln für unsre Zeiten und Sitten
Strasburg und Mainz, 1801
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Politische Fabel
Samstag, 5. November 2011
Der Adler und der Zaunkönig
Ein Zaunkönig ließ von ohngefähr etwas von seinem Kote auf einen Adler fallen. Entrüstet flog der königliche Vogel zum Jupiter. – »Räche mich, Vater der Götter!« – rief er: »Räche mich mich an diesem Elenden! Vertilge sein ganzes Geschlecht von der Erde!« –
»Aber,« sagte Jupiter gelassen zu dem Günstling: » – »Ist er nicht auch mein Geschöpf?« –
Geschichte gewisser Verordnungen! – Favoriten! Ihr seid nicht die Nation!
»Aber,« sagte Jupiter gelassen zu dem Günstling: » – »Ist er nicht auch mein Geschöpf?« –
Geschichte gewisser Verordnungen! – Favoriten! Ihr seid nicht die Nation!
Christian August Fischer
aus: Politische Fabeln
Königsberg, 1796
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Politische Fabel
Donnerstag, 20. Oktober 2011
Ein Mittel, bei Hofe alt zu werden
An Höfen fällt es schwer, das Alter zu erreichen,
Das mancher schlechter Greis in niedern Hütten fand.
Dort wird der Glücklichste, nach kurzen Gnadenzeichen,
Mit Titeln wohl versorgt, oft plötzlich weggebannt.
Ein Alter hatte doch die meisten Lebensjahre
An seines Fürsten Hof ersprießlich zugebracht,
Und seinen ersten Bart und seine grauen Haare
Zu Zeugen frühen Ruhms und langer Gunst gemacht.
Der ward: wie dieses ihm so meisterlich gelungen,
Was tausend sonst verfehlt? einst insgeheim befragt.
Er sprach: Ich habe stets, auch für Beleidigungen,
Den Feinden meines Glücks gelassen Dank gesagt.
Das mancher schlechter Greis in niedern Hütten fand.
Dort wird der Glücklichste, nach kurzen Gnadenzeichen,
Mit Titeln wohl versorgt, oft plötzlich weggebannt.
Ein Alter hatte doch die meisten Lebensjahre
An seines Fürsten Hof ersprießlich zugebracht,
Und seinen ersten Bart und seine grauen Haare
Zu Zeugen frühen Ruhms und langer Gunst gemacht.
Der ward: wie dieses ihm so meisterlich gelungen,
Was tausend sonst verfehlt? einst insgeheim befragt.
Er sprach: Ich habe stets, auch für Beleidigungen,
Den Feinden meines Glücks gelassen Dank gesagt.
Friedrich von Hagedorn
aus: Fabeln und Erzählungen
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Freitag, 2. September 2011
Parabel
Georg Herweg
(1817-1875)
Bildquelle: Wikipedia
Erlaubt mir, daß ich 'mal berichte
Euch eine alberne Geschichte:
Sie kommt mir eben in den Sinn,
Geduld ist deutsch, drum nehmt sie hin.
Euch eine alberne Geschichte:
Sie kommt mir eben in den Sinn,
Geduld ist deutsch, drum nehmt sie hin.
War eine brave, brave Frau,
Die nahm's im Dienste wohl genau,
Und macht', so brav sie auch gewesen,
Doch niemals vieles Federlesen.
Die Frau hatt' einen muntern Hahn,
Der kräht' ihr stets den Morgen an,
Und war nach seiner Hahn-Natur
Für sie die allerbeste Uhr.
Sobald den Tag er angesagt,
Da weckt' die Frau die faule Magd,
Was unsre Magd gar schwer verdroß,
Daß sie im Grimme einst beschloß,
Dem Vogel zu stutzen seine Schwingen
Und, meld' ich's kurz, ihn umzubringen.
Es war gedacht, es war getan,
Die Götter bekamen einen Hahn.
Was aber hat die Magd gewonnen?
Die sonst geweckt ward mit der Sonnen,
Ward nun geweckt um Mitternacht,
Nachdem den Hahn sie umgebracht.
Ach! sprach die Magd, die schwer Betörte,
Wenn ich den Hahn doch krähen hörte!
Sein Krähen hat so schön geklungen,
Als hätt' eine Nachtigall gesungen.
»Und nun der Witz? wir bitten dich!«
Ihr kennt die Frau so gut wie ich;
Sie ist die schönste weit und breit,
Ihr Anblick die volle Seligkeit.
Ihr kennt wohl auch des Nachbars Hahn,
Dem ihr soviel zuleid getan;
Und wenn ihr mich nach dem Dritten fragt:
»Du, deutsches Volk, du bist die Magd!«
Doch wenn ihr den Hahn auch mordet, ihr Sklaven,
So denkt darum nicht länger zu schlafen,
Erst weckt' euch die Frau nach dem Hahnenschrei,
Nun ist's mit dem Schlummer auf ewig vorbei.
Die Freiheit kommt wie ein Dieb in der Nacht
Und ruft euch zu: »Erwacht! erwacht!«
Georg Herwegh
aus: Herweghs Werke in drei Teilen.
Band 1, Berlin, Leipzig, Wien, Stuttgart, 1909
Dienstag, 30. November 2010
Politische Fabeln zum Revolutionsjahr 1848 (3)
…
In diesem Momente entstanden jene Fabeln, welche der Leser hier vor Augen hat. Erschrocken, empört über die furchtbare Enttäuschung, erfüllt von Besorgniß um sein geliebtes Oesterreich, nicht bloß todesmuthig, sondern lebensüberdrüßig nach dem entheiligten Idole, das er von der Freiheit eines edlen und großen Volkes im Busen getragen und in den geheimsten Winkeln seines Herzens gehegt, stürzte sich der Verfasser gleichsam in die Speichen des Rades der Revolution - allein, verlassen von allen, verhöhnt und selbst mit dem Tode bedroht - unbekümmert, ob es ihn zermalme, nicht erst überlegend oder berechnend, ob ein so kleiner und geringer Widerstand Erfolg haben könne. Er dachte nur an seine Pflicht! Die 76. und 81. Fabel drückt seine Gedanken aus.
…
LXXVI.
Ich rechnete nicht.
Ich rechnete nicht.
Ein Tempelritter hatte drei Stücke Metall vor sich liegen. »Wählet,« sagte er, »was soll aus euch werden?«
»Ich,« sprach das eine trotzig, »bin spröd und spießig - Speer möcht‘ ich sein im Turnier und Streit.«
»Ich,« bath demüthig das andere, »bin hart und fest; Dir, o Herr, möcht‘ ich dienen als Schild.«
»Und ich,« wedelte das dritte Stück, »bin geschmeidig - lass‘ mich zur Zier deines Helmes gedeihen!«
Der Tempelritter ließ aus dem ersten Stück einen Speer, aus dem zweiten einen Schild, aus dem dritten die stolze Zier seines Helmes schmieden.
So kam der Speer beim nächsten Turniere in die Hand eines Gegners, während der Schild im Kampfe die Brust des guten Herrn also deckte, daß der wohlgezielte Spieß zersplitterte, aber auch Er eine Schramme bekam. Da rief die schimmernde Zier vom Helm herunter: »Thörichter Schild, nun magst du in der finstern Eisenkammer vom Rost zerfressen werden? Warum hattest du nicht Geschmeidigkeit zur Tugend gewählt? Sieh‘, wie allein ich hoch oben glänz‘ und eine Zukunft errang!«
Ihm aber der Schild: »Das Herz meines Herrn schlägt noch, und jener Speer, dessen Stoß ihm gegolten, liegt in Splittern vor uns. Andres hab‘ ich niemals verlangt. Wer Schild sein wollte, rechnete nicht.«
*
Sprecht nicht von »Mitte halten,« von »Geschmeidigkeit,« ihr Klugen! Daß die äußerste Rechte unmöglich macht, weiß der ehrliche Mann. Aber antworten kann er, wie jener Schild: »Ich rechnete nicht.«
Politische Fabeln von J.S. Ebersberg, 1849
Montag, 29. November 2010
Politische Fabeln zum Revolutionsjahr 1848 (2)
…
Wie nach den Märztagen in Folge der Unthätigkeit und Schwäche einer ganz rathlosen Regierung, die nie handelte, sondern sich nur durch die Ereignisse fortstoßen ließ, durch die Wühlereien fremder Emissäre und meistentheils jüdischer Schrifsteller, *) durch die Uebergriffe und Anmaßung einer künstlich erregten und mißbrauchten Jugend die Lage des Vaterlandes immer trauriger und hoffnungsloser ward: weiß wohl Jeder, welcher diese Zeit miterlebt hat, wo das Rad der Geschichte so rasch rollte, daß, was vor einer Stunde Weltereigniß war, in der nächsten schon wieder von Neuem, Unerwartetem, Ungeahntem überholt und fast vergessen wurde. Alles stand auf dem Spiele. Der Kaiser war aus Wien entflohen, wo man mit Bajonetten, Krampe und Schaufeln Zugeständnisse abgetrotzt und die am 15. März und 25. April von Seiner Herzensgüte gewährte Constitution vernichtet hatte; die Mißachtung der Gesetze, die Verfolgung der Priester, womit selbst der ehrwürdige und greise Erzbischof Wiens nicht verschont blieb; die Störungen der Abendruhe durch Katzenmusiken, die Verletzung des häuslichen Asyls und Gewaltthätigkeiten aller Art hatten die Haupt- und Residenzstadt mit Bangigkeit, ja mit entsetzen erfüllt. Der furchtbarste Mißbrauch der Preßfreiheit hatte durch Lüge, Verläumdung und unablässiges erhitzen der Leidenschaften die Gutmüthigkeit des Volkes und sein gesundes Urtheil umgewandelt - Land, Stadt und Menschen waren nicht mehr zu erkennen, und allgemeines Verderbniß stand vor den Augen der Bessergesinnten, deren Zahl freilich nicht gering, deren Muth aber eben so klein und thatenlos war, als die Schlechten und Aufrührerischen, welche in dem allgemeinen Umsturz zu gewinnen hofften, sich rührig und gewandt bewiesen.
…
…
VI.
Die Lichtmacher
Die Lichtmacher
Ein armer Mann, der unschuldig viele Jahre in einem dunkeln Kerker gesessen, wurde freigesprochen. Aber da zeigte sich, daß seine Angst durch die immerwährende Dunkelheit des Gefängnisses blöde geworden und er beinah erblindet sei. Der Arzt erklärte, daß frei eLuft und Licht seine Augen nur heilen könnten. Anfänglich zuckte der Patient schmerzlich, als das helle Sonnenlicht auf sein leidendes Antlitz fiel, aber von Tag zu Tag besserte sich das Uebel. Da meinte ein thörichter Mensch, wenn Licht solche Besserung erzweckte, müsse vermehrtes künstliches Licht die schnellste Heilung bewirken. Er stellte daher den Blödsichtigen an das Fenster, hält ihm gegenüber einen Spiegel, und wirft mit Einer Wendung in der Schnelligkeit des Blitzes den schneidenden Abglanz des Sonnenstrahls auf das kranke Auge. Aber mit einem Schrei des Entsetzens stürzt der Getroffene zu Boden, und mit seinen Augen stand’s schlimmer als jemals.
*
Einen solchen Spiegellichtmacher erkenne ich in dem radikalen Schriftsteller. Licht ist Wohlthat, Licht ist Segen für jedes äußere, wie für das Seelenauge. Aber wer lange im Finstern getappt, sollte von verständigen Führer **) erst an die freie Tageshelle mit Sorgfalt gewöhnt werden, um richtig zu sehen, um sich der Wunder der Schöpfung in ihrer Klarheit und Würde zu freuen. Aber leidige Spiegelfechterei vor seinen Augen treiben, heißt sein Gesicht trüben für immer; und wer das reine Seelenauge tödtet, übt ein schrecklicheres Verbrechen, als jener teuflische Bettler, der geraubte Kinder aus Habgier mit glühendem Drahte blendet!
J.S.Ebersberg: Politische Fabeln … (1849)
*) ein Beispiel dafür, wie sehr der Antisemitismus im 19. Jahrhundert alle gesellschaftlichen Schichten durchdrungen hatte.
**) Kaum hundert Jahre später entpuppt sich ein Führer als der große Blindmacher überhaupt.
Samstag, 27. November 2010
Politische Fabeln zum Revolutionsjahr 1848
Bild des Autors aus dem Buch
Vorrede
Die Fabeln, wie sie hier dem Publikum vorgelegt werden, sind ein Denkmal der wichtigsten Tage, welche die Oesterreichische Monarchie erlebt. Sie entstanden nach denMärztagen des ewig denkwürdigen Jahres 1848, in einer trüben und gesetzlosen Zeit.
Mit pochendem Herzen, mit unbeschreiblicher Freude und die Seele voll froher Hoffnungen hat der Fabeldichter die Ereignisse des 13. und die Gabe des 15. März 1848 begrüßt. Wenn Jemand für wahre Freiheit empfänglich war, so war Er’s; wenn Jemand den wahnwitzigen und grausamen Druck des Geistes, wie ihn Graf Sedlnitzky und seine Werkzeuge über Oesterreich gebracht und bis zur Unerträglichkeit gesteigert hatten, gehaßt und verwünscht hat: so war Er’s; wenn Jemand die Mißbräuche des alten und verkrusteten Systems geändert und geheilt, gewisse Privilegien vernichtet, die Menschenwürde überall anerkannt, und Bruderliebe, unter Nationen wie von Einzelnen, geübt wissen wollte: so war Er’s. Aber entsetzlicher wurden noch nie die Erwartungen und Hoffnungen getäuscht, welche der Freund wahrer Freiheit, der seinem Vaterland und Kaiser treue Sohne Oesterreichs mit klopfendem Pulse gehegt!
…
I.
Seid gewarnt!
Seid gewarnt!
Am Ufer der silberglänzenden Donau lag ein Schiff angekettet. Ein günstiges Lüftchen wehte, der helle blaue Himmel sammt seiner leuchtenden Sonne spiegelte sich schön in den Wogen, und Welle um Welle schlüfte lustig dahin und lockte murmelnd das Schiff, zu folgen in freier Fahrt - aber es war ja gefesselt! Da murrten die Leute auf dem Fahrzeug, die lange genug auf Einer Stelle gestanden, und die Muthigsten rissen im edlen Grimm die Kette durch und durch. Frei flog das Schiff, von seinem Ruder gelenkt, hin auf dem silbernen Rücken der Flut. Diese Freiheit gefiele Anfangs den Schiffenden, bis Einer auf das Ruder weiset und spricht: »Was nennt Ihr unser Schiff frei! Seht Ihr nicht hier seinen Gebieter und Herrn, der den Lauf vorzeichnet und in die bestimmte Bahn es drängt?« - »Ja, noch viel freier soll unser Fahrzeug sein!« riefen die trunkenen Schiffer und warfen das Ruder stracks über Bord. Aber das war eine böse Freiheit! Sie und ihr Boot rannten dem Strudel zu; an seinen Klippen zerscholl das rathlose Fahrzeug, und das schöne Schiff sank mit Mann und Maus kläglich in die unerforschten Tiefen hinab.
Ich brauch‘ Euch die Moral nicht zu erklären. Ihr habt dem staatlichen Schiffe Oesterreich, in dessen mit doppel- und dreifarbigen Flaggen geschmückten Raaen ein lustiger Wind seine lockenden Freiheitssprüche bläst, die dickgeschmiedete, aber rostdurchfressene Kette zerrissen. Und mit Recht jubelt Ihr, denn frei ist das Schiff. Doch, Freunde, hütet Euch, im trunkenen Taumel, um es freier als frei zu machen, auch das Ruder über die Flanken zu werfen: ich brauch‘ es Euch nicht zu deuten - ein anderer Name heißt es Gesetz!
Politische Fabeln
Erinnerungen an die
stürmischen Tage des Revolutions-Jahres 1848
von J. S. Ebersberg
Wien, 1849
Im Comptoire des „Wiener Buschauers.“
(Dorotheergasse, Nr. 1108.)
Erinnerungen an die
stürmischen Tage des Revolutions-Jahres 1848
von J. S. Ebersberg
Wien, 1849
Im Comptoire des „Wiener Buschauers.“
(Dorotheergasse, Nr. 1108.)
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Politische Fabel
Montag, 8. November 2010
Die beiden Weiber
Evelyn de Morgan (1855−1919)
Königin Eleonore von Quitanien mit Rosamund Clifford
Bildquelle: Wikipedia
Erste Fabel
Ein Mann von Mittelalter hatte zwei Mätressen, eine Alte und eine Junge. Beide waren eifersüchtig auf einander, jede wollte am meisten geliebt seyn; beide waren mit seinem Alter unzufrieden. Die Alte, der er zu jung aussah, rupfte ihm daher alle schwarze Haare aus; die Junge, der er zu alt vorkam, ließ kein einziges weißes Härchen stehen. Was geschah? In kurzem war unser Mann ein Kahlkopf.
Sehet da zwei entgegengesetzte politische Systeme; und den Ruin der Nation, an der sie versucht werden.
Christian August Fischer
Politische Fabeln
Königsberg 1796
Politische Fabeln
Königsberg 1796
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18./19. Jh.,
Christian August Fischer,
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Politische Fabel
Donnerstag, 4. November 2010
Die weisse Raben
Den Raben gieng es sehr nahe, daß ihnen von den Menschen so übel nachgeredt wurde; sie ersuchten mit grossen Verheissungen den Nachbar Staar, da er mehr mit den Menschen zu thun hätte, ihnen diese üble Meinung zu benehmen, und sie die schöne weisse Raben zu heissen. Das will ich wohl tuhn, sagte Matz, die Menschen werden euch doch wohl an der Stimme und den Federn erkennen.
Friedrich Carl von Moser
Der Hof in Fabeln
Leipzig 1762
Der Hof in Fabeln
Leipzig 1762
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18./19. Jh.,
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Politische Fabel
Freitag, 25. Juni 2010
L. Der Stachel der Biene
Die Thiere brachten ihre Klagen vor den Jupiter und unter denselben erschiene auch die Biene. Sie beschwerte sich über den Undanck der menschen, die sie ihres Honigs beraubten, und über die Spöttereyen der Thiere, die ihren Fleiß verlachten. Jupiter gabe der Abgesandtin den Bescheid: ich habe dir Fähigkeit und Lust zur Arbeit gegeben, du bist eins der edelsten meiner Geschöpfe, die Thiere, so deinen Fleiß belachen, thun es aus Neid, weil sie es dir nicht gleich zu thun vermögen, die Menschen erheben dein Lob und besingen deine Gaben, ihr Beyfall sey dein Lohn, Danck ist bey ihnen nicht zu suchen, zum Ueberfluß lege ich dir hiemit einen Stachel bey, diejenige zu züchtigen, so dich in deinem Fleiß stören und deine Unschuld beleidigen wollen.
Friedrich Carl von Moser
aus: Der Hof in Fabeln
aus: Der Hof in Fabeln
Leipzig 1762
Samstag, 12. Juni 2010
Der Bergmann und sein Kind
Zu einem Bergmann sprach betrübt sein Kind:
»Wie kommt’s nur, Vater, daß so arm wir sind,
Da du doch aus dem tiefen dunkeln Schacht
So vieles Gold schon an den Tag gebracht?«
Der aber sprach: »Ich that’s um kargen Lohn
Und machte And’re reich damit, mein Sohn;
Und viele Weise sind darin mir gleich,
Sie darben selbst und machen and’re reich.«
»Wie kommt’s nur, Vater, daß so arm wir sind,
Da du doch aus dem tiefen dunkeln Schacht
So vieles Gold schon an den Tag gebracht?«
Der aber sprach: »Ich that’s um kargen Lohn
Und machte And’re reich damit, mein Sohn;
Und viele Weise sind darin mir gleich,
Sie darben selbst und machen and’re reich.«
Julius Sturm
Neues Fabelbuch
Neues Fabelbuch
Leipzig: Dürr, 1881
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18./19. Jh.,
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