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Sonntag, 31. Juli 2011

Die Fabel

Die Göttin in dem Reich der Sitten,
Die Fabel hatte viel erlitten,
Die Wahrheit kam mit ihr in Noth,
Aesop und Phaedrus waren todt;
Ihr Tempel wurde ganz entehret,
Und durch den Lügenschwarm zerstöret.
Sie saß verlassen und betrübt,
So sehr sie auch die Menschen liebt,
So heftig ward sie nun gehasset,
Auf ihren Dienst nicht mehr gepasset,
Ihr Reich blieb lange Zeit verworrn,
Bis Gellert und von Hagedorn,
Zwey große, zwey lehrreiche Dichter,
Als unpartheysche Schiedesrichter,
Der Göttin ihre Unschuld sehn,
Und sie zu vorger Macht erhöhn;
Nun herrscht sie wieder auf der Erden
Und wird stets angebethet werden.

Neue Fabeln und Erzehlungen in gebundener Schreibart
Hamburg, verlegts Conrad König, 1749

Donnerstag, 14. August 2008

Äsop


Foto: Quelle

Äsop
(altgriechisch Αἴσωπος), wird als der älteste griechische Fabeldichter und Begründer der europäischen Fabeldichtung angesehen. Er lebte wahrscheinlich um 600 v. Chr. und stammte mutmaßlich aus Phrygien. Er soll hässlich und bucklig gewesen sein, als Sklave bei verschiedenen Herren gedient haben, bis ihn der letzte freiließ. Danach soll er auf Reisen gegangen und der Legende nach auch am Hofe des Königs Krösus von Lydien aufgetaucht sein. Auf einer Reise nach Delphi haben nach Aristophanes die Priester ihn wegen Gotteslästerung getötet.

Vermutlich beruhen die äsopischen Fabeln auf einer älteren Tradition und sind von diesem nur weiter ausgebildet worden. Da aber keine einzige Fabel direkt von ihm überliefert wurde, sondern nur mündlich weitergeben und später durch andere griechische und römische Fabeldichter (Phaedrus, Babrios, Avianus) aufgezeichnet wurden, ist auch die tatsächliche Existenz Äsops nicht letztendlich gesichert.

Die Äsopischen Fabeln begründen auch die europäische Fabeltradition, denn Sie wurde im Mittelalter in lateinischer Form, später dann in deutschen Übertragungen verbreitet. Ein großer Freund der äsopischen Fabeln war Luther, von dem es einige Fabelübersetzungen ins Deutsche gibt. Lessing knüpft mit seinen Fabeln bei den äsopischen Fabeln an und bezeichnet sie als den Höhepunkt der Fabeldichtung überhaupt – was ihn jedoch nicht hindert, auch Kritik zu üben.

Horst-Dieter Radke

Montag, 2. Februar 2009

Aesopus Latinus Romulus

Aesopus Latinus Romulus, oft auch einfach mit Romulus bezeichnet, ist eine antike Fabelsammlung in schlechter lateinischer Prosa aus dem 5. Jh. Die Fabeln entstammen den Versen des Phaedrus, der Name rührt von dem Einleitungstext (in Briefform) her, die mit Romulus unterzeichnet ist. Ein abschließender Brief ist dem Gattungsstifter Äsop unterlegt. Diese Sammlung ist die wichtigste Quelle für die Übermittlung äsopischer Fabeln im Mittelalter.

Horst-Dieter Radke