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Freitag, 8. März 2019

Der böse Basilisk

Der böse Basilisk aus hellem Spiegel seuget
Zu eigenm Untergang selbst seiner Augen Gifft.
Wer Bosheit anzuthun dem Nechsten ist geneiget,
Ist billig daß ihn selbst sein Mörder-Anschlag trifft.

Eduard Mörike

Dienstag, 11. April 2017

Der Basilisk zu Memmingen

Melchior Lorck: "Basilischus" (Basilisk), Radierung 42 x 62 mm, aus dem Jahr 1548
Bildquelle: Wikimedia

An ama Haus henter'm Engel z'Memmenga sieht mã an geala Basilischka mit era fuirothe Zonga. – Dau haut mã amaul d'Magd in Keller na g'schickt und haut g'wahtet und g'wahtet, aber s'ischt koĩ Magd meh rauf komma. Do haut mã eppen andersch na g'schickt, aber s'ischt wieder nemad rauf komma, denn sobald's der Basilischk angucket haut send se g'schtorba. Am End gaut oiner her, nemmt an Schpiegel und laut da Basilischka neĩ gucka, und sobald se der sell drenn g'sẽ a haut, ischt er uf der Schtell verreckt. –
Wenn a Gockeler reacht alt wird, so legt er an Oi, bruatets aus, und us dem wird denn a Basilischk.

Alexander Schöppner
Sagenbuch der Bayer. Lande
München 1852–1853

Donnerstag, 6. Juni 2013

An ama Haus sieht ma an geala Basilischka …

An ama Haus henter'm Engel z'Memmenga sieht mã an geala Basilischka mit era fuirothe Zonga. – Dau haut mã amaul d'Magd in Keller na g'schickt und haut g'wahtet und g'wahtet, aber s'ischt koĩ Magd meh rauf komma. Do haut mã eppen andersch na g'schickt, aber s'ischt wieder nemad rauf komma, denn sobald's der Basilischk angucket haut send se g'schtorba. Am End gaut oiner her, nemmt an Schpiegel und laut da Basilischka neĩ gucka, und sobald se der sell drenn g'sẽ a haut, ischt er uf der Schtell verreckt. –

Wenn a Gockeler reacht alt wird, so legt er an Oi, bruatets aus, und us dem wird denn a Basilischk.


Alexander Schöppner
Sagenbuch der Bayer
München 1852/53



Sonntag, 23. Oktober 2011

Die Henne und die jungen Basilisken

Der Aberdeen Basilisk
(Bildquelle: Wikipedia)

Eine Henne fand Basiliskeneyer. Sie setzte sich darauf, und brütete sie aus.
Kaum schloffen die Jungen heraus, so frassen sie ihre Erzeugerin.

Wer bösen Leuten Schutz giebt, der ist vor ihren Streichen niemals sicher.

Heinrich Brauns
Versuch in prosaischen Fabeln und Erzählungen
München 1772
zu finden bey Joahnn Nepomuk Fritz,
und Augspurg bey Iganz Anton Wagner,
Buchhändlern.

Dienstag, 18. Mai 2010

Der Zaubermantel


Bildquelle: Wikipedia

»Was frommt nun dumpfes Brüten bei Dingen, die geschah'n?
Das ist ein Basilisk-Ei, gelegt von einem Hahn.
Der Hahn, der heisst Gewissen, ist Wächteramts bewusst,
Der Basilisk ist Trübsinn, vergiftend jede Lust.«

»Auf, auf, zu frischem Leben! Fort in die weite Welt,
Wo nicht solch bittrer Unmuth die Freuden Dir vergüllt!
Zu frohen Hochzeitfesten, zu Reigen und Turnier!
Von allen schlimmen Gästen ist Gram der schlimmste mir.«

So spricht zu Faust Mephisto, zu dem gebeugten Mann,
Der seines Namens Makel noch nicht vergessen kann.
Der seines Stolzes Glanzschild entehrt sieht und befleckt,
Und sich so weit vom Ruhmziel, das er sich ausgesteckt.

»Wohlan denn, fort! Und trage mich nun auf sichrer Bahn!
Ein irrender Odysseus im Lebensozean,
Bin bald ich der Charybdis, bald Soylla's Heuleu nah,
Doch nimmer werd' ich finden der Sehnsucht Ithaka!«

»Und nun wohin Mephisto? Den Ort bestimme gleich!« –
Da kommen drei Barone, jung, freudesüchtig, reich.
»Wir tragen grosse Bitten Euch vor, erhabner Mann,
Der, was unmöglich scheine, leicht möglich machen kann!«

Und Faustus: »Redet Freunde, sagt an, was Ihr begehrt!
Es hat Euch meine Liebe schon Euern Wunsch gewährt.
Ihr scheint mir reiselustig, und reisefertig gleich,
Verlangt Ihr eine Lustfahrt, so theil' ich sie mit Euch!«

›Ihr wisst, der Baierherzog vermählt der Tochter Hand;
Ganz München glänzt im Festprunk, zu weit nur liegt das Land.
Wir möchten gern die Feier und gern das Brautpaar sehn,
Doch nur, wenn Ihr uns hülfreich, o Faustus, kann's geschehn.‹

Eine glatte Schlange giebt es, die leicht in Herzen schleicht,
Und einen süssen Honig, der Macht als Kost gereicht.
Und eine Blume, giftig, voll Balsamdufts dabei:
Sieh, Schlange, Honig, Blume, das ist die Schmeichelei.

»Wir schaun das Fürstenbrautpaar, eh' wieder Abend naht,
Nur sorget, dass nicht lautbar und stadtkund wird die That.
Wir wollen schneller reiten, wie Perseus einstens ritt,
Wir nehmen nur das Hütlein des Fortunatus mit.«

»Ich, Faustus-Fortunatus, führ' Euch auf luft'ger Bahn;
Es wird im Meer der Wolken mein Mantel unser Kahn.
Wir segeln hoch und schweigend, vom Aetherduft umhaucht,
Ins Bad der Morgenröthe das kühne Haupt getaucht!«

So redet Faustus heiter, er winkt dem Diener zu;
Aus breitet der den Mantel – sie schwinden hin im Nu.
Hoch über Berg' und Wälder, gleich einer Wolke Zug,
Die Sturmwind fortpeitscht, richten sie südwärts ihren Flug.

Und eh' der Alpen Kronen erglühn im Morgenschein,
Die fern heräbergrüssen ins ebne Land herein,
Stellt schon auf festen Boden der Zaubrer seine Last,
Die, schwindelnd von der Luftfahrt, noch kaum das Wunder fasst.

Und wo mit hellen Zinnen aufragt die Residenz,
Grüsst man die reichen Fremden mit tiefer Reverenz.
Sie schreiten, wie geladen, durch das Gewühl voll Pracht,
Sie scheinen selber Fürsten, so reich ist ihre Tracht.

Sie sehn den Glanz der Feste, sie sehn das hohe Paar,
Sie sehn der edlen Gäste glanzvoll geschmückte Schaar.
Die reichen Prachtgeschenke, den hellen Fackeltanz;
Den Himmel hier voll Schönheit, und dort ein Meer voll Glanz.

Und als auf braunen Schwingen die Nacht sich niedersenkt,
Der Wolkenschiffer wieder die Mantelfähre lenkt.
Die Freunde, schlummertrunken und trunken auch von Lust,
Sind wieder heim gekommen, der Luftfahrt kaum bewusst.

Und als sie dann erwachen, dünkt sie's ein wirrer Traum.
»Trug nicht ein leichter Nachen uns durch der Lüfte Raum?
Wo blieb nun unser Schiffer, der zaubermächtge Faust?«
Der war auf Sturmesflügeln nach anderm Ort gebraust.

»So recht, mein Faustus!« redet der Geist den Zaubrer an;
»Fort mit dem dumpfen Brüten bei Dingen, die geschahn.
Das Leben währt nicht lange; geniesse, weil Du lebst!
Die Lust ersteht nicht wieder, die Du im Gram begräbst!« –
Ludwig Bechstein
aus: Faustus. Ein Gedicht
Leipzig 1833

Mittwoch, 17. März 2010

Das tanzende Terrarium

Grotesque sentimentale

Ich widme diese Verse
Dem großen erhabenen Salamander.
Das heißt: Der zwanglosen Vereinigung
Jüngerer Terrarien- und Aquarienfreunde,
Deren Mitglied ich bin als Nummer 124.

Es soll mir niemand nachsagen,
Daß ich undankbar oder vergeßlich bin.
Ich bin imstande, für meine Freunde
(Und Freundinnen) alles zu tun.

Libellula Immaculata,
Über den Teichen schwebend im Juniglanze.
Ich liebe dich unsäglich.
Komm in mein Netz!
Behutsam will ich dich fassen,
Du Goldgeflügelte,
Verweile einen Augenblick auf meiner Hand!

Blutrote Posthornschnecke,
Nimm diesen Brief und bring' ihn meinem Mädchen!
Lauf, so schnell du kannst!
Nächsten Freitag (Karfreitag) veranstaltet
(Druckfehler: verunstaltet)
Die zwanglose Vereinigung
»Groß-Berliner Aquarienfreunde«
Eine Tümpeltour nach Finkenkrug.
Man bewaffne sich
(Nicht mit Handgranaten, sondern): Netzen, Gläsern:
Das Plankton der Zeit in seine Butte zu füllen.

Mein Barsch ist immer so barsch zu mir.
Mein Schlei hat sich gesteigert und wurde zum Schleier,
Im Komparativ silbrig hängend um eine schöne Stirn.
Der Karpfen vertauschte seinen zweiten und dritten Buchstaben
Und man speiste ihn zur Fastnachtsbowle.
Wohl bekomm's! (Den neunstachligen Stichling
Wird man sich besser nicht in den Mund stecken.)

Der Chlysodaurus ist ein lustiger Kerl.
Den ganzen Tag tanzt er hin und her.
Er hat meiner Putzfrau schon Chlysodaurustrott beigebracht.
Wenn Sie wollen, unterrichtet er Sie gegen mäßiges Honorar
(Tausend Fliegen pro Stunde)
Im indischen Dschungeltanz (neueste Figuren).

Dorippa (was für ein süßer Mädchenname)
Lanata trägt Sommer und Winter denselben großen Muschelhut.
Es läßt sie so kalt wie Eispolarwasser,
Wenn Frau Assessor ihr begegnet, sich über die Unmodernität
Ihres Kopfschmuckes chockiert, moquiert:
Dorippchen, wie können Sie bloß! –
Dorippchen ist das ganz egal.
Bei den Krebsen wechselt die Mode bloß alle tausend Jahr.

Heute Nacht brannte es im Dorf.
Die Feuerwehr wurde alarmiert.
Ein Feuersalamander hatte sieben Scheunen angezündet.

Ein Tigerfisch sprang aus dem Teich
Und riß ein Kalb von einer Herde, die vorüberweidete.
O, wie erbleichte schier Nymphe alba, meine zarte Hirtin!

Zwei Basilisken tanzten im Abendrot.
Eine Erdkröte spielte Harmonium.
Ein paar Tritonenbengels lachten sich einen Ast,
Auf welchem eine Nachtigall saß
Und (eine Trommel) schlug.

Gordius, der gordische Knoten, zerhieb sich selbst.
Zu seiner (nicht geringen) Verwunderung bemerkte er:
Daß er ganz geheimnislos, unkompliziert,
Daß (gleichsam) er sich sinnlos, zwecklos, selbst zerspalten.

Von nun ab verschmähten die Gordii
Die rationelle Aufklärungsmethode.
Sie sagten jeglicher Wissenschaft ab
Und zerbrachen sich nicht den Kopf darüber,
Was vorn und hinten bei ihnen,
Und After und Maul, Kopf und Schwanz,
Solches war ihnen alles eins.

Der Strudelwurm hat's gut.
Wenn er heiraten will, heiratet er einfach: Sich.
Er verliebt sich in sich,
Er verlobt sich mit sich.
Er geht mit sich schlafen.
Wie kringelt er sich (heissa!)
In der Brautnacht, der längst erwünschten!
Nach neun Monaten teilt er sich einfach mittendurch und ist: Zwei.
Mutter und Kind, Vater und Kind.

Wer liefert mir kleine Regen- und Sonnenwürmer?
Meine Molche hungern.
Ich bin ein armer terrarischer Prolet.
Einen Regenwurm, meine schöne Dame, im Vorüberwandeln!
Einen Sonnenwurm, mein feiner Herr,
Für meine armen hungernden Molche.

Falls Sie eine Lanze haben, so bitte ich Sie,
Dieselbe für die Kreuzotter zu brechen!
Selbige wird noch immer sehr mißverstanden.
Sie ist ein gutartiges, sanftes, zutrauliches Haustier.
Frißt aus der Hand und ihre possierlichen Bocksprünge erheitern jedermann.
Sie beansprucht nichts als freundliche Behandlung,
Sieht mehr auf Anschluß ans Familienleben als gute Bezahlung.
Und ist mit Butter zum Frühstück und einem Eierkognak
Nach dem Nachtmahl durchaus zufrieden.
Klabund
aus: Die Harfenjule
Berlin, 1927

Dienstag, 12. Januar 2010

Der Basilisk auf dem Burgberge



Auf dem Burgberge und in seiner Umgebung hat sich früher eine ungeheure Schlange gezeigt, die ist so lang gewesen wie ein Heubaum und wird von einigen die große Otterschlange, von den meisten aber der Basilisk genannt. Einige halten dafür, daß die weiße Jungfer aus dem Schloßbrunnen sich habe in diese Schlange verwandeln können, andere sagen: die Schlange sei der Teufel gewesen, der die Schätze in den unterirdischen Gängen und Höhlen von außen bewacht habe. Das wissen die meisten, daß der Basilisk der Schätze wegen da gewesen sei, die in dem Gange hinter der eisernen Thür sind, und daß er den Menschen hat Furcht einjagen sollen, wiewohl er niemanden etwas gethan hat. Oft hat er auf der Burgwiese da gelegen und den Kopf auf den Boden gescheuert. Endlich, bei einem Waldbrande an der Stelle, die jetzt die Brandklippe heißet, soll der Basilisk mit verbrannt sein und einen furchtbaren Quik gethan haben. Aber andere sagen, der Basilisk sei seitdem schon wieder gesehen worden. Einmal soll auch ein junger Basilisk gesehen worden sein, der hat ausgesehen wie eine Puppe.


Heinrich Pröhle
Harzsagen,
zum Teil in der Mundart der Gebirgsbewohner
Leipzig 1886

Donnerstag, 12. November 2009

Tres faciunt Collegium


Weh, ein Morast ist unsre Zeit!
Drin machen sich ekelerregend breit
Kröte, Basilisk und Unke;
Und wöchentlich schon – juchheideldidum –
Predgen vor ihrem Publikum
Herr Most, Herr Stöcker und Herr Majunke!

Arno Holz
aus: Buch der Zeit
Berlin, 1886

Dienstag, 10. November 2009

Der König unter den Schlangen


»Der Basilisk ist der König unter den Schlangen; wenn er einen Menschen ansieht, tödtet er ihn. Hat einen gekrönten Kopf, zwo Spannen lang, und fast spizige rothe Augen, sein Farb zeucht sich auf die schwarze und gelbe. Er soll etwan von einem Hanen gebohren werden, dann der Han in seinem lezten Alter legt ein Ey, daraus der Basilisk entspringt. Von den Wiseln wird er überwunden und getödtet.« (Von ihm schreibt ein Mehreres Ambrosius Pareus, Chirurgia lib. XX. cap. 19. Galenus. Antius. Erasistratus.)

Lonicerus
Kräuterbuch
Ulm 1679

Donnerstag, 5. November 2009

Hildegard und der Basilisk


Hildegard von Bingen (ca. 1098-1179), die bedeutendste Mystikerin des Mittelalters, veröffentlichte neben ihren Visionen auch Schriften über Medizin und Natur. Dabei fasste sie das damalige Wissen der Zeit zusammen, was manchmal in skurrilen Beschreibungen kulminierte:

»Der Basilisk entsteht aus gewissen Würmern, die etwas vom teuflischen Gewerk haben, wie die Kröte. Als sich die Kröte einst trächtig fühlte, sah sie ein Schlangenei, setzte sich zum Brüten darauf, bis ihre Jungen zur Welt kamen. Diese starben; dann brütete sie das Ei weiter, bis Leben in dasselbe kam, welches alsbald von der Kraft der alten (paradiesischen) Schlange beeinflusst wurde. Als die Kröte Leben im Ei sah, floh sie, da Junge aber zerbrach die Schale und schlüpfte aus, gab aber sogleich einen Hauch wie heftiges Feuer, ähnlich dem Donner und Blitz, von sich. Bis zum völligen Auswachsen gräbt es sich fünf Zoll tief in den Boden, dann kommt es wieder hervor und tötet alles, was ihm in den Weg kommt. Wo ein toter Basilisk verfault, sei es auf dem Acker oder im Hause, verbreitet er Verderben, Unfruchtbarkeit und Pestkrankheiten.«

Weder werden Kröten trächtig noch brüten sie Eier aus, eigene nicht und keine fremden. Auch ist die Kröte kein Wurm, noch hat sie teuflisches Gewerk in sich. Allerdings fehlt in Hildegards Beschreibung der tödlich Blick und die Vernichtung des Fabeltiers durch einen Spiegel. Stattdessen ist von einem tödlichen Hauch die Rede.

Aktuell läuft mit Vision - Aus dem Leben der Hildegard von Bingen ein Film in den Kinos, der ein wenig über die äußeren Umstände ihres Lebens berichtet, aber wenig oder kaum von dem, was sie im Innern bewegte.

Hildegard von Bingen
Horst-Dieter Radke

Dienstag, 3. November 2009

Der Basilisk zu Trier


Dicht an dem alten Neuthor steht heut noch rechts ein altes Gebäude, welches früher ein Befestigungsthurm gewesen zu sein scheint. In demselben ist jetzt noch zu ebener Erde rechts ein dunkler Raum, dort soll sich früher ein Ungeheuer aufgehalten haben, halb Hahn, halb Drache. Aus seinem Schnabel kam Feuer heraus, sein Schwanz glich einem Drachenschweife, auf seiner schwarzen Federbrust wallte ein Ziegenbart mit Giftschaum benetzt, an jeder seiner Fersen war ein scharfer Sporn und an seinen Zehen drohten starke Klauen. Im Magen hatte das Thier ein Goldei. Es war unverwundbar gegen Feuer, Schwert und Pfeile, nur wenn es sein Bild im Spiegel sah, mußte es sterben. Allein schwer scheint es gewesen zu sein, letzteren dem Thiere vorzuhalten. Keiner wenigstens, der sich in den Thurm mit einem solchen wagte, ist wieder zurückgekehrt. Sein Bild in Relief ausgehauen befand sich bis zum Jahre 1817 noch an einem der Thürme des Thores, jetzt wird es in Trier noch in dem Saal der Gesellschaft für nützliche Forschungen vorgezeigt.

Johann Georg Theodor Grässe
Sagenbuch des Preußischen Staates
Band 2, Glogau 1868/71, S. 103

Sonntag, 1. November 2009

Dieses Fabelthier existierte schon in der Einbildung der Alten …


Basilisk, Basiliske. Dieses thier existierte schon in der Einbildung der Alten; nur mit dem unterschied, daß es nach ihnen mehr einer Schlange glich. Der Name kommt von dem griechischen basilikos her, welches einen König bedeutet. Man nannte das Thier darum so, weil es auf dem Kopf einen weißen kronenähnlichen hatte. Der Leib des Basilisken ist, der alten Fabel nach, 1 Fuß lang, schlangenförmig, bewegte sich aber nicht so wie eine Schlange; sondern ging aufrecht. Er war das Schrecken aller anderen Schlangen, und nicht nur sein Biß, sondern sogar sein Blick tödtete; Sein Haus war gleichsam pestilenzialisch. Thiere, die ihn nur von fern einsogen, starben augenblicklich; ja selbst Bäume und Pflanzen gingen davon aus. Sein Gift war das fürchterlichste in der ganzen Natur; selbst Steine barsten von einander, wenn der Basilisk sie besprühte. Alles, was er mit seinem Körper berührte, brachte Menschen und Thieren den Tod, wenn sie es antasteten. Er nährte sich vom Aase, und lebte in Afrika.

So schrecklich der Basilisk war, so gab es doch Thiere, vor denen er sich fürchten mußte: den Hahn und das Wiesel. Ersterer war im Stande, das Ungeheuer durch sein krähen und durch seine Ausdünstungen zu tödten; dieses biß es zu Tode.

Ganz anders sieht der Basilisk aus, der noch jetzt in den Köpfen abergläubiger unwissender Menschen spukt. Mit dem Haushahn hat er die meiste Aehnlichkeit; sein Kopf, sein Hals, sein Rumpf, die Beine sind Theile eines Hahns, eben so ist die Stellung ganz der von einem Hahne gleich; aber die Flügel sind Drachenflügel und der Schwanz ein Drachenschwanz. Federn hat das Thier gar nicht. Seine Entstehung ist folgende: in dem neunten Lebensjahre legte der Haushahn in einen abgelegenen finstern Winkel - am liebsten im Keller - ein Ei; aus diesem entsteht entweder von selbst oder durch Bebrütung einer Kröte der oben beschriebene Basilisk. Die neuere Fabel läßt es diesem Thiere ebenfalls nicht an Furchtbarkeit fehlen. Sie stattet es reichlich mit Gift aus, und schreibt auch schon dem Blicke eine tödtende Kraft zu; ja, der Sage nach ist der neuere Basilisk noch ärger, als der alte; denn er hat keinen Feind, und weder der Mensch, noch sonst ein Geschöpf vermag ihn zu tödten. Nur er selbst kann dies oder vielmehr sein Bild, wenn er es erblickt. Ein vorgehaltener Spiegel, der ihn dies sehen läßt, tödtet ihn auf der Stelle.

Wer den unwissenden, verwahrlosten Haufen unter den Menschen näher kennt, und sich nur einigermaßen um seinen Aberglauben bekümmert, dem kann es nicht entgehen, daß das Angeführte für unbezweifelt wahr von demselben gehalten wird. Diese alberne Einbildung wird noch dadurch genährt, daß auch Beispiele von dem Schaden erzählt werden, den der Basilisk angerichtet haben soll. So vermißte z.B. im Jahr 1587 zu Warschau eine Mutter 2 ihrer Kinder. Die darnach ausgeschickte Magd fand sie auf den untersten Stufen des Kellers in einem alten verfallenen Hause; da sie auf ihr Rufen nicht hörten, so war sie der Meinung, daß sie eingeschlafen wären, und trat hinzu, um sie aufzuwecken; aber sie fiel selbst todt nieder. Das Ausbleiben der Magd vermehrte die Besorgniß der Mutter noch mehr, und trieb sie an, die Verlornen selbst zu suchen. Sie kam auch an den Keller, sah die beiden Kinder nebst der Magd todt liegen, erhub ein klägliches Geschrei, und lockte viel Volk dadurch herbei. Die Todten wurden herausgezogen und besichtigt. Ihre Leiber waren aufgeschwollen, die Augen ragten weit hervor, die Zunge war dick und der ganze Körper schwarzbraun, und Niemand wußte die Ursach dieses schrecklichen Vorfalls anzugeben. Endlich kam die Sache vor den Leibarzt des Königs; dieser, ein erfahrner Mann, vermuthete sogleich, daß ein Basilisk im Keller steckte, und rieth, um ihn zu tödten, einen Menschen mit Spiegeln behangen in den Keller zu schicken. Ein zum Tode verurtheilter Missethäter übernahm das Wagstück, mit Leder gepanzert und mit Spiegeln über und über behangen, in der einen Hand eine Fackel, in der andern eine lange Kneipzange gieng er in den Keller, und fand nach langem Suchen das Ungeheuer in einem Winkel sitzen. Es war schrecklich anzusehn; aber nicht im Stande, dem Manne zu schaden; denn in dem Augenblick, als es seine Augen auf die Spiegel richtete, und sein Bild darin gewahrte, war es todt. Triumphierend zog es aus dem Keller, maß und besah es genau, und nach dieser Beschreibung war es ganz der Basilisk, wie wir vorher geschildert haben. …

aus: Neues Natur- und Kunstlexicon …
Zum bequemen Gebrauch insonderheit auch für Ungelehrte
und für gebildete Frauenzimmer

ausgearbeitet von G.H.E. Lippold
und herausgegeben von C.Ph. Funke
Weimar 1801

Samstag, 31. Oktober 2009

Der Basilisk

Basilisk aus dem Basler Münster

Zu Satan sprach die alte Schlange:
Ich borgte dir zum Untergange
Des Menschen meinen Balg; allein was war mein Lohn?
Des Rächers Fluch und der noch ärgre Hohn,
Als Wurm auf meinem Bauch zu gehen.
Kann deine Kunst mein Ungemach
Nicht lindern, ha! so mußt du mir gestehen,
Mein Freund, du bist auch gar zu schwach.
Ich kann es und du sollst es sehen,
Rief der Verführer brüllend aus.
Er speyt die Natter an. Aus ihrem Rücken sprießen
Zween Flügel, gleich der Fledermaus;
Ihr Bauch erhebet sich auf gelben Hahnenfüßen
Und zeigt der schauernden Natur
Den grassen Basilisk. Mit höllischem Vergnügen
Schaut Satan auf sein Werk. Die neue Kreatur
Versucht es bald zu gehen, bald zu fliegen,
Und zischt den Rächer aus. Itzt bleibt ihr trunkner Blick
Auf einem klaren Bache kleben:
Sie sieht ihr Bild und fährt zurück
Und haucht bereits ihr junges Leben
In ihres Schöpfers Hand. Allein der alte Wicht
Faßt lachend sie beym Kamm: »was soll das dumme Beben,
Gefällst du dir im neuen Schmucke nicht?«
Der Basilisk erwacht: »vergieb mir meinen Schrecken,
Mein blöder Geist war nicht darauf gefaßt,
Im Körper, den du mir gegeben hast,
So manchen Zug des Deinen zu entdecken.«
Ey nun, ich mach es wie mein Feind
Dort oben in dem Sterngefilde,
Versetzt der Schalk: ich schaffe meinen Freund –
Nach meinem Ebenbilde.

Gottlieb Konrad Pfeffel
aus: Poetische Versuche, Erster bis Dritter Theil
Band 2, Tübingen 1802

Sonntag, 16. November 2008

Schlangen und Drachen


Große Schlangen wurden bei den Alten auch Drachen genannt. Aber wer dabei an geflügelte und feuerspeiende Untiere denkt, oder an sogenannte Basilisken, der denkt an eine Fabel. Und es ist nur so viel an der Sache, daß es in fremden Weltteilen auf den Bäumen Eidechsen gibt, die durch sogenannte Flughäute auf dem Rücken und am Hals, oder an den Seiten zwischen den vordern und hintern Beinen sich in der Luft schwebend erhalten und weite Sprünge machen können.

Johann Peter Hebel
Schatzkästlein des Rheinischen Hausfreunds

Mittwoch, 25. Juni 2008

Fabeltiere



Tiere, die nicht in der Realität sondern in Religion, Mythos und Dichtung vorkommen, nennt man Fabelwesen. Bekanntestes Fabeltier, über viele Völker verbreitet, ist der Drache, der als großes, schlangen- oder echsenartiges, oft geflügeltes Wesen dargestellt wird, das Feuer speien kann und Schätze bewacht. Darstellungen finden sich bereits in der Kunst des Alten Orients. In China gilt der Drache auch als Symbol des Wächters. Das Einhorn ist ein Fabeltier aus dem Mittelalter (weißes Pferd mit Horn), das seine Symbolik hauptsächlich aus dem Christentum entnimmt. Der Phönix ist ein Vogel, der sich selbst verbrennt und aus der Asche neu aufsteigt. Er wurde bereits im alten Ägypten verehrt.
Eine Reihe von Mischwesen sind den Fabeltieren ebenfalls noch zuzuordnen: der Basilisk (Drache & Hahn), Pegasus (Pferd & Mensch) und Greif (Löwe & Vogel).
Fabeltiere sind heute keineswegs ausgestorben. Sie bevölkern die Literaturgattung »Fantasy« so reichlich, wie zuvor die Mythologien der verschiedenen Völkern. In Fabeln selbst kommen sie allerdings nur höchst selten vor.
Horst-Dieter Radke