Posts mit dem Label Reineke Fuchs werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Reineke Fuchs werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 13. Mai 2015

Der kranke Löwe

Der Löwe, sagt man, war krank; da gingen sie Alle, ihn in seinen Leiden zu besuchen; der Schakal aber ging nicht hin, weil die Spuren der Leute, die hingingen, um ihn zu besuchen, nicht wieder zurückkehrten. Da wurde er von der Hyäne bei dem Löwen verklagt. »Obschon ich gekommen bin, Dich zu besuchen, will doch der Schakal nicht kommen, Dich (wörtlich: den Mann) in Deinen Leiden zu besuchen.« Da schickte der Löwe die Hyäne, um den Schakal zu fangen. Das that sie und brachte ihn vor den Löwen. Der Löwe fragte den Schakal: »Warum kamst Du denn nicht, nach mir zu sehen?«

Der Schakal gab zur Antwort: »Bitte, lieber Onkel; als ich hörte, daß Du so schwer krank seiest, ging ich zum Zauberdoktor, um Rath zu holen und ihn zu fragen, was für eine Arznei meinem Onkel von seinen Schmerzen helfen würde. Der Doctor aber sagte so zu mir: »»Geh und sage Deinem Onkel, er möge die Hyäne ergreifen, ihr das Fell abziehen, und, wenn es noch warm wäre, es anlegen; dann werde er besser werden.«« Die Hyäne ist so nichtsnutzig, daß sie sich gar nicht um die Leiden meines Onkels kümmert.«

Der Löwe folgte diesem Rath, ergriff die Hyäne, zog ihr, während sie aus Leibeskräften heulte, daß Fell über die Ohren und legte es an.

Reineke Fuchs in Afrika
Fabeln und Märchen der eingebornen
nach Originalhandschriften der Grey’schen Bibliothek 
in der Kap-Stadt und andern authentischen Quellen
Von Dr. W. H. J. Bleek
Weimar, 1870

Dienstag, 7. April 2015

Der fromme Reinecke Fuchs

Reinecke wollte sich im Thierreiche empor schwingen, und sann auf Mittel, wie er recht reich, bey Hofe recht ansehnlich, und überhaupt recht glücklich werden könnte.

Vor allen schlich er in Jupiters Hayne andächtig herum, und so oft ihn der König Löw sah, bückte er sich bis auf den Boden vor dem Bilde Jupiters, und seufzte gleich dem strengsten Büßer. Kein Opfer ward dem Gott der Götter angezündet, wo er nicht miträucherte, und kein Fest angestellt, wo er nicht gegenwärtig war.

Alles, was Frömmigkeit schien, that er, und als man ihn fragte, warum er es thäte, gab er zur Antwort: Ich suche nicht fromm zu seyn, sondern nur fromm zu scheinen, und diese Frömmigkeit ist manchesmal zu vielem nutze.

Heinrich Brauns Versuch in prosaischen Fabeln und Erzählungen
München 1772
zu finden bey Joahnn Nepomuk Fritz, und Augspurg bey Iganz Anton Wagner.

Sonntag, 16. Juni 2013

Der Fuchs und der Biber

 
Reinike, der einem Biber begegnete, lobte nach Hofmanier dessen sanftwolligen Pelz. Nur Schade! sprach er, daß ein so zartes Thier einen so rauhschuppigen Schwanz führt. Sieh, wie sanft und baumelnd der meinige nachwallt!

Aber hast du mit dem deinigen auch ein Haus gebaut? fragte der Kastor.

Das atlasne Patschchen! Aber wie steht es mit der Arbeit?


Johann Friedrich Ferdinand Schlez

Donnerstag, 22. November 2012

Fabelhafte Fabelbücher (Rezension)

Wer Fabeln liebt, möchte sie auch gelegentlich nachlesen. Das Angebot an alten und neuen Fabelbüchern ist groß, doch welches soll man wählen. Eine kleine Hilfe versucht die folgende Übersicht zu geben.

Das große Fabelbuch von Constanze Breckhoff und Gerhard Glück (Lappan Verlag) ist ein Prachtband, der nicht nur eine repräsentative Auswahl Fabeln von Aesop bis Wilhelm Busch und verschiedener Völker bringt, sondern auch noch schön und angemessen illustriert (G.Glück) ist. Das Buch ist nicht nach Zeitalter sortiert, sondern bunt gemischt. Ein guter Tipp für diejenigen, die gerne in guten Büchern schmökern und eine gute »Fabelgrundausstattung«.



Wer sich speziell für die Fabeln des Aesop interessiert, greift statt der zu Hauf verfügbaren Billigausgaben diverser Nachdruckverlage besser auf die Neuübersetzung von Thomas Voskuhl aus dem Reclam-Verlag.



Wem es nicht so auf sprachliche Genauigkeit ankommt, dafür aber auf sprachliche Schönheit, sollte sich die von Fulvio Testa illustrierten Ausgabe von Gisbert Haefs ansehen.




Die Fabeln des Jean de LaFontaine liegen in der Übersetzung von Ernst Dohm in einer umfangreichen und illustrierten Gesamtausgabe vor (mehr als 500 Seiten).



Wer es etwas karger und preiswerter möchte, wählt die Reclam Ausgabe (Übersetzer: Jürgen Grimm), die immerhin auch die Illustrationen von Gustave Doré enthält.



Lessings Fabeln liegen in einer schönen Taschenbuchausgabe des Fischer-TB-Verlages vor. Sie enthält außerdem auch die »Abhandlungen über die Fabel«.



Sie sind nicht jedermanns Geschmack und kommen heute arg belehrend daher, aber wer sie mag, die Kinderfabeln des Wilhelm Hey, findet 50 davon in einem preiswerten Taschenbuch:



Luthers Fabeln und Sprichwörter
findet man in einer schönen Ausgabe der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft, Illustriert mit Abbildungen und Holzschnitten aus der Werkstatt von Lukas Cranach:



Deutsche Fabeln des 18. Jahrhunderts sind repräsentativ in einem Bändchen des Reclam-Verlages zusammen gestellt. Es ist sehr zu empfehlen, denn darin sieht man, dass es neben Lessing, Gellert & Gleim noch zahlreiche andere Fabeldichter in dieser Zeit gab.



Zum Abschluss Johann Wolfgang von Goethe. Seine längere Fabeldichtung um »Reineke Fuchs« ist wunderschön Illustriert von Dieter Wiesmüller in diesem Prachtbuch aus dem Hanser-Verlag. Ein Buch nicht nur für Kinder. Oder anders gesagt: Ein Buch, das Erwachsene, die es sich gekauft haben, auch an Kinder aushändigen können.




Horst-Dieter Radke

Mittwoch, 15. August 2012

Vom Fuchs und dem Luchs


Quelle: Wikipedia – Urheber: 663highland

In einem loch da wont ein fuchs.
Zum selbigen kam einst ein luchs,
Hub an freundlich mit im zu schwatzen
Von zobeln, mardern, wilden katzen
Und andern tierlin, die man hegt,
Ir belg für belz und futer tregt,
Und sprach, wie under disen allen,
Die in dem wilden wald umbwallen,
Er selb allein der edelst wer
Und beßer denn all ander tier;
Und rümt die tugent seiner alten,
Wie adelich sie sich gehalten,
Sein eltern und all sein vorfarn
Groß tat getan in alten jarn,
Daß sie bilch auf der ganzen ert
Wern alles lobs und eren wert.
Da lacht der fuchs, sprach: »Lieber freund,
Wenn ichs nit wist und nit verstünd,
Wers doch dabei zu merken wol,
Daß dein eltern fast allzumal
Des jägers strick keinr ist entflohen,
Dem nicht sein haut sei abgezohen.
Ja, wer mir diß nicht glauben wil,
Sich dunken leßt, ich red zu vil,
Der schau beim kürsner auf die stangen,
Daselb ir vil beinander hangen.
Dabei mans auch geschrieben findt,
Wie redlich sie gewesen sind.«
Die fabel lert uns, daß wir söllen
Keinem großsprecher glauben stellen,
Denn sie oft liegen unbedacht.
Wenn sie es denn han übermacht,
Zuletst die tat ein überzeugt,
Daß er das merer teil erleugt.

Burkard Waldis: Esopus
Erster und zweiter Theil
Band 2, Leipzig 1882
    

Samstag, 8. Januar 2011

Fuchs, Hühner & Gans



Der Fuchs holte
Vier Hühner in der Nacht
Ich fand keine Kadaver
Gänsebraten am ersten Weihnachtstag
Vom Bauern auf der anderen Seite
...

Sonntag, 2. Januar 2011

Der Fuchs und der Tiger

Der Fuchs begegnete einst einem Tiger. Der zeigte ihm die Zähne, streckte die Krallen hervor und wollte ihn fressen. Der Fuchs sprach: »Mein Herr, Ihr müßt nicht denken, daß Ihr allein der Tiere König seid. Euer Mut kommt meinem noch nicht gleich. Wir wollen zusammen gehen, und Ihr wollet Euch hinter mir halten. Wenn die Menschen mich sehen und sich nicht fürchten, dann mögt Ihr mich fressen.«
Der Tiger wars zufrieden, und so führte ihn der Fuchs auf eine große Straße. Die Wanderer nun, wenn sie von fern den Tiger sahen, erschraken alle und liefen weg.
Da sprach der Fuchs: »Was nun? Ich ging voran; die Menschen sahen mich und sahen Euch noch nicht.«
Da zog der Tiger seinen Schwanz ein und lief weg.
Der Tiger hatte wohl bemerkt, daß die Menschen sich vor dem Fuchse fürchteten, doch hatte er nicht bemerkt, daß der Fuchs des Tigers Furchtbarkeit entlehnte.

Wilhelm, Richard:
Chinesische Volksmärchen
Jena, 1914

Mittwoch, 22. September 2010

Fuchs und Bär

Kam einst ein Fuchs vom Dorfe her,
Früh in der Morgenstunde,
Und trug ein Huhn im Munde;
Und es begegnet' ihm ein Bär.

»Ah! guten Morgen, gnäd'ger Herr!
Ich bringe hier ein Huhn für Sie;
Ihr Gnaden promenieren ziemlich früh,
Wo geht die Reise hin?«

»Was heißest du mich gnädig, Vieh!
Wer sagt dir, daß ich's bin?«
»Sah Dero Zahn, wenn ich es sagen darf,
Und Dero Zahn ist lang und scharf.«

Matthias Claudius

Sonntag, 19. September 2010

Der Fuchs und seine Brüder


Einst schlich im Mondschein Meister Fuchs
Sich hin zum Hühnerhause,
Und lauschte, schärfer als ein Luchs,
Nach einem leckern Schmause,
Kühn dringt er durch die schlechte Thür',
Daß sie ihn zu den Hühnern führ'.

Und es gelingt ihm auch sogleich,
Ein Hühnchen zu erhaschen.
So zart, so jung und weis und weich.
Er eilt davon zu naschen,
Und speißt mit solchem Appetit,
Daß er nichts weiter hört noch sieht.

Der Bauer merkt den fremden Gast
In seinem Hühnerhause,
Und ruft die Hunde, die ihn fast
Zerrissen, bei dem Schmause.
Mit großer Noth er noch entwich,
Doch ließ er seinen Schwanz im Stich.

Wie nekten seine Brüder ihn,
Daß seine Zier verschwunden,
Und daß er sie, nur zu entfliehn,
Feig' überließ den Hunden;
Bis endlich es den Fuchs verdroß,
Daß sich so reich ihr Spott ergoß.

»Laßts gut seyn. – Nur das ärgert mich,
Daß ich mit meinem Schwanze,
Als ich mit großer Noth entwich,
Gequetscht, wie eine Wanze,
Zugleich mein Fischernetz verlor.
Ein Unglück bringt noch eins hervor.«

Die Füchse horchen hocherfreut:
»Was sprichst du da von Fischen?
Und von dem Netze, das dich reut,
Daß dir sie kann erwischen?
Erkläre deutlicher, dich Freund,
Was hast du eigentlich gemeint?«

Und Meister Fuchs, mit trüben Blick,
Läßt erst sich lange bitten;
Spricht viel von seinem Mißgeschick,
Und dem was er gelitten.
Fängt seine Rede an vom Ey,
Und spät erst kömmt das Ziel herbei.

»Die Probe machen wir sogleich,
Kommt, ohne Zeitverlieren,
Eh noch gefroren dort der Teich;
Ihr könnt es ja probieren.
Setzt euch ans Ufer reihenweis,
Ich ordne alles schon mit Fleiß.

Nun, so ists recht. – Die Schwänze laßt
Hinab ins Wasser fallen:
Die Fische kommen dann in Hast
Geschwommen zu euch Allen,
Und hängen sich am Schwanze an,
Daß man ihn nicht mehr regen kann.

Doch ist es nicht so bald geschehn;
Ihr dürfet nur nicht murren,
Wenn ein paar Stunden noch vergehn!
Erzählt indeß euch Schnurren
Von manchem schlauen Schelmenstreich
Und auch von manchem andern Zeug!«

Die Brüder, voller Lüsternheit,
Viel Fische zu erbeuten,
Thun gern, was Meister Fuchs gebeut,
Sein Wort nicht zu bestreiten.
Sie sitzen alle reihenweis,
Bis sich der Teich bedeckt mit Eis.

Doch Brüderchen, voll Schelmerei,
Schleicht sachte sich von ihnen,
Und ruft die Hunde straks herbei,
Mit schadenfrohen Mienen.
Die stürzen Schaarenweis, im Nu,
Lautbellend auf die Fischer zu.

Erschrocken wollten diese gleich
Aufspringen, und entfliehen;
Doch aus dem zugefrornen Teich
Kann keins den Schwanz mehr ziehen.
Und Mancher, der mit Noth entwich,
Ließ ihn in seiner Angst im Stich.

Trau nicht dem Schelme, wenn er auch
Zum Spotte selbst geworden.
Er hat es immer im Gebrauch,
Auch andrer Glück zu morden.
Laß nicht dem Spottgeist freien Lauf
Sonst reiz't du seine Bosheit auf.

Karoline Stahl
Fabeln, Mährchen und Erzählungen für Kinder. 
Nürnberg 1821

Sonntag, 23. Mai 2010

Fuchs ging dem König Leu …

Fuchs ging dem König Leu
Zum ersten Mal vorbei
Und zitterte zur Erden.
Zum zweiten Mal,
Der Reverenz wollt' keine werden;
Er that nicht, was er ihm befahl.
Nun noch einmal,
Und wollt' am Bart ihm spielen,
Mußt's aber fühlen!

Herr Witzling, wer ist klein? Wer alle Welt
So klein, als Er ist, hält.
Kunstrichter, Schwätzer, Komiker,
Ist auch ein größer Ding als Er?

Johann Gottfried Herder

Sonntag, 21. Februar 2010

Die Pest unter den Tieren

Ein Übel, schreckhaft, wo es je erstand,
Ein Übel, das des Himmels Zorn erfand,
Der Erde Übeltun zu rächen,
Die Pest (kaum wag ich's auszusprechen),
Sie, die den Acheron so schnell bereichern kann,
Fiel kriegerisch die Tiere an.
Nicht alle starben, aber alle wurden krank:
Nicht einer, der noch sorgte, daß er aß und trank.
Kein Mahl erregte ihre Gier,
Nicht Wolf noch Fuchs umspähten mehr
Das unschuldvolle Beutetier.
Die Turteltauben flogen unstet hin und her,
Sie suchten keine Liebe, keine Freude mehr.

Der Leu hielt Rat und sprach: »Ich glaub es zu erfassen:
Ob unsrer Sünden groß und schwer
Hat diese Pein der Himmel zugelassen.
Drum säume unser größter Sünder nicht,
Dem Zorn des Himmels sich als Sühne anzutragen.
Vielleicht daß dies die Härte unsrer Strafe bricht.
Ihr wißt ja, daß man oft in ähnlich schlimmen Lagen
Solche Ergebenheitsbeweise brachte.
Bekennt euch also. Jeder hier betrachte
Ganz ohne Nachsicht sein Gewissen.
Was mich betrifft: fiel mich der Hunger an,
So hab ich oft ein Schaf zerrissen,
Das nicht das kleinste mir zuleid getan;
Und hie und da geschah's,
Daß ich sogar den Hirten aß.
Ich will mich opfern, wenn es nötig ist.
Doch scheint mir’s richtig, daß erst jedermann ermißt,
Ob nicht noch schwerer wiegt sein eignes Sündenmaß,
Da es gerecht ist, daß der größte Sünder stirbt.«
»Oh, unser guter König,« rief der Fuchs darauf,
»Der hier wie immer unser aller Lob erwirbt!
Doch, Herr, Ihr fraßt nur Schafe, dummen Pöbel auf –
Wie könnt Ihr denken, daß dies eine Sünde wäre?
Nein, nein! Indem Ihr sie zu Eurem Mahl ergrifft,
Erwiest Ihr ihnen hohe Ehre.
Und was den Hirten anbetrifft,
Der war gewiß des Todes wert,
Da er zu jenen Leuten ja gehört,
Die sich in ihrem Hochmut oft so weit vergaßen,
Sich über uns, die Tiere, Rechte anzumaßen.«
So sprach der Fuchs. Die Schmeichler pflichteten ihm bei.
Man wagte auch dem Tiger, Bär und andern Großen
Nicht nachzuweisen, daß ihr Rauben sündhaft sei.
Man scheute sich, die starken Frevler zu erbosen,
Sie alle bis zum Hofhund hieß man heilige Leute.
Nun kam der Esel an die Reih:
»Ich kam an einer Klosterwiese einst vorbei.
Die zarten Gräser, die Gelegenheit zur Beute,
Der Hunger und, ich glaube, irgendwelcher Teufel
Verführten mich, den grünen Rasen
Auf Zungenbreite abzugrasen.
Da tat ich unrecht – ohne Zweifel.«
»O Schmach!« schrie man den Esel an.
Und ein gerißner Wolf bewies mit vielen Phrasen,
Die Pest sei darum da, um diese Tat zu rächen,
Das räudige Eselsvieh allein sei schuld daran.
Die kleine Sünde ward der Strafe wert ermessen.
Welch ein empörendes Verbrechen:
Der andern Leute Gras zu fressen!
Der Tod nur sühnte solche Tat des Bösewichts.
Das zeigte man ihm gar geschwind.

Ganz je nachdem, wie mächtig oder schwach wir sind,
Macht weiß uns oder schwarz das Urteil des Gerichts.



Jean de Lafontaine

Samstag, 12. Dezember 2009

Der Hase als Fuchs



Die Persönlichkeit des Fuchses ist in den Suahelimärchen durch den Hasen vertreten, dem von den ostafrikanischen Negern dieselben Attribute beigelegt werden, wie im deutschen Märchen dem Fuchs. Der Grund hierfür liegt in der Gewohnheit des Hasen, wie seines Vetters, des Kaninchens, fortwährend die Lippen zu bewegen. »Er weiß überall Bescheid und möchte gern sprechen,« sagen die Eingeborenen. So wie im Deutschen die Redensart »du Fuchs du« ihre besondere Meinung hat, so braucht der Suahele die Worte: »Ee Sungura wee, du Hase oder Kaninchen du«. So erzählt eine Suaheligeschichte, deren Inhalt mir teilweise entfallen ist, von der Schlauheit des Kaninchens bei dem Bau eines tiefen Brunnens. Alle Tiere beteiligten sich an der Arbeit, nur das Kaninchen nicht. Als der Brunnen fertig war, paßten die Tiere genau auf, daß das träge Kaninchen nun auch kein Wasser daraus bekommen sollte. Das Kaninchen aber wußte alle, außer der Spinne, zu hintergehen.


Held, T. von: 
Märchen und Sagen der afrikanischen Neger
Jena, 1904

Donnerstag, 8. Oktober 2009

Der Fuchs mit dem abgehauenen Schwanz


Ein besonders diebischer Fuchs, welcher einer grösseren Kolonie von Füchsen angehörte, wurde eines Tages bei einem Diebstahl von dem Hausherrn ertappt. Letzterer holte in aller Eile ein Messer herbei und hackte ihm den Schwanz ab. Darauf liess er ihn laufen. Der Fuchs lief unter grimmigen Schmerzen zurück in die Berge zu den anderen Füchsen. Als die Füchse sahen, dass ihm der Schwanz fehlte, fragten sie ihn, wo er ihn gelassen habe. Da antwortete er und sprach: »Es ist jetzt wieder eine neue Mode aufgekommen. Einen Schwanz zu haben, ist jetzt nicht Mode; keinen Schwanz zu haben, das ist das Neuste. Deshalb habe ich mir selbst den Schwanz abgeschnitten, um mich mit Ehren sehen lassen zu können«.

Arendt, C.
aus: Moderne chinesische Tierfabeln und Schwänke
In: Zeitschrift für Volkskunde, 1. Jahrgang (1891), S. 334

Montag, 20. Juli 2009

Der Fuchs und der Kranich


Den philosophschen Verstand lud einst der gemeine zu Tische,
Schüsseln, sehr breit und flach, setzt' er dem Hungrigen vor.
Hungrig verließ die Tafel der Gast, nur dürftige Bißlein
Faßte der Schnabel, der Wirt schluckte die Speise allein.
Den gemeinen Verstand lud nun der abstrakte zu Weine,
Einen enghalsigten Krug setzt' er dem Durstigen vor.
»Trink nun, Bester!« So sprach und mächtig schlurfte der Langhals,
Aber vergebens am Rand schnuppert das tierische Maul.

Friedrich Schiller

Freitag, 3. Juli 2009

Avianus

Avianus: Der Fuchs und der Hund (lat.), 10. Jh.

Avianus war ein römischer Dichter, der um 400 n. Chr. lebte. Erhalten sind 42 Fabeln, die überwiegend auf die griechische Sammlung des Babrios zurückgehen. In einem Vorwort erwähnt Avianus zwar Babrios, verweist aber auf eine Vorlage in schlechtem Latein. Diese Fabelsammlung war im Mittelalter sehr populär im Lateinunterricht. Auch gab es Übersetzungen (u.a. ins anglonormannische und Altfranzösische). Auch in die verschiedenen Varianten des Reineke Fuchs (Roman de Renart, Van den vos Reynaerde) fanden einzelne Fabeln dieser Sammlung Eingang.

Horst-Dieter Radke

Samstag, 14. März 2009

Der Fuchs

»Hast du die Satire gelesen, die der Löwe auf dich gemacht hat«, fragte der Wolf den Fuchs, »antworte ihm, wie sichs gebührt.« »Gelesen hab ich sie, aber deinem Rate folg ich nicht«, sagte der Fuchs, »denn der Löwe könnte mir auf eine fürstliche Art antworten.«

Novalis

Freitag, 13. März 2009

Fabel von dem fuchs und der katzen


Ein fuchs trabet über ein heid
und het ausgespecht auf der weid
vor einem walt der gens ein hert.
dem begegnet da on gefert
ein katz, die auch zu felt war gangen,
ob sie ir möcht der feltmeus fangen,
darmit sie iren hunger büßet.
der fuchs sprach: schwester, sei gegrüßet.
die katz im danket widerum
und hieß den fuchs auch sein wilkum.
nach dem sprach er der katzen zu:
sag an, mein schwester, was kanst du
für künst und was hast du gelert,
darmit du wertst auf ert ernert
und vor unfal schützst leib und leben?
da tet die katz im antwort geben:
mein herr fuchs, ich hab gar kein kunst
auf diser ert gelernet sunst,
den die mir hat einpflanzet nur
die herrlich mutter der natur,
das ist springen und bhendigkeit,
darmit ich fach in diser zeit
die meus, darmit ich mich erner.
darzu sagt der fuchs aber mer:
kanst du nichts den bhent sein und springen,
so wirt dein leben balt mislingen;
weil du sonst nichtsen kanst den das,
so bist unkönnent übermaß,
schlecht, beurisch und einfeltig gar.
sie sprach: mein herr fuchs, das ist war,
ich kan ie warlich nichtsen sunst;
ich bit aber, sag, wie vil kunst
kanst du, mein herr, gerecht und gut?
da antwort der fuchs in hochmut:
der künste der kan ich wol hundert,
allerlei art, fein ausgefundert,
nicht mittelmeßig, sonder wol.
wie man die kunst denn können sol,
die ich alle tet jehling leren;
der iedwede kan mich erneren
aus sorgen, angst und hungers not,
wenn schon vor augen wer der tot.
die katz sprach: domine doctor,
du gest mir weit mit künsten vor,
mir einfelting, kunstlosen armen,
die ich muß sterben on erbarmen;
dir aber gebürt langes leben,
weil du mit vil kunst bist umbgeben
und wirst überal wol gehalten,
erlich bei jungen und bei alten,
ich aber wert veracht aldo.
der fuchs der sprach: es reucht also.
nach dem da sprach die katz allein:
mich bedunkt in den augen mein,
wie ich sech aus dem walt von weiten
ein weidman gegen uns her reiten,
der fürt mit im zwen fraidig hunt,
welche vormals und auch iezunt
gewest sint unser ergste feint.
der fuchs sprach: aus dein worten scheint,
das du forchtsam und töricht bist
und einfeltig zu aller frist;
ob dus gleich sichst und sagst gleich war,
stunt uns doch darauf kein gefar;
ich weiß durch kunst in zu entrinnen.
die katz sprach: herr, das wirst wol innen.
als in der jeger nun war nahen,
und die hunt den fuchsen ersahen,
da fiengens gschwint auf in zu laufen
mit lautem gelzen und mit schnaufen,
zu fahen beid katzen und fuchs;
derhalb groß forcht in in erwuchs.
er sprach: uns ist zu fliehen not.
die katz die sprach: du treibst den spot,
förchst du dich bei den künsten dein?
der fuchs sprach: fliehens wirt not sein,
weil uns die hunt kommen genau.
ein ieder nun selbs für sich schau!
sprach die katz und sprang auf ein baum
und den hunden entran gar kaum.
der fuchs aber die flucht gab balt
gen berg auf zu dem dicken walt,
die hunt im aber kamen nahen
und nach im schnappten, in zu fahen.
das sach die katz hoch auf dem baum
und schrei: doctor fuchs, dich nit saum,
zeuch eine deiner künst herfür,
es tut dir not, als ich wol spür,
wan es ist dir zu ferr der walt,
wo du das tust nicht eilent balt,
so wirst von hunden du zerrißen:
was hilft dich denn vil künsten wißen?
der fuchs lof schnell und war nit faul,
schlug den hunden sein schwanz umbs maul,
darmit er sie im laufen blent;
doch ergriffens in an dem ent.
die katz schrei: bruder fuchs mit nam,
wo kom wir auf das nechst zusam?
der fuchs sprach: o des ich nicht weiß,
etwan beim kürßner in der beiß,
da wert wir wider kommen zsam.
darmit ir gsprech ein ende nam.

Der beschluß
Bei der alten fabel gedicht
wert wir zweierlei leut bericht.
die ersten uns der fuchs bedeut,
das sint künstner und rümisch leut,
die viler künst sich rümen vol,
der sie doch keine können wol;
haben keine gelernet aus,
das sin möcht tragen brot ins haus,
wie man denn sagt von solchem stück:
acht hantwerk, neunerlei unglück;
fahen vil an, bringen zum ent
doch kein werk mit munt oder hent,
verachten schlecht einfeltig leut.
werden durch die katzen bedeut,
die sich in der einfalt ernern,
achten nicht hoch rümlicher ern,
sonder nur was ist not und nutz
und in dienet zu irem schutz;
der einig kunst gebrauchen sie,
darmit sie sich behelfen hie
on allen rum vor ungemachs
mit weib und kinden, spricht Hans Sachs.

Anno salutis 1558., am 17. tage Junij.
Hans Sachs

Sonntag, 1. März 2009

Der Fuchs erklärt das Wort Usurpation

Als dieses Wort durch widerliche Umstände auch unter den größeren Tieren zur Sprache kam, fragte König Löwe, was es auch eigentlich bedeute.

"Sire!" antwortete der Fuchs, "es ist in seinem Wesen nichts anderes als eine abscheuliche Folge der irrigen und gefährlichen Lehre von einem Krautfresserrecht, dem man uns, die wir keine sind und keine sein wollen, wider unsere Natur und wider unsern Willen zu unterwerfen sich freventlich anmaßt."

---------------------------

Das ist freilich eine einseitige Zeiterklärung, derenthalben es ein großes Unglück wäre, wenn ihre Ursachen auf unserem Wohnplatz vergessen und so lange die Welt steht, nicht mehr zur Sprache kommen würden. Das aber ist nicht zu fürchten. Die diesfälligen Irrtümer sind nur vorübergehende Zeitirrtümer, und ebenso ist die diesfällige Blindheit selber nur eine vorübergehende Zeitblindheit; und es ist Welterfahrung, eine Zeit sticht der anderen den Star, und, gottlob, fallen die Schuppen von dergleichen Irrtümern den Völkern gar oft von den Augen, ehe es noch not tut oder auch nur noch zu wünschen wäre, daß die Vorsehung ihnen darüber den Star selber stechen möchte.

Johann Heinrich Pestalozzi

Samstag, 21. Februar 2009

The Fox and the Grapes


A Fox, seeing some sour grapes hanging within an inch of his nose, and being unwilling to admit that there was anything he would not eat, solemnly declared that they were out of his reach.

Äsop

Mittwoch, 18. Februar 2009

Der Wolf will sich einen Wintervorrat anlegen


Im Spätherbst kommt der Wolf zum Fuchs und fragt ihn, ob er nicht Rat wisse, wie man zu einem Fleischvorrat für den Winter kommen könne.

»För de starke Wulf, is 't ja man 'n Bigahn, an 'n fette Oss to raken«, höhnt der Fuchs, »'man för mi hollt dat wat sturder.' Wenn ich deine Stärke besäße, würde ich mich nicht 'bi dit kolle natte Weer' auf dem Felde herumtreiben, sondern mich längst in meine Höhle zurückgezogen haben 'un an mien Fettpoten sugen.' Heute morgen, auf einer kleinen Jagdpartie habe ich auf den Meeden nicht weniger als sieben krepierte Pferde angetroffen, und wenn man die bei der Höhle hätte, so könnte man im nächsten Frühjahr den Schmerbauch lüften. Hier hinter dem Wall, zum Beispiel, liegt auch so 'n alter Gaul.«

Der Wolf springt mit einem Satz auf den Wall und sieht die Angabe des Fuchses bestätigt. »Bevor du aber 'bi 't Anslepen geihst'«, bemerkte der Fuchs, »will ich dir noch einen guten Rat geben, wie du den Fleischklumpen am bequemsten fortschaffen kannst: du bindest deinen Schwanz an den Schweif des Pferdes und ziehst es dann so langsam fort.«

Der Wolf geht auf den Vorschlag ein, und der Fuchs schlingt aus beiden Schwänzen einen kunstgerechten Knoten. Der Gaul aber hat nur geruht, und als der Wolf den ersten Zug tut, springt er plötzlich auf und zieht den armen Sünder im Galopp mit sich fort. Der Fuchs, der natürlich wußte, wie es um das Pferd bestellt war, steht auf dem Wall und ruft dem Wolf zu: »Oll! Oll! slaa Klauen in d' Grund!«

»De Düvel mag Klauen in d' Grund slaan«, brüllt der Wolf verzweifelt, »wenn 'n neet Himmel noch Eer mehr sehn kann!«

(Ostfriesische Volksüberlieferung)

Sundermann, Friedrich
Der Upstalsboom
Aurich 1922