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Mittwoch, 27. Juli 2011

Hundelîn und esel


II.

Hivor ein herre zôch ein kleines hundelîn.
es prang âuf in und tet im sîner liebe schîn:
er streichet es und gab im sîner spîse.
Der esel sprach „du wilt ouch trîben solche list:
sind das du nutzer und ouch baz geborn bist,
wer weiz ob im gevalle dîne wîse.“

Eins tages er den herren sach:
er sprang ûf in und snapte im nâch dem munde.
die tôrheit ungelucke rach:
dô er sich glîchen wolde dem hunde,
der herre rief die diner an,
daz si in machten von dem esel frîe.
im wart dô slege vil getân.
er sprach „verfluchet sî die eselîe!
ich missevalle, sich ich wol, dâmit ich wolde behagen:
mîn herre: der engibt mir nicht
durch solche schicht“.
ein ôder sin in gîticheit, muz schanden borden tragen.


Heinrich von Müglin
aus: Fabeln und Minnelieder
Herausgegeben von Wilhelm Müller
Göttingen, 1847

Samstag, 20. November 2010

ein esel vant eins louwen hût …

I.

Ein esel vant eins louwen hût und zôch si an.
er sprach „mich hât gelucke brâcht ûf dese ban:
mîns herren gunst hân ich mich gar erwegen.
Die kleinen tir gemein und ouch der herre sîn
die leden alle vor im grôze pîn.
dô er des louwen sprunge solde phlegen,
Wie tump dô was sîn eselî!
sîn obermut in grôzem zorne brante.
die ôren ûz der hûte fri
im worden: dâbî in der herre kante.
er gab im einen kûlen slac:
er sprach „du esel woldest mich betrigen!“
er bant im weder ûf den sac:
dô muste er sich in grôzen schanden smigen.
kint, gere valscher lêre nicht nâch eselischer wise.
du salt anzien dîns vater wât,
das ist mîn rât.
nicht trit ûf fremdes lobes zil, sô stêt din êre in prîse.

Heinrich von Müglin
Göttingen, 1847
(auch: Heinrich von Mügeln)