Posts mit dem Label Schlez werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Schlez werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 16. Juni 2013

Der Fuchs und der Biber

 
Reinike, der einem Biber begegnete, lobte nach Hofmanier dessen sanftwolligen Pelz. Nur Schade! sprach er, daß ein so zartes Thier einen so rauhschuppigen Schwanz führt. Sieh, wie sanft und baumelnd der meinige nachwallt!

Aber hast du mit dem deinigen auch ein Haus gebaut? fragte der Kastor.

Das atlasne Patschchen! Aber wie steht es mit der Arbeit?


Johann Friedrich Ferdinand Schlez

Montag, 26. November 2012

Der Sperling und die Schwalbe


Die friedsame Schwalbe hatte ruhig den kalten, nahrlosen Winter durchschlafen, und kam nun, von der allbelebenden Sonne des Lenzes erweckt, zur Wohnung ihres gastfreundlichen Wirthes zurück. Noch hing unter dem Schirmbrette des Firstes ihr Nestchen; ein räubrischer Sperling aber bemächtigte sich ihres durch Fleiß erworbenen Eigenthums, und besetzte es mit seiner verderblichen Brut. Zu schwach, mit dem Stärkern zu rechten, baute das Schwälbchen gelassen eine neue Wohnstatt, und deckte, nach kurzer Zeit, fünf Kinder mit wärmenden Flügeln. Gleichviel junge Schreyer waren indess im Neste des Sperlings zum Abflug reisefertig; als die Kinder des Hauswirths auf einer Leiter das Schirmbrett besteigen, und die Sperlingszucht haschten und würgten.
Merkt Kindelein! sprach itzt die fromme Schwalbe zu ihren noch unbefiederten Kleinen, merkt euch das Sprichwort:
Unrechtes Gut kommt selten auf den dritten Erben.
 

Johann Ferdinand Schlez

Donnerstag, 28. Juni 2012

Der Sperling und die Schwalbe

Die friedsame Schwalbe hatte ruhig den kalten, nahrlosen Winter durchschlafen, und kam nun, von der allbelebenden Sonne des Lenzes erweckt, zur Wohnung ihres gastfreundlichen Wirthes zurück. Noch hing unter dem Schirmbrette des Firstes ihr Nestchen; ein räubrischer Sperling aber bemächtigte sich ihres durch Fleiß erworbenen Eigenthums, und besetzte es mit seiner verderblichen Brut. Zu schwach, mit dem Stärkern zu rechten, baute das Schwälbchen gelassen eine neue Wohnstatt, und deckte, nach kurzer Zeit, fünf Kinder mit wärmenden Flügeln. Gleichviel junge Schreyer waren indess im Neste des Sperlings zum Abflug reisefertig; als die Kinder des Hauswirths auf einer Leiter das Schirmbrett besteigen, und die Sperlingszucht haschten und würgten.

Merkt Kindelein! sprach itzt die fromme Schwalbe zu ihren noch unbefiederten Kleinen, merkt euch das Sprichwort:

Unrechtes Gut kommt selten auf den dritten Erben.

Johann Ferdinand Schlez

Dienstag, 2. November 2010

Die beiden Äpfel


Es hing einmal an einem Zweig,
Rothwangig und an Größe gleich,
Ein feines Erstlings - Apfel - Paar,
Wie kaum in Eden eines war.

Doch eh des Gärtners Hand, geschickt,
Die frischen Zwillingsbrüder pflückt,
Ward einer faul, und bald nachher
Sein Nachbar auch so faul wie er.

Als dieß der kluge Gärtner sah,
sprach er zum Sohne: Siehe da
Mein liebes Kind, und lerne dran:
Nichts steckt so leicht als Faulheit an!

Johann Friedrich Ferdinand Schlez
aus: Fabeln - Viertes Buch

Freitag, 28. Mai 2010

Der Kornak und sein Elephant


Ein Kornak zu Hindostan hatte das Unglück, von seinem Elefanten, den er öfters zu necken pflegte, gewaltig gerüttelt und zur Erde geschleudert zu werden. Kaum hatte er sich vom Schrecken erhohlt und seine Kräfte wieder gesammelt, als er, den Vorfall zu berichten, zu seinem Herrn lief, und um nichts geringeres bath, als um Abschaffung eines so furchtbaren Thieres.

Unvorsichtiger! erwiederte der Nabob: Wer viel nützen kann, muß auch viel schaden können, und Heil ihm! wenn er nur dann will, wenn er gereitzt wird.

Weiser, edler Indier! Heil auch Dir und deiner Politik!

Johann Friedrich Ferdinand Schlez

Sonntag, 28. März 2010

Der schlummernde Knabe und die Göttin des Schicksals


Ein sorgenfreyer Knabe schlief
Am Felsenabhang ein:
Ihn sah die Schickung, kam und rief:
ach auf mein Kind! der Sturz ist tief
Und die Gefahr nicht klein;

Wie leicht geschieht’s, du wendest dich
Und schmetterst dein Gebein:
Dann, liebes Kind, beklagen sich
Die armen Ältern über mich,
Nur über Mich allein!

Johann Friedrich Ferdinand Schlez
aus: Fabeln - Drittes  Buch

Samstag, 26. Dezember 2009

Der frevelnde Freygeist



Verdrüßlich über sein Geschick,
Spie einst ein Narr gen Himmel auf;
Der Speichel aber fiel zurück,
Und fiel ihm auf die Nase drauf.

Der du so lächerlich und klein
Der Vorsicht trotzest, Erdensohn!
Bespiegle dich, und mache fein
Auf dich die Application.



Johann Friedrich Ferdinand Schlez
aus: Fabeln - Viertes Buch

Mittwoch, 4. November 2009

Der Schatten und der Wanderer


Hah! wie ich den Stolzen verunstaltet habe, der mir immer im Lichte steht! jubelte der Morgenschatten, indem er einen wohlgebildeten Wanderer in monströser Karikatur über das Blachfeld streckte.

Einige Stunden ergetzte sich also das schwache Phantom an seinem glücklichen Streich, als es auf einmal dne Unbestand seines Unternehmens bemerkte. Die Sonne näherte sich allmählig dem Scheitelpunkt, und der Schatten lag zu den Füssen des Wandrers.

Thor! sagte nun dieser, du suchtest vergebens Mir ein Unbild zuzufügen; nur Du wurdest zum Scheusal und büssest unter meinen Füssen für deine Boßsheit.

Johann Ferdinand Schlez

Freitag, 30. Oktober 2009

Die Papier- und Kupfermünze


Als einst, auf einem Wechslertisch,
Zu Kupferpfennigen ein Wisch
Papierne Lumpenmünze kam,
Sprach diese, mit empfundner Schaam,
Zum Kupfergelde: Wie verwegen!
Du Bettelvolk erkühnest dich,
Zur Rechten gar, dich neben mich
Trotz meinem höhern Stand zu legen?

Halt ein, versetzt ein Kupferstück,
Mir deine Würden vorzuloben!
Wer hat dich in den Stand erhoben,
Als blindes, unverdientes Glück?
Aus Bettlerlappen nur entsprungen,
ist gleichen Werths dein Korn und Schrot,
Und zu des Vaterlandes Noth,
ist dir der kühne Schritt gelungen:
Jedoch, versuch es außer Land!
Was giltst du dort? Um einen Dreyer
Wärst du, dem Pfunde nach, zu theuer;
Ich aber werd’ in jeder Hand
Den Werth, der innern Würde tragen.
Dich setzt, vielleicht in wenig Tagen,
Des Stempelherrn erlauchter Schluß,
Gefällt es ihm dich zu verschlagen,
Herunter bis zum - Fidibus.
-
Die ihr euch selbst um Titel grämet,
Und nach des Titels schalem Ton
Den Werth des Mannes schätzt - o nehmet
Zu Herzen dieses Lection!

Johann Friedrich Schlez, 1787

Donnerstag, 29. Oktober 2009

Johann Friedrich Ferdinand Schlez

Bildquelle: Wikipedia
aus: »Gregorius Schlaghart und Lorenz Richard oder:
Die Dorfschulen zu Langenhausen und Traubenheim«

Bildunterschrift: Lacht ihn brav aus!

geboren am 27.6.1759 zu Ippesheim (Bayern), gestorben am 7.9.1839 zu Schlitz in Oberhessen. Der Vater war Pfarrer und gab dem Sohn den ersten Unterricht. Ab 1773 besuchte er als Chorschüler das Gymnasium zu Windsheim bis 1776. Weiterführenden Unterricht erhielt er von dem Pfarrer Vatchewitz aus Herrenbergtheim. In Jena studierte er von 1778 - 81 Theologie. Danach kehrte er ins Elternhaus zurück, übernahm die Stelle eines Hilfsgeistlichen und wurde nach dem Tod des Vaters sein Amtsnachfolger. 1793 heiratete er Johanna Bauer, die Tochter des Hofpredigers und Consistorialrathes Bauer in Castell. Neben seiner Pfarrerstätigkeit widmete er sich auch der Schul- und Volksbildung. Er schrieb kritische Schriften zur damaligen Schuldbildung (Gregorius Schlaghart und Lorenz Richard oder die Dorfschule zu Langenhausen und Traubenheim, ein Erbauungsbuch für Landschullehrer, 1795) und wurde deshalb 1799 als Inspector und Consistorialrath nach Schlitz berufen. Schlez kümmerte sich um eine bessere Ausbildung der Lehrer, sorgte aber auch für eine Verbesserung der ökonomischen Bedingungen der Lehrkräfte. Darüber hinaus widmete er sich dem Unterricht, sorgte für bessere Räume, Lehrmittel und schrieb Schulbücher. Neben dieser fachlichen Schriftstellertätigkeit schrieb Schlez auch Fabeln, Parabeln, Geschichten und Gedichte und wurde zu einem in seiner Zeit bekannten Jugend- und Volksschriftsteller. 1787 erschien eine Fabel-, 1802 eine Parabelsammlung. Am 27.11.1831 verlieh ihm der Großherzog von Hessen das Ritterkreuz des großherzogl. Ludwigsordens und die Gießener theol. Facultät die Doktorwürde.

Horst-Dieter Radke

Mittwoch, 28. Oktober 2009

Nicht darum, weil du Fabulist …

Geweiht
Dir, bester Gleim, zu Ehren,
Nicht darum, weil du Fabulist,
Nein, weil du, was viel größer ist,
Das selbst, was deine Fabeln lehren,
Ein Menschenfreund, ein Weiser bist.

Johann Ferdinand Schlez
Widmung in seinem Buch:
Fabeln und Sinngedichte
Marktbreit, 1787

Donnerstag, 23. April 2009

Der scharfe Essig


Prr! wie sauer muß der Wein

Schon im Faß gewesen seyn,
Der so scharfen Essig gab!
Sprach zur Mutter einst ein Knab.

Nein, er kam vom beßten Wein -
Fiel die Mutter lächelnd ein.

Liebes Frizchen, merk’ es dir!
Rief der kluge Vater hier:
Aus dem allerbeßten Freund
Wird der allerärgste Feind.

Johann Ferdinand Schlez, 1787