Posts mit dem Label Storch werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Storch werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 18. Oktober 2015

Fabel vom Storch und dem überschlauen Wolf


Ein Storch landete nach seinem langen Flug von Afrika entkräftet und müde neben dem Teich auf der großen Wiese. Sofort schlief er ein. Ein Wolf, der im Vorbeikommen den Storch sah, überlegte kurz, ob er ihn fressen sollte. Mit einem Blick auf die quakenden Frösche im Teich sagte er: Nein, den dürren, mageren Vogel mag ich mir jetzt nicht einverleiben. Ich warte noch ein bisschen, bis er sich wieder Fleisch an die Knochen gefressen hat. Dann wird er mir eine gute Mahlzeit sein.

Als der Storch am nächsten Tag erwachte und die Frösche im Teich hörte, begann er sofort, sich die besten herauszusuchen und zu verschlingen. Bald war er wieder kräftig und stand gut im Fleisch. Dem Wolf lief das Wasser im Mund zusammen, als er den Storch so sah. Er lief hin und wollte ihn fressen. Allein der Storch hob in aller Seelenruhe ab, flog noch ein paar Runden über dem Teich, in dem nur nur noch vereinzelt Frösche quakten und zog weiter. Der Wolf hatte das Nachsehen.

Horst-Dieter Radke

Samstag, 17. Oktober 2015

Von der Libelle, dem Frosch und dem Storch



»Du bist zu Höherem geboren«, sprach die Libelle, gerade aus dem so engen Puppenleib geschlüpft, zu sich selbst und stieg am Schilfhalm bis zur Spitze empor.
»Sie ist zu Höherem geboren, sagt sie«, sinnierte darüber der Frosch, die Augen fest auf das Insekt gerichtet. »Das verspricht ja ein Festmahl zu werden.«
»Stimmt«, ließ sich der Storch vernehmen und schnappte sich den Frosch just in dem Moment, als er auf dem Sprung zur Libelle war.

Und die Moral: Hör nicht auf dein Essen, wenn es spricht.

Wolf P. Schneiderheinze

Samstag, 11. April 2015

Der Habicht und der Storch


Ein Habicht schoß auf eine Lerche herab und ergriff sie mit seinen tödlichen Krallen. Er wollte sie rupfen, da störte ihn ein Storch, der die Jagd mitangesehen hatte.

"Die arme, kleine Lerche!" seufzte er vorwurfsvoll. "Eben hat mich ihr lieblicher Gesang noch erfreut."

"Spare dir dein Mitleid", meinte der Habicht schroff, "der Frosch, den du gerade verspeist hast, quakte vorhin auch noch so fröhlich."

Freitag, 5. Juli 2013

Der Sperling und die Nachtigall


Ein Sperling sprach zu einer Nachtigall:
Der Storch ist doch ein großer Reiser!
Er reist in alle Welt, ist, sagt er, überall
Umher gewesen; ob er weiser
Geworden ist? Ich zweifle dran.

Die Nachtigall hört alle an,
Sagt nichts; allein, man las in ihrem Blick,
Daß sie nicht eben viel vom Afterreden halte –
Sie flog in ihren Wald zurück,
Und sang, daß Berg und Thal erschallte!

Johann Wilhelm Ludwig Gleim
Ausgewählte Werke, Leipzig 1885

Mittwoch, 4. April 2012

Der Fuchs und der Storch


Fingerhutmuseum Creglingen

Gevatter Fuchs, der Knauser, scheute nicht
Die Kosten, Nachbar Storch ein Gastmahl zu spendieren.
Das Mahl war karg: als einziges Gericht
Ließ klare Brühe unser Schelm servieren –
Und diese gar in einem flachen Teller.
Der Storch mit seinem langen Schnabel sticht
Umsonst hinein, doch schleckte um so schneller
Der Fuchs mit breitem Maul das Ganze auf.
Um sich zu revanchieren,
Bat kurze Zeit darauf
Der Storch den Fuchs, bei ihm nun zu soupieren.
Der sprach: »Ich komme gern,
Zu speisen bei so liebem Herrn.«
Er eilte zur gegebnen Zeit
Zur Storchenwohnung, pries die Liebenswürdigkeit
Des Freundes, labte sich entzückt
Am Duft des Fleisches, das zerstückt
Und fein gekocht – so ganz, wie er's am liebsten mag,
Zunächst noch abseits lag.
Er war mit gutem Appetit beglückt,
Der Füchsen selten fehlen soll.
Doch ach, wie war das jammervoll:
Man trug das Mahl in einer engen Flasche auf!
Die Mündung war nicht weiter als ein Büchsenlauf.
Der Storchenschnabel tauchte leicht hinein ins Glas,
Des Gastes Schnauze aber brauchte andres Maß.
Mit leerem Magen zog der Herr nach Haus,
Mit eingekniffnem Schwanz und schlappen Ohren;
Er sah beschämter als ein Füchslein aus,
Dem keck ein Huhn den Pelz geschoren.

Merkt's euch, Betrüger all auf Erden:
Auch ihr sollt so betrogen werden!

Jean de Lafontaine
Fabeln. Berlin 1923

Montag, 9. Januar 2012

Storch und Falke

Ein junger Storch sah im Vorüberflug
Den Falken, den ein Fürste trug,
Wenn er zur Reigerbeitze ritte,
Und sprach: Es braucht nur eine Bitte
Bey der Dianen Majestät,
So werd ich ach im Rang erhöht;
Ich bin ohn daß schon hochgebohren,
Und zu der Jägerei erkoren.
Ich spieß Eideren, Frosch und Schlangen,
Was will man mehr von mir verlangen?
Drauf kam er, supplicando, ein,
Man mögt ihm auch ein Amt verleihn,
Und ein Diploms drüber schreiben,
Daß er getitelt könnt an ihrem Hofe bleiben.
Diana sprach: Was sucht der Geck?
Wenn er die Torheit will bezahlen,
So lasset ihm zwo güldne Frösche mahlen,
Im grünen Feld. Zwo Storch an jeder Eck,
Und außen her zwo wilde Katzen,
Als Wappenhalter dran, mit aufgehabnen Tatzen.
Sein künftger Tittel sey: Freiherr von Schlangenreuter,
Erbherr auf Klapperndorf, genannt von Reisignest,
In, und  zu Schnabelheim, etcetera, so weiter:
Wir wollen, daß man ihn dafür paßiren läßt.

aus:
Neue Fabeln und Erzählungen in gebundener Schreibart
Hamburg, verlegst Conrad König, 1749

Dienstag, 25. Oktober 2011

Sumpfreigen


»Herrscher im Fröscheteich,
Kröten- und Molchen-Reich,
o König Storch!
Wir dick- und dünner Art,
groß und fett, jung und zart,
die du bisher bewahrt,
preisen dich, horch!

Dein Haus, wie edel ragt’s,
dein gelber Schnabel sagt’s,
dein dünnes Bein;
dein silbern Staatsgewand,
dein schwarzes Ordensband,
dein hoher Gang und Stand:
welch hehrer Schein!

Wer von uns kommt dir gleich?
jeder auch noch so reich
ist dir ein Spott.
Wann hoch im Flug du schwirrst,
oder wann du regierst,
und an dem Teich spazierst,
bist du ein Gott!

Wer hat ein Herrscherrecht,
wenn nicht dein alt Geschlecht,
o Teiches Ruhm?
Du nur versorgst uns gut,
wir zollen deiner Hut,
und sind mit Gut und Blut
dein Eigenthum!«
Abraham Emanuel Fröhlich

Montag, 26. April 2010

Der Storch und der Falke



Ein junger Storch sah im Vorüberflug
Den Falken, den ein Fürste trug,
Wenn er zur Reigerbeitze ritte,
Und sprach: Es braucht nur eine Bitte
Bey der Dianen Majestät,
So werd ich auch im Rang erhöht;
Ich bin ohn daß schon hochgebohren,
Und zu der Jägerrey erkohren.
ich spieß Eideren, Frösch und Schlangen,
Was will man mehr von mir verlangen?
Drauf kam er, Supplicando, ein,
Man mögt ihm auch ein Amt verleihn,
und ein Diploma drüber schreiben,
Daß er getittelt könnt an ihrem Hofe bleiben.
Diana sprach: Was sucht der Geck?
Wenn er die Thorheit will bezahlen,
So läßet ihm zwo guldne Frösche mahlen,
Im grünen Feld. Zwo Störch an jeder Eck,
Und außen her zwo wilde Katzen,
Als Wappenhalter dran, mit aufgehobnen Tatzen.
Sein künftger Tittel sey: Freiherr von Schlangenreuter,
Erdherr auf Klapperndorf, genannt von Reisignest,
In, und zu Schnabelheim, etcetera, so weiter:
Wir wollen, daß man ihn dafür paßiren läßt.

Neue Fabeln und Erzehlungen in gebundener Schreibart
Hamburg, verlegtes Conrad König, 1749

Freitag, 6. Februar 2009

Storch und Frosch

Foto: Jeremias Radke

»Schau«, sagte der Storch zum Frosch, »es ist ja nur etwas mehr als ein halbes Jahr, dass ich deinesgleichen belästige. Im Herbst gehen wir auf Reisen und im Winter sind wir in Ländern, die euch gar nicht gefallen würden.«
»Was haben wir davon?«, jammerte der Frosch. »Im Winter liegen wir starr und steif im Schlamm, erwarten das Frühjahr und fürchten eure Rückkehr.«
»Dafür kann ich nichts!«, sagte der Storch. »Außerdem seid ihr uns zahlenmäßig überlegen.« Er schnappte den Frosch mit dem Schnabel, schlang ihn herunter und stapfte auf seinen langen Beinen weiter durch die Wiese, auf der Suche nach einem neuen Gesprächspartner.

Horst-Dieter Radke

Donnerstag, 20. November 2008

Aus einem sehr erklärlichen Misverständnisse…

Aus einem sehr erklärlichen Misverständnisse bey denen, die einer der Künste nur mächtig sich gern genügen wollten, entstand musikalische Poesie und poetische Musik, wenn aber etwas Poesie werden könnte, wäre es nicht Musik geworden, und umgekehrt. Diese beyden edlen Sinne des Geistes befinden sich dabey wie in der Fabel Storch und Fuchs bey gleicher Schüssel.

Achim von Arnim
Des Knaben WunderhornNachschrift an den Leser

Freitag, 18. Juli 2008

Die Fabel vom philosophischen Storch



Ein Storch grübelte viel über die im Reiche der Vögel bestehende Ungleichheit. Ihn ärgerten die Enten, die im schmutzigen Tümpel unter ihm lebten, die Adler, die auf den wilden Felsen horsteten, und die Nachtigallen, die im Gebüsch ihre Nester bauten. Endlich kam er zu dem Schluß, daß die Erziehung allein die Ursache dieser Mißstände sei. So flog er denn umher und bat sich von der Ente, dem Adler und der Nachtigall je ein Ei aus, um wie er sagte, einen für die Vogelwelt wichtigen Versuch zu machen, durch den die Gleichheit aller fliegenden Geschöpfe gesichert würde.

Dann brütete er seine Pflegebefohlenen sorgfältig aus. Und siehe: das kleine Entchen war kaum flügge, so flog es davon, stürzte sich kopfüber in den Tümpel und begann lustig zu schwimmen, der kleine Adler flog hinauf in die Felsen und kam nicht wieder, die Nachtigall aber starb, denn sie konnte die Storchnahrung nicht vertragen.

Der Storch klapperte nun in tiefen Gedanken. Daß er sich geirrt haben könne, gab er nicht zu, war er doch ein weiser Mann, und so sagte er, unbelehrt durch den Mißerfolg seiner genialen Probe: »Das Prinzip ist dennoch richtig, ich muß nur nach einer neuen Methode suchen. Ehe nicht alle Vögel Störche sind, ist ein Fortschritt im Vogelreich unmöglich.«

So sinnt der Philosoph heute noch auf die neue Methode.

E.T.