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Donnerstag, 7. Juni 2012

Ellorans Traum

Francis G. Hill aka Susanne Gerdom hat ihren ersten Roman, der im Jahr 2000 bei Heyne erschien und schon lange vergriffen ist, inzwischen als kindle-eBook wiederveröffentlicht. Simone Keil hat einen fabelhaften Trailer dazu gemacht.

Montag, 26. Dezember 2011

Der Marktschreier


Ein Marktschreier, von Alt und Jung umgeben,
Bot einst mit lauter Stimme seine Ware preisend dar:
„Kauft Pulver, kauft! es gibt euch neues Leben!
Es heilet alle Schmerzen:
Wer es gebraucht, wird heiter, wenn er noch so traurig war;
Es schenket Ruh dem Herzen;
Die Alten macht es jung, die Thoren klug,
Die Häßlichen recht schön und,nicht genug,
Die Schelmen ehrlich, und zu seinem Ziel
Geleitet jeden es, wohin er will!“
Die Lobgeschrei
Zieht mich herbei:
Ich muß das Pulver seh’n: es ist bedeckt mit Laub:
Man nimmt das Laub hinweg: ich sehe nun -Goldstaub!

Jean-Pierre Claris de Florian

Freitag, 8. April 2011

Die geschminkte Rose


An seinem Fenster pinselte
Ein Maler eine Rose je,
Und weil sie nicht bestellet war,
Gelang die Ros' ihm wunderbar:
Nun war er fertig, nahm den Hut,
Ging seines Weg's, und dachte: – gut!

Und eine weisse Rose, die
Am Fenster blühte, sah es, wie,
So schön das Roth der Schwester fand:
Den Vorzug sie gar tief empfand.
Sie faßte Neid, schalt ihren Topf,
Zergrämte sich und hing den Kopf.

Als nun der Maler wieder kam,
Und wahr der Rose Trauern nahm,
Da trat er mit dem Spritzkrug hin,
Zu Hülf' der armen Kränklerin;
Allein die Rose sträubte sich,
Und klagte bitter: Lasset mich!

Was hilft mir euer Wasserkrug?
Ich bleibe doch wie Leichentuch!
So roth, wie die dort, werd' ich nie,
Und bin doch auch so gut, wie sie.
Das Wasser bleicht mich nur noch mehr:
Nehmt lieber euern Pinsel her,
Und gebt mir auch so schönes Roth;
Ich bin ja sonst so blaß, wie Tod.

Der Maler dacht' in seinem Sinn,
Du eitle Närrin! nahm Karmin,
Und strich ihr roth die Blätter all',
Das dankte sie ihm tausendmal;
Allein kaum war die Farbe d'ran,
So fieng sie auch zu welken an.

Das Roth verdarb den Lebenssaft,
Zerfraß der zarten Fibern Kraft,
Gelbrothe Flecken zeigten sich,
Zusammenschrumpften jämmerlich
Die Blätter alle, und ihr Duft
War Odem einer Leichengruft.

Der Maler kam, und sah, und roch:
Gott, rief er, das die Rose noch,
Die gestern so den Text mir las,
Heut' stinkend, wie ein faules Aas? –
Er riß die Rose von dem Stock,
Im Hut sie über's Fenster flog.

Hört, Mädchen, was die Fabel spricht,
Und malt die weisse Rose nicht.

Aloys Blumauer

aus: Sämmtliche Gedichte. München 1830

S. 216ff