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Samstag, 29. Dezember 2018

Der betrogene Teufel

Die Araber hatten ihr Feld bestellt,
Da kam der Teufel herbei in Eil’;
Er sprach: Mir gehört die halbe Welt,
Ich will auch von eurer Ernte mein Teil.

Die Araber aber sind Füchse von Haus,
Sie sprachen; die untere Hälfte sei dein.
Der Teufel will allezeit oben hinaus;
Nein, sprach er es soll die obere sein.

Da bauten sie Rüben in einem Strich;
Und als es nun an die Teilung ging,
Die Araber nahmen die Wurzeln für sich,
Der Teufel die gelben Blätter empfing.

Und als es wiederum ging ins Jahr,
Da sprach der Teufel im hellen Zorn;
Nun will ich die untere Hälfte fürwahr,
Da bauten die Araber Weiz und Korn.

Und als es wieder zur Teilung kam,
Die Araber nahmen den Ährenschnitt,
Der Teufel die leeren Stoppeln nahm
Und heizte der Hölle Ofen damit.

Friedrich Rückert

Sonntag, 5. März 2017

Der Schmied und der Teufel



Relief von der Kilianskirche (Emil Wachter) in Osterburken
Fotografiert mit Bilora Radix auf ORWO s/w Film (abgel. 1982)
Entwickelt mit Cafenol


Es war einmal ein Schmied, der lebte guter Dinge, verthat sein Geld, processirte viel und wie ein paar Jahr herum waren, hatte er keinen Heller mehr im Beutel. Was soll ich mich lang quälen auf der Welt, dachte er, ging hinaus in den Wald und wollt’ sich da an einen Baum hängen. Wie er eben den Hals in die Schlinge steckte, kam ein Mann hinter dem Baum hervor mit einem langen weißen Bart und einem großen Buch in der Hand. „Hör Schmied, sprach er, schreib deinen Namen da in das große Buch, so soll dirs wohlgehen zehn Jahre lang, aber darnach bist du mein, da hol ich Dich.“ – „Wer bist du?“ sprach der Schmied – „Ich bin der Teufel.“ – „Was kannst du“ – „Ich kann mich so groß machen als eine Tanne, und so klein als eine Maus“ – „So thus einmal, daß ichs sehe,“ sagte der Schmied, da machte sich der Teufel so groß wie eine Tanne und so klein wie eine Maus. „Es ist gut sprach der Schmied, gib das Buch her, ich will mich hineinschreiben“ – Als er sich unterschrieben sagte der Teufel: Geh nur nach Haus, du wirst Kisten und Kasten voll finden, und weil du keine lange Umstände gemacht hast, so will ich dich auch in der Zeit einmal besuchen. Der Schmied ging heim, da waren alle Taschen, Kasten und Kisten voll Ducaten, und er mogte soviel davon nehmen als er wollte, es ward nicht all, und auch nicht weniger; da fing er sein lustiges Leben von vorne an, lud seine Kameraden ein, und war der vergnügteste Kerl von der Welt. Ein paar Jahre darauf sprach der Teufel einmal bei ihm ein, als er verheißen, sah zu wie die Wirthschaft ging, und schenkte ihm beim Abschied einen ledernen Sack, wer da hinein sprang, der konnte nicht wieder heraus, bis ihn der Schmied selber wieder heraus holte; damit trieb dieser seinen Spaß. Nach den zehn Jahren aber kam der Teufel und sprach zum Schmiedt „die Zeit ist herum, jetzt bist du mein, mach dich reisefertig.“ „Es ist gut,“ sprach der Schmiedt, hing seinen ledernen Sack um den Rücken und ging mit dem Teufel fort; als sie in den Wald kamen, zu der Stelle wo er sich aufhängen wollte, sprach er zum Teufel: „ich muß auch gewiß wissen, daß du der Teufel bist, mach dich erst wieder so groß wie eine Tanne und so klein wie eine Maus.“ Der Teufel war bereit und thats, und wie er sich in eine Maus verwandelt hatte, packte ihn der Schmid und steckte ihn in den Sack, dann schnitt er sich einen Stock von dem nächsten Baum, warf den Sack hin und prügelte auf den Teufel los. Der Teufel schrie erbärmlich, lief in der Tasche hin und her, aber umsonst, er konnte nicht heraus. Endlich sagte der Schmied ich will dich loslassen, wenn du mir das Blatt aus deinem großen Buch wieder giebst, auf das ich meinen Namen geschrieben. Der Teufel wollte nicht, doch endlich mußt’ er daran, da ward das Blatt herausgerissen und der Teufel ging heim in die Hölle, ärgerte sich, daß er betrogen und obendrein geprügelt war.

Der Schmid ging auch wieder zu seiner Schmiede und lebte vergnügt fort, so lang Gott wollte, endlich ward er krank und als er seinen Tod merkte, befahl er, man sollte ihm nur zwei gute, lange, spitze Nägel und einen Hammer mit in den Sarg geben. Das geschah auch. Wie er nun gestorben war und vor die Himmelsthür kam, klopfte er an, aber der Apostel Petrus wollt ihm nicht aufschließen, weil er mit dem Teufel im Bund gelebt hätte. Wie der Schmied das hörte, dreht er sich um und ging zur Hölle. Der Teufel aber wollt ihn auch nicht einlassen, er begehre ihn nicht in der Hölle, da fange er doch nur Spectakel an. Der Schmied ward bös und hub an vor dem Höllenthor Lärmen zu machen, ein Teufelchen ward neugierig und wollte sehen, was der Schmidt treibe, also machte es ein wenig das Thor auf, guckte heraus, der Schmid aber packte es geschwind bei der Nase und nagelte es an dieser mit dem einen Nagel, den er bei sich hatte, an das Höllenthor fest. Das Teufelchen fing an zu kreischen wie ein Krautlöwe, da ward noch ein anderes an das Thor gelockt, das steckte auch den Kopf heraus, aber der Schmied war nicht faul, kriegte es am Ohr und nagelte es mit diesem neben das erste. Da fingen nun beide ein solches entsetzliches Geschrei an, daß der alte Teufel selber gelaufen kam, und wie er die zwei Teufelchen festgenagelt sah, ward er bitterbös, daß er vor Bosheit anfing zu weinen, herumsprang, in den Himmel zum lieben Gott lief, und sagte, er müsse den Schmied in den Himmel nehmen, es möge gehen, wie es wolle, der nagle ihm die Teufel alle an den Nasen und Ohren an, und er sey nicht mehr Herr in der Hölle. Wollte nun der liebe Gott und der Apostel Petrus den Teufel los werden, so mußten sie den Schmied in den Himmel nehmen, da sitzt er nun in guter Ruh, wie aber die beiden Teufelchen losgekommen, das weiß ich nicht.

Anm.: Schreibwiese "Schmied", die im Original uneinheitlich ist, wurde angepasst.

Brüder Grimm
Kinder- und Haus-Märchen Band 1, Große Ausgabe.
1. Auflage Berlin 1812

Dienstag, 28. Februar 2017

Des Teufels Jahrmarktstand

Es hat einmal einer gedichtet, daß auf einem vornehmen Jahrmarkt der Teufel auch seine Hütten habe aufgeschlagen, nichts aber anders gehabt habe als Häut, deren er in Menge, gleichsam reißenderweis verkaufte. Dessentwegen hat einen Poeten der Fürwitz angespornt, zu sehen, was doch ein jedweder für Haut einkaufe und einkrame. Indem er also fortgeht, begegnet ihm ein altes Mütterle mit geschimmelter Barocka – ein rare Antiquität mit einem hölzernen Handpferd, wormit es den schwachen Füßen eine Beihülf leistete. Diese tragte etliche Haut unter den Armen, und soviel es konnte abnehmen, waren's lauter Karg-häut. Bald nach diesem sieht er kommen zwei junge Herren, die in ihrem Gespräch zuweilen ein lateinisch Wort darunter einmischten, worauf er sicher glaubte, daß sie studierte Gesellen wären. Die hatten gleichfalls ziemlich viel Haut eingekauft; und soviel er konnte erkennen, so waren's lauter Frei-häut. Unweit von diesen sah er einen, der ziemlich rot um die Nas, als war sein Gesicht aus preußischem Leder geschnitten; er haspelte gar seltsam mit den Füßen, und konnte man leicht wissen aus dem krummen Gang, daß er grad aus dem Wirtshaus komme. Der hat ebenfalls etlich Haut einkauft und ziemlich viel; es waren aber keine andern als lauter Voll-häut. Kaum als dieser aus den Augen gekommen, so vermerkte er, daß mit zugespitzten Schuhen wie die Starnitzel und Tüten eine Jungfrau dahergetreten, die aufgeputzt war wie der Palmesel acht Tag vor Ostern. Dieser gab er einen höflichen guten Morgen mit dem Beisatz, warum doch sie eifrig nach Haus eile, und bekam die Antwort, ihre gnädige Frau werde bald aufstehn, destwegen sie zum Dienst eile (es war dazumalen schon eine Viertelstund über 10 Uhr!). Diese hat sehr viel Haut vom Markt getragen, und waren's nichts als Stolz-häut. Andre tragten andre Haut: ein Fuhrmann oder Kutscher war daselbst, der hatte Grob-häut; ein Soldat hatte Frech-häut, ein Bettler Träg-häut. In Summa, allerlei Haut haben die Leut eingekauft. – Der gute Poet wollt doch auch wissen, bei was für Haut der Teufel den größten Gewinn habe; ist endlich hinter die Wahrheit kommen: daß der Satan sein bestes Intresse und Geschäftchen an – Gelegen-häut habe.

Obschon dieses Gedicht übel geschlicht', so ist doch wahr gewesen und wird auch wahr bleiben, daß die Gelegen-heit sehr viel Menschen zur Sünd und folgsam zum Teufel und Verderben bringt.

Abraham a Santa Clara
(1644 - 1709)

Samstag, 30. März 2013

Warum der Schwarzspecht auf die Bäume hackt

Lettisches Märchen.

In alten Zeiten säten der liebe Gott und der Teufel einmal gemeinschaftlich Schnittkohl. Nach der Aussaat stellte Gott dem Teufel frei, zu wählen, was er ernten wolle: den unteren oder den oberen Teil. Der Teufel wünschte den oberen. Gut! Gott gab dem Teufel die Blätter, aber er selbst fing an, den Schnittkohl zu essen. Als der Teufel sah, mit welchem Appetit Gott den Schnittkohl verspeiste, bat er, er möge ihn von seinem Teil versuchen lassen. Der Teufel fand den Schnittkohl sehr schmackhaft, und in der Absicht, ihn mit List zu gewinnen, sagte er: »Laß uns auf den Schnittkohl wetten, daß ich imstande bin, dich zu erschrecken.« »Gut – warum nicht!« antwortete der Herr. Der Teufel entfernte sich von dem Feuer, das sie im Walde angezündet hatten, um den Schnittkohl zu braten, und verursachte einen so starken Wind, daß der ganze Wald anfing zu krachen. Nach einiger Zeit kehrte er zum Feuer zurück und sah Gott in aller Ruhe dasitzen.  »Hast du dich denn gar nicht erschrocken?« fragte er. – »Weswegen sollte ich mich erschrocken haben? Glaubst du, ich hätte noch keinen Wind gesehen?« Da sagte der Teufel: »Wenn ich mich jetzt auch vor dir nicht erschrecke, so mußt du mir deinen Schnittkohl abgeben, und ich überlasse dir die Blätter.« – Der Herr war einverstanden. Und während der Teufel nach dem Schnittkohl auf das Feld ging, befestigte Gott an einem großen Baum zwei trockene Bretter aus Tannenholz so, daß sie im Winde aneinander schlugen, und ging selbst zum Feuer.

Ein wenig später kam der Teufel zum Feuer und hörte, wie in den Wipfeln der Bäume etwas plarksch, plarksch, tack, tack! mit solcher Gewalt machte, daß der ganze Wald erdröhnte.

Der Teufel erschrak furchtbar und flüchtete von dannen.

Als Gott zum Feuer kam, war kein Teufel mehr da. Ein Schwarzspecht aber erblickte den Teufel, und da er wußte, was ihn so erschreckt hatte, begann er mit seinem Schnabel auf einen trockenen Baum zu hacken und setzte dadurch den Teufel noch einmal in so große Furcht, daß er aus dem Wald herauslief und nicht mehr zurückkam. – Und noch heute behütet der Schwarzspecht auf dieselbe Weise den Wald vor dem Teufel.

Osakr Dähnhardt
Naturgeschichtliche Märchen
Leipzig/Berlin, 1925

Dienstag, 12. März 2013

Der Teufel und das Kirchlein


In Detwang, das unten am Berg liegt, auf dem Rothenburg thront, können sie sich mit einem Kirchlein und dem Teufel beschäftigen. Man erzählt, dass dieser sich so ärgerte, als er vom Kirchenbau in Detwang hörte, dass er einen schweren Felsbrocken aufnahm und sich auf den Weg machte, das Gotteshaus zu zerstören. Unterwegs traf er eine alte Frau, die auf dem Rücken einen Korb voll durchgelaufener Schuhe trug, die sie für die Nachbarn zum Schuster bringen sollte. Der Teufel, schon müde von der Last des Felsens, hielt zu einem Schwätzchen an und wollte von der Frau wissen, wie er zu dem Kirchlein in Detwang komme.  Die merkte aber wohl, mit wem sie es zu tun hatte, und sagte pfiffig: »All die Schuhe habe ich auf dem Weg von Detwang bis hierher schon durchgelaufen.« Da sah der Teufel rot. So weit sollte er noch laufen? Wütend schleuderte er den Stein beiseite und verschwand. Woran man sieht, dass die bösesten oft nicht die gescheitesten sind.

Horst-Dieter Radke

Entnommen dem Buch:


Donnerstag, 22. Dezember 2011

Der Teufel und der Bauer

Johannes Vorster:
Hugo von Trimberg "Der Renner"
Bildquelle: Wikipedia

Den Teufel hat einmal ein Bauer schön dran gekriegt und zum Narren gehabt. Wenn ihr die Geschichte hören wollt, so will ich sie euch erzählen. – Dieser Bauersmann war eines Tags bis zum späten Abend noch beschäftigt mit dem Anbau seines Ackers, und mit der Aussaat des Weizens. Wie er nun zuletzt – es war schon dunkel – sich rüsten will zur Heimfahrt, da erblickt er plötzlich mitten auf seinem Acker eine feuerrothe Stelle, wie von glühenden Kohlen. Er geht hinzu, und sieht da ein kleines Teufelein sitzen auf dem Gluthhaufen. Der sagt zu ihm: »Du sollt diesen Schatz haben, und er soll dein werden, wenn du mir jährlich die Hälfte von dem gibst, was dir dein Acker hervor bringt und einträgt.« – Der Bauer meinte: auf so einen Pakt könne er sich einlassen, und er dachte wohl sogleich daran, wie er den dummen Teufel überlisten werde. Er sagte daher, und schlug ein: »Topp! Ihr sollt die Hälfte haben von allem, was ich baue. Und damit kein Streit zwischen uns entstehe bei der Theilung, so soll euch alles gehören, was unter der Erde ist, und mir, was über der Erde ist.« Dem Teufel war dieß ganz recht; denn er hatte gesehen, wie fast alles Saatkorn unter die Erde geegget worden; und so, dacht' er, könne es ihm nicht fehlen. – Als nun die Ernte herbei kam, so erschien der Bauer mit seinen Leuten, und anderseits auch der Teufel mit seinen Gesellen. Jene fingen an, das Korn zu schneiden, und diese rauften fein die Stoppeln aus der Erde. Der Bauern drosch sein Korn auf der Tenne aus, worfelt's, lud's in Säcke, und führt's zu Markt, wo er's theuer verkaufte. De Teufel ebenfalls, setzte sich neben dem Bauer auf dem Markt hin, und bot da seine Stupfeln feil; niemand aber kaufte ihm sein Zeug ab, sondern er ward vielmehr von den Marktleuten brav ausgelacht und heim geschickt. Als der Markt zu Ende war, so sprach der Teufel zum Bauern: »Hör, Kujon! dieß Mal hast du mich betrogen; ein ander Mal gelingt dir's nicht. Bei der nächsten Aussaat und Ernte wollen wir die Sach umkehren; ich nehm', was über der Erde ist, und du kriegst, was unter der Erde ist. So geht's gleich auf.« Dem Bauern war das auch recht, und er sagte: Wie Ihr wollt, Herr Teufel, also gescheh' es. – Der Bauer säete nun auf seinem Acker Rübsamen aus, der sein gutes Gedeihen und Wachsthum hatte. Als nun die Zeit der Ernte gekommen, so erschien sogleich der Teufel mit seinen Helfern, und schnitten gar emsiglich die Rübenblätter ab, vom Boden weg, und sammelten sie ein. Hinter ihnen grub der Bauer gemächlich die Rüben aus, lud's in Säcke, und führt's nach Haus. Beim nächsten Markt verkaufte der Bauer seine Rüblein um guten Preis; der Teufel aber lösete für sein Blättericht nichts. »Ich seh wohl, Lump, sprach drauf der Teufel zum Bauern, daß du mich wieder betrogen hast. Weißt du was? um der Geschichte ein End zu machen, so wollen wir einen Pakt eingehen: wer am meisten Hitz und Schwitz aushalten kann, der soll des andern Theil gewinnen, ich dein Feld, du meinen Schatz.« Der Bauer sprach: »Drauf will ich's ankommen lassen. Kommt nur gleich! Wir lassen des Baders Badstüble heizen, so lang der Ofen halten mag. Ein Schwitzbad thut mir ohnehin schon längst Noth.« Sie gingen also beide ins heiße Badstüblein. Der Teufel setzte sich frischweg hinter den Ofen, auf die Hölle; der Bauer dagegen hielt sich nahe am Fenster, durch welches ein Lüftlein herein strich; denn es war drinnen doch gar zu mörderisch heiß. Zuletzt konnte er's schier nicht mehr aushalten; er suchte daher am Fenster eine Scheibe auszulösen, um etwas Luft zu bekommen. Da fragte ihn der Teufel: Was machst du denn dort? was treibst du, Kalfakter? Der Bauer antwortete: »Ich vermache und verstopfe nur hier die Löchlein und Ritzlein all, durch welche die Luft herein dringt. Sonst kann's ja nicht warm werden im Stüble. Mich friert wenigstens noch. Wie ist's Euch?« »Daß du in der tiefsten Höll' bratest, du verdammter Racker!« – sagte der Teufel voll Zorn; und indem er sich für überwunden hielt, nahm er sogleich Reißaus durchs Kamin, und ließ sich vor dem Bauern nimmer sehen. –

»Hat also der Bauer den Schatz richtig gekriegt?« fragte Fritz. »Darüber magst du ihn selbst fragen,« antwortete der Vater.

Ludwig Aurbacher
Ein Büchlein für die Jugend
Stuttgart/Tübingen/München 1834

Mittwoch, 21. Dezember 2011

Der Teufel und die doppelte Tierkraft

Bildquelle: Wikipedia

Der Löwe stritt einst mit der Schlange, wer von beiden eines höhern Geschlechts sei. Der Löwe sagte: »Der große Jupiter schuf mir hinter meinem Rachen eine sorgenfreie Brust.« Die Schlange antwortete: »Und mir gab er eine Kraft zu töten, die keinen Schein hat, und eine Wohnung, zu welcher niemand kommen kann.«

Der Teufel hörte ihr Gespräch und sagte zu sich selber: »Bei meiner Hölle, wenn die Kräfte, die in diesen zwei Tieren liegen, in einem einzelnen vereinigt wären, ich hätte vor diesem fast soviel als nichts zum voraus.«

Ein Mann, der dieses Gespräch hörte, sagte: »Wenn der Teufel diese doppelte Tierkraft unter den Menschen gesucht hätte, so hätte er sie hie und da ganz gewiß vereinigt gefunden.« Er setzte dann noch hinzu: »Aber Gnade Gott einem jeden Menschen, der unter die Hände einer dieser vereinigt gedoppelten Tierkraft zu fallen das Unglück hat.«

Heinrich Pestalozzi
Nr. 70 (PSW 11, S.138)

Dienstag, 20. Dezember 2011

Laß dich den Teufel bey einem Haare fassen …

Laß dich den Teufel bey einem Haare fassen; und du bist sein auf ewig?

Gotthold Ephraim Lessing
aus: Emilia Galotti

Montag, 19. Dezember 2011

Belial und Satan


Belial

Ha! lieber Vetter, könnten wir
Doch Seelen tödten, glaube mir,
Es gäbe was zu lachen.

Satan

Du schwatzest wie ein dummer Wicht;
Ich würde, wären sie es nicht,
Sie stracks unsterblich machen.
Gottlieb Konrad Pfeffel

Dienstag, 12. Januar 2010

Der Basilisk auf dem Burgberge



Auf dem Burgberge und in seiner Umgebung hat sich früher eine ungeheure Schlange gezeigt, die ist so lang gewesen wie ein Heubaum und wird von einigen die große Otterschlange, von den meisten aber der Basilisk genannt. Einige halten dafür, daß die weiße Jungfer aus dem Schloßbrunnen sich habe in diese Schlange verwandeln können, andere sagen: die Schlange sei der Teufel gewesen, der die Schätze in den unterirdischen Gängen und Höhlen von außen bewacht habe. Das wissen die meisten, daß der Basilisk der Schätze wegen da gewesen sei, die in dem Gange hinter der eisernen Thür sind, und daß er den Menschen hat Furcht einjagen sollen, wiewohl er niemanden etwas gethan hat. Oft hat er auf der Burgwiese da gelegen und den Kopf auf den Boden gescheuert. Endlich, bei einem Waldbrande an der Stelle, die jetzt die Brandklippe heißet, soll der Basilisk mit verbrannt sein und einen furchtbaren Quik gethan haben. Aber andere sagen, der Basilisk sei seitdem schon wieder gesehen worden. Einmal soll auch ein junger Basilisk gesehen worden sein, der hat ausgesehen wie eine Puppe.


Heinrich Pröhle
Harzsagen,
zum Teil in der Mundart der Gebirgsbewohner
Leipzig 1886

Samstag, 31. Oktober 2009

Der Basilisk

Basilisk aus dem Basler Münster

Zu Satan sprach die alte Schlange:
Ich borgte dir zum Untergange
Des Menschen meinen Balg; allein was war mein Lohn?
Des Rächers Fluch und der noch ärgre Hohn,
Als Wurm auf meinem Bauch zu gehen.
Kann deine Kunst mein Ungemach
Nicht lindern, ha! so mußt du mir gestehen,
Mein Freund, du bist auch gar zu schwach.
Ich kann es und du sollst es sehen,
Rief der Verführer brüllend aus.
Er speyt die Natter an. Aus ihrem Rücken sprießen
Zween Flügel, gleich der Fledermaus;
Ihr Bauch erhebet sich auf gelben Hahnenfüßen
Und zeigt der schauernden Natur
Den grassen Basilisk. Mit höllischem Vergnügen
Schaut Satan auf sein Werk. Die neue Kreatur
Versucht es bald zu gehen, bald zu fliegen,
Und zischt den Rächer aus. Itzt bleibt ihr trunkner Blick
Auf einem klaren Bache kleben:
Sie sieht ihr Bild und fährt zurück
Und haucht bereits ihr junges Leben
In ihres Schöpfers Hand. Allein der alte Wicht
Faßt lachend sie beym Kamm: »was soll das dumme Beben,
Gefällst du dir im neuen Schmucke nicht?«
Der Basilisk erwacht: »vergieb mir meinen Schrecken,
Mein blöder Geist war nicht darauf gefaßt,
Im Körper, den du mir gegeben hast,
So manchen Zug des Deinen zu entdecken.«
Ey nun, ich mach es wie mein Feind
Dort oben in dem Sterngefilde,
Versetzt der Schalk: ich schaffe meinen Freund –
Nach meinem Ebenbilde.

Gottlieb Konrad Pfeffel
aus: Poetische Versuche, Erster bis Dritter Theil
Band 2, Tübingen 1802

Sonntag, 5. Juli 2009

Die 56. Fabel: Wodurch die bösen Weiber in die Welt gekommen sind


Ein Reiter reiset durch einen Wald; daselbst hörte er ein grosses Geschrey, als ob jemand in Noth und Gefahr wäre. Er lief geschwind dahin, wo das Geschrey herkam, daselbst fand er ein Mägdchen, welcher der Teufel Gewalt thun wollte. Der Reiter, der ein mitleidiger Mann war, und das Frauenzimmer gar nicht hassete, eilete, um das Mägdchen zu retten. Er zog seinen Pallach, um dem Teufel den Kopf abzuhauen; aber weil er im Eifer zu stark ausholte, so hieb er beyden zugleich die Köpfe ab. Diesen Fehler wollte er in aller Eil verbessern. Aber, weil es gegen Abend war, und er folglich beyde Köpfe nicht wohl von einander unterscheiden konnte: so ergriff er aus Irrthum den Kopf des Teufels, und setzte ihn auf den Rumpf des Mägdchens. Man glaubt, daß von ihr die bösen Weiber herstammen.

Moralische Fabeln
mit beygefügten Erklärungen einer jeden Fabel
Aus dem Dänischen des Herrn
Barons von Holberg
übersetzt durch J.A.S.K.D.E.
Leipzig 1752

Freitag, 27. Februar 2009

Teufelglauben

In Reben umflattert ein Lumpen den Dorn
als schwarzer Teufel mit Schwanz und mit Horn,
und Füchse predigen überall:
die Diebe hole der Teufel all.
Das glauben die Vögel geraume Zeit,
und halten sich von den Trauben weit;
die Füchs’ aber stehlen ungescheut.
Da keinen der Schwarze beim Fell ergreift,
naht auch das lustige Volk und verpfeift,
was es einfältig so fest geglaubt.
Sie sitzen dem Teufel sogar aufs Haupt
und schnabelieren, was sie geraubt.

Abraham Emanuel Fröhlich

Sonntag, 7. Dezember 2008

Krötenfabeln und -sagen


Daß auch die Kröte einen wunderwirkenden und zauberkräftigen Stein im Haupte tragen soll, ist bekannt. Wie weit ihr Name mit dem des Krodo zusammenhängt, ist nicht gut nachweisbar. Des Thieres häßliche Gestalt mag die Schimpfnamen Teufelskröte und Krötenteufel auch ohne Beziehung zum angeblichen Harzgott hervorgerufen haben. Eher spielten Kröten in der Hexenwelt eine Rolle. Der Teufel erschien als Kröte oder sandte in ihrer Gestalt seine dienstbaren Geister. Schaurig ist eine Sage aus der Nähe von Köln, wo eine Hexe ein Huhn hat, das eigentlich nur eine große Kröte ist, und fort und fort, so lange sie mit einer Gerte gestupft wird, Hühnereier legt. - Zweien Knaben, die ihren Vater mißhandeln, von ihm verflucht werden und ihm wieder fluchen wollen, werden die Zungen zu giftigen Kröten (D.Sagenb. 617.) Eigenthümlich ist die Sage vom Krötenberg bei Landshut, der zu gewissen Zeiten Kröten in einer Ueberzahl gebiert, die dann einen nahen Weiher ganz erfüllen, und eine kommende reiche Aernte voraussagen. …

Ludwig Bechstein
Urzeitsagen

aus: Gesammelte Werke, Bd. 11

Dienstag, 18. November 2008

Gottsched aber entgegnet…

Quelle: Wikipedia

Gottsched aber entgegnet: das sei ja eben das Preiswürdige bei der Sache! die Vernunft sei gottlob geläutert bei uns und die ausschweifende Einbildungskraft in ihre Schranken gewiesen; das habe den Fall Lohensteins bewirkt und dauerhafte Schönheiten dafür zuwege gebracht. Er spricht von den »Teufeleien des Tasso«, von den »abgeschmackten Hexereien des Shakespeare«, verwirft Oper und Kantate, »weil der Verstand dabei nichts zu denken habe«, er will, dass die tragische Schreibart stets »auf Stelzen, die komische barfuß gehe«, und weiß, in völliger Impotenz der Phantasie, die Fabel nur durch den lahmen Gelehrtenwitz zu retten, daß man voraussetzen müsse, die Bäume und Tiere, die da reden, hätten vielleicht in einer anderen Welt Verstand und Sprache. – Mit einem Wort: Bodmer verfocht volkstümlich die aufstrebende Gelehrtenrepublik; Gottsched den literarischen Absolutismus.

Joseph von Eichendorff
Geschichte der poetischen Literatur Deutschlands
1. Teil

Freitag, 18. Juli 2008

Fabelbuch

lat. fabularum liber. Einfach nur ein Buch mit Fabeln? Warum lässt Goethe Mephisto im »Faust« sagen: Er (der Satan) ist schon lang ins Fabelbuch geschrieben. Das Fabelbuch ist also etwas mehr als nur ein Buch. Alles was drin steht, hat eine Bedeutung über das Vordergründige hinaus. Insofern ist der Satan nur eine Allegorie, keineswegs fabelhaft, aber eine Fabel allemal.

Horst-Dieter Radke